Velo-Hündeler im Visier der Thurgauer Tierschützer

Angeleint neben dem Velo herzulaufen, tut nicht jedem Hund gut. Der Thurgauische Tierschutzverband will künftig mehr auf die Radfahrer achten und wenn nötig sogar Strafanzeige erstatten.

Ida Sandl
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Kleiner Hund angeleint ans Velo: Dabei muss der Hundehalter besonders auf das Tier achten. (Bild: GettyImages)

Kleiner Hund angeleint ans Velo: Dabei muss der Hundehalter besonders auf das Tier achten. (Bild: GettyImages)

Manchmal sieht Reinhold Zepf, der Präsident des Thurgauischen Tierschutzverbands (TTSV), die Qual der Hunde schon von weitem. Mit hängender Zunge hecheln sie neben dem Velo her, während Herrchen kräftig in die Pedale tritt. So etwas nimmt einer wie Zepf nicht schweigend hin. «Das kommt oft gar nicht gut an», sagt Zepf. Was ihn das bitteschön angehe, gifteln die Hundebesitzer zurück. Es gibt aber auch andere, die einsehen, dass sie ihrem Hund zu viel zugemutet haben. Die seien sogar dankbar für den Hinweis.

Weniger Absicht als Gedankenlosigkeit

In letzter Zeit fällt es Zepf vermehrt auf, dass Hündeler ihren vierbeinigen besten Freund mit dem Velo Gassi führen. Der TTSV hat deshalb seine Mitglieder aufgefordert stärker auf Velofahrer mit angeleinten Hunden zu achten. Ist es besonders offensichtlich, dass ein Hund leidet, behalte man sich sogar vor, Strafanzeige wegen Verdachts auf Tierquälerei zu stellen. Allerdings sei das so eine Sache mit den Strafanzeigen, sagt Zepf. Es sei nicht zu beweisen, ob jemand ein Tier gequält hat oder nicht.

Zepf geht davon aus, dass die meisten Hundebesitzer ihre Tiere nicht absichtlich leiden lassen. Meistens sei es Gedankenlosigkeit und die absurde Vorstellung, ein Hund müsse bis an sein Lebensende möglichst viel bewegt werden. Ein alter Hund brauche nicht mehr so viel Auslauf, sagt Zepf.

«Das ist wie bei einem alten Menschen.»

Ihm geht es vor allem um Aufklärung, weniger um Strafanzeigen. Wenn ein Hund mit der Leine ans Velo gebunden ist, dann gibt der Mensch die Geschwindigkeit vor. Der Hund muss mitziehen. Für junge und grosse Hunde sei das kein Problem. Für ein kleines oder älteres Tier könne dies aber schnell einmal zu anstrengend werden. «Wenn ich so einen kleinen Hund neben dem Velo rennen sehe, habe ich ein ungutes Gefühl», sagt Zepf. Der Hundehalter müsse darauf achten, wie der Hund reagiert. Auf keinen Fall sollte man ihn zwingen.

Ein paar Runden zu Fuss seien in der Regel besser und gesünder. Wenn es erlaubt ist, könne man das Tier auch mal ohne Leine springen lassen. «Dann kann er selber bestimmen, was für ihn gut ist.»

Voraus laufen lassen und Asphalt meiden

Zur Vorsicht rät auch eine Hundesportlerin, die viel mit Huskys arbeitet. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, weil es danach immer negative Reaktionen gebe. «Nicht alle Menschen finden Hundesport gut.» Ihre Hunde würden beim Velofahren voraus laufen, schildert die Frau. «Die Tiere geben das Tempo an.» Asphaltstrassen seien tabu, da schlecht für die Gelenke. Ausserdem sei der Hund mittels Gummileine am Velo befestigt. «Damit es keine Schläge gibt.»

Regula Jung, die Präsidentin des Kynologischen Vereins Frauenfeld, geht mit ihrem belgischen Schäferhund Irpa gerne Velofahren. «Man muss das Tempo dem Hund anpassen», sagt sie. Negative Beispiele von abgehetzten Hunden, die nur mit Mühe mit Herrchens Velo Schritt halten können, hat sie vom heissen Sommer noch in Erinnerung. Im Winter sehe man die Velofahrer eher selten. Sie findet: «Nichts mit dem Hund zu machen, ist aber öfters das Problem.»