Uznacher Juristin gibt den Ton an

Die Uznacher Staatsanwältin Beatrice Giger (32) hat als einzige Schweizer Juristin eine Facharbeit über die Beschneidung bei Knaben geschrieben, dies unter dem Titel «Genitalverstümmelung – Voraussetzungen und Grenzen der Einwilligung».

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Die Uznacher Staatsanwältin Beatrice Giger (32) hat als einzige Schweizer Juristin eine Facharbeit über die Beschneidung bei Knaben geschrieben, dies unter dem Titel «Genitalverstümmelung – Voraussetzungen und Grenzen der Einwilligung». Umso gefragter sind ihre Erkenntnisse bei der aktuellen Diskussion an Spitälern, ist im Interview mit der «Südostschweiz» nachzulesen.

Spital Linth wartet zu

Das Kinderspital Zürich führt wieder Beschneidungen bei Knaben durch – gestützt auf den Fachartikel der Uznacher Staatsanwältin. Das Kinderspital Ostschweiz hat noch nicht definitiv darüber entschieden. Das Spital Linth will vorerst keine weiteren Beschneidungen in Uznach erlauben. «Wir warten ab, wie die politische und rechtliche Diskussion in der Schweiz ausfällt», wird Spitaldirektor Urs Graf in der «Südostschweiz» zitiert.

«Das ist Genitalverstümmelung»

In der Schweiz existiert nahezu keine Fachliteratur zu den rechtlichen Aspekten bei der männlichen Beschneidung. Eine Ausnahme ist die Masterarbeit von Beatrice Giger. Die Juristin wertet die Beschneidung von Knaben im Kindesalter als «Genitalverstümmelung». Nach Strafgesetzbuch sei dies eine einfache Körperverletzung, wenn der Eingriff nicht medizinisch notwendig sei. Das sei aber ihre private Meinung und nicht die allgemeine Auffassung der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen. Anders als die weibliche Genitalverstümmelung sei die männliche Beschneidung im Gesetz aber nicht namentlich als Straftatbestand erwähnt.

Bei der rechtlichen Einschätzung der Beschneidung stützt sich das Kinderspital Zürich auf einen Fachartikel, den Giger bereits im Februar veröffentlicht hat. Die Juristin glaubt, dass die Beschneidung von Knaben im Kindesalter bald verboten sein wird. (red.)