Urteil von Bad Rans: Das Wellness-Kartenhaus wurde zum Einsturz gebracht

Es gilt als eines der grössten Luftschlösser der Ostschweiz: Im historischen Bad Rans bei Sevelen sollte ein Hotel-Wellness-Kongress-Komplex für 140 Millionen Franken entstehen. Geblieben sind nur Trümmer und Tränen.

Reinhold Meier
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50 Zügelkartons voll Akten zeugen von der achtjährigen Ermittlungsarbeit. (Bild: Reinhold Meier)

50 Zügelkartons voll Akten zeugen von der achtjährigen Ermittlungsarbeit. (Bild: Reinhold Meier)

Es ist gut zehn Jahre her, als das Traumbild eines Heilwasser-Renditeobjekts die Region Werdenberg elektrisierte. Dutzende arglose Anleger rund um Bad Rans haben ab 2007 über sechs Millionen Franken in die gleichnamige Genossenschaft gepumpt, häufig Teile ihrer Altersvorsorge und Notgroschen. Doch gebaut wurde nie, das Geld verschwand auf Nimmerwiedersehen. Das hat Schmerz bei den Betroffenen, aber auch bei Handwerkern hinterlassen, die auf offenen Rechnungen sitzen blieben.

Geplant war angeblich ein Vier-Sterne-Hotel mit Seminartrakt, ein Kurbad und eine Seniorenresidenz. Sogar an einen Ballsaal für rauschende Feste war gedacht. Das nötige Heilwasser dazu sollte aus einer eigens geplanten Tiefenbohrung beim ehemaligen, historischen Bad sprudeln. Zwischen 1880 und dem ersten Weltkrieg war der Thermalbetrieb hier auf Hochtouren gelaufen. Pferdebespannte Bäderwagen zirkulierten zwischen Sargans und Grabs und brachten Gäste herbei. Doch von der Belle Epoque ist in der Region nur die Erinnerung geblieben. Genau an diese verblichene Sehnsucht goldener Zeiten vermochten die Drahtzieher des neuen Luftschlosses offenbar nahtlos anzuknüpfen.

Mammutprozess
 gestemmt

Seit 5. November hatten sich die mutmasslichen Verantwortlichen vor dem Kreisgericht in Mels zu verantworten, nach epischen Voruntersuchungen und einem bereits wegen Befangenheit geplatzten Prozess. 50 Zügelkartons voll Akten zeugten von achtjähriger Ermittlungsarbeit. Zwei Staatsanwälte plädierten an Schranken, dazu knapp ein Dutzend Verteidiger der acht Angeklagten.

In der Hauptsache lautete die Anklage auf Misswirtschaft, Urkundenfälschung, ungetreue Geschäftsbesorgung, Gläubigerschädigung und Veruntreuung. Den Hauptbeschuldigten war vor allem vorgeworfen worden, sie hätten ihr Doppelmandat als Verwaltungsräte der Genossenschaft und ihrer eigenen Aktiengesellschaft ausgenutzt, um Gelder in die eigene Tasche zu schaufeln. Vier Wochen waren für die Verhandlung angesetzt, in einem Prozess, der am Kreisgericht in dieser Dimension als bisher einzigartig gilt.

Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebentäter

Ende November folgte dann der Urteilsspruch. Dabei unterschied das Gericht, vereinfacht gesagt, zwischen von krimineller Energie getriebenen Haupttätern sowie Nebentätern, die eher durch Wegschauen und Schweigen eine gewisse Mitschuld an der Pleite auf sich geladen hatten. Die beiden Hauptbeschuldigten wurden in der Folge zu fünf und dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Die Nebenbeschuldigten erhielten deutlich mildere Sanktionen, mehrheitlich bedingte Geldstrafen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Schon 2009 hatte sich die Finanzlage der Genossenschaft dramatisch verschlechtert, wie es in der Anklage hiess. Gleichwohl hätten die Drahtzieher noch gewissenlos Mittel abgezogen, bis endlich im März 2011 der Konkurs eröffnet worden sei. Dagegen haben sie sich mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr gesetzt, wenn auch erfolglos.

Mosaikstein im Gestrüpp von Immobilienbetrug?

Neben der Anklage von Mels weisen weitere Anklageschriften gegen die Hauptbeschuldigten darauf hin, dass der Fall Bad Rans nur ein Mosaikstein in einem noch viel grösseren Gestrüpp von Immobilienbetrug sein könnte. Danach sollen sie mit einem verzweigten Firmenkonstrukt landesweit Anleger um weitere 17 Millionen Franken geprellt haben.