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Velo-Rikscha für Bewohner des Pflegeheims Fahr in St.Margrethen: Gian pedalt für Senioren

Gian Pergher will Pfleger werden. Im Sommer beginnt er eine Ausbildung im Altersheim Fahr. Im Rahmen einer Projektarbeit zum Ende seiner Schulzeit stellt er im Heim eine Velo-Rikscha vor.
Monika von der Linden
Zum ersten Mal lässt sich Ruth Schwarz von Gian Pergher mit der Velo-Rikscha kutschieren. (Bild: Monika von der Linden)

Zum ersten Mal lässt sich Ruth Schwarz von Gian Pergher mit der Velo-Rikscha kutschieren. (Bild: Monika von der Linden)

Es kostet viel Kraft, einen Rollstuhl zu schieben. Selbst wenn er einen Elektroantrieb hat, gerät man leicht ins Schwitzen. Folglich ist der Radius von Ausfahrten begrenzt.

Das weiss Gian Pergher schon lange. Bereits als Bub begleitete er seine Mutter, die in Freiwilligenarbeit einen Rollstuhldienst leistet, regelmässig ins Altersheim. Der 15-jährige Schüler der dritten Realklasse der Oberstufe Mittelrheintal sagt:

«Ich habe gesehen, welch grosse Freude ich den Bewohnerinnen und Bewohnern mit einer Ausfahrt bereite.»

Gian Pergher hat eine Idee, wie er die Freude der Bewohner vermehren kann: Mit einer Velo-Rikscha kutschiert er zwei Senioren gleichzeitig, ohne sich anstrengen zu müssen.

An Orte der Erinnerung fahren

«Heute dreht sich fast alles um die Jungen», sagt der in Au lebende Jugendliche. «Was erwartet man noch von alten Leuten?» Alte Menschen seien arm dran, sagt er. «Sie können kaum mehr etwas von ihrer Umgebung sehen.»

Das möchte Gian Pergher ändern. Er behandelt die Anschaffung und den Einsatz einer Velo-Rikscha in der Projektarbeit, die er zum Abschluss seiner Oberstufenschulzeit schreibt. Er sagt:

«Das ist ein Projekt von Jungen für die Alten.»

Von einer Rikscha erhofft sich Gian Pergher, den Radius zu vergrössern, auf dem Heimbewohner unterwegs sein können. «Steuern wir Orte der Erinnerung an, haben die Senioren mal wieder einen guten Tag. Das ist mehr wert als nur ein Ausflug.»

Damit Gian Pergher nicht nur von einer Velo-Rikscha spricht, sondern auch demonstrieren kann, welche Vorteile das Gefährt hat und welchen Spass es bereitet, sind seine Eltern in Vorkasse getreten. Die 11000 Franken für die Anschaffung haben sie vorgestreckt. Auf der Suche nach Sponsoren ist der Schüler bereits fündig geworden. 2000 Franken hat er bisher gesammelt. Er wünscht sich, das Gefährt komplett über Sponsoren finanzieren zu können.

Die Rikscha ist recht teuer. Ausländische Produkte sind in der Schweiz nicht zugelassen. Im Inland gibt es nur einen Anbieter, der das Patent besitzt, um im Ausland gekaufte dreirädrige Gefährte an die Schweizer Gesetze anzupassen.

«Die Bewohner werden Schlange stehen»

Unterstützung findet Gian Pergher bei Alexander Raggl, dem Pflegedienstleiter des Alters- und Pflegeheims Fahr in St.Margrethen. Dem Heim stellt Gian Pergher die Velo-Rikscha zur Verfügung, sobald er das Schulprojekt abgeschlossen hat. «Gian hat die Aufgabe bravourös gemeistert», sagt Alexander Raggl.

«Er bereichert unser Heim. Die Bewohner erhalten mehr Lebensqualität.»

Alexander Raggl malt aus, wie die Bewohner Schlange stehen werden, um in der Rikscha Platz nehmen zu können und sich zum Glacéessen, Einkaufen oder einem Ausflug an den Eselschwanz kutschieren lassen. Ein Sonnen- und Regenschutz erhöht den Komfort der Senioren ausserdem.

Das Angebot wird ein fester Bestandteil des Aktivierungsprogrammes des Altersheims Fahr. Wer die Velo-Rikscha lenken möchte, muss 16 Jahre alt sein und die Rollerprüfung abgelegt haben. Gian Pergher sagt:

«Ich werde selbst einmal alt sein. Dann wäre es schön, wenn das Heim, in dem ich lebe, eine Velo-Rikscha hätte.»

Der Schüler hofft, dass sein Beispiel Schule macht und jedes Heim im Rheintal möglichst zwei Rikschas anschafft. Zunächst wird Gian Pergher aber nicht im Heim wohnen, sondern dort arbeiten. Im Sommer beginnt er ein Praktikum im «Fahr». Nach einem Jahr schliesst er eine Ausbildung zum Altenpfleger an.

Bald gibt es etliche Gelegenheiten, an den man fröhliche Senioren beobachten kann, die in der Umgebung von St.Margrethen kutschiert werden. «Ich frage die Bewohner, ob sie Verwandte oder ein Restaurant besuchen möchten. Auswählen dürfen sie selbst.»

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