URTEIL: Vier Jahre Haft für Vergewaltiger

Eine Woche hatte das Martyrium einer 13-Jährigen gedauert. Dann bekam die Mutter mit, dass ihr Freund das Mädchen sexuell genötigt und vergewaltigt hatte. Nun wurde der Täter verurteilt.

Reinhold Meier
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Reinhold Meier

ostschweiz@tagblatt.ch

Der Angeklagte hatte sich dem damals 13-jährigen Mädchen zuerst nachts genähert, nachdem es in seinem Kinderzimmer eingeschlafen war. Er berührte und küsste das schlaftrunkene Kind gegen dessen Willen und versuchte, es auch sexuell zu stimulieren. Tagelang nutzte er jede sich bietende Gelegenheit, die körperlichen Übergriffe fortzusetzen, zuerst weiter abends im Schlafzimmer, später auch tagsüber in der Wohnung, wenn die Mutter nicht da war.

Nach einer Woche legte er sich zum Opfer ins Bett und vergewaltigte es, trotz Gegenwehr. Nach einem erneuten Übergriff am Tag darauf ging das Mädchen unter einem Vorwand zur Polizei und zeigte ihn an. Die Mutter bekam von alldem nichts mit. Sie hatte den Angeklagten einige Monate zuvor kennen gelernt und erst wenige Tage vor den Übergriffen eine engere Beziehung zu ihm aufgenommen.

Der Beschuldigte war zwei Jahre zuvor als Asylbewerber von Gambia eingereist. Noch während seines Asylverfahrens reiste er nach Spanien weiter, wo er einen Aufenthaltstitel erlangte. Nach der Rückkehr in die Schweiz half er seinem Halbbruder in Wetzikon, alte Autos für den Export einzusammeln und zu einem dafür bestimmten Container zu fahren.

Entschädigung für U-Haft gefordert

Die Anklage forderte vor dem Kreisgericht in Mels vier Jahre Haft, namentlich wegen Vergewaltigung, mehrfacher sexueller Nötigung und Handlungen mit einem Kind sowie wegen rechtswidrigen Aufenthalts und Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung. Der heute 34-jährige Beschuldigte wollte davon nichts wissen. Er bestritt die Übergriffe von Beginn weg und zeigte sich während der ganzen, fast einjährigen Untersuchungshaft weder geständig noch reuig. Die Verteidigung forderte denn auch Freispruch von den Vorwürfen zu den Sexualstraftaten. Die Beweislage sei zu unsicher, hiess es, und letztlich stünde bloss Aussage gegen Aussage. Nur für die ausländerrechtlichen Delikte sah sie eine Schuld gegeben und forderte dafür eine bedingte Geldstrafe.

Für die Unbill der U-Haft seien seinem Mandanten sogar 48600 Franken Entschädigung zu zahlen, so der Verteidiger weiter. Der Beschuldigte selbst äusserte sich an Schranken nicht, war er doch nach dem Ende der U-Haft zurück nach Gambia ausgereist und gilt dort seitdem als unauffindbar.

Das hinderte das Gericht nicht daran, zu einem vollumfänglichen Schuldspruch zu gelangen. Dabei fielen einschlägige DNA-Spuren aus dem Bett des Opfers sowie ein Glaubwürdigkeitsgutachten zu den Aussagen des Opfers massgeblich ins Gewicht. Als erwiesen sah das Gericht zudem, dass das Mädchen Hemmungen hatte, sich der Mutter zu offenbaren. Der Täter habe diese familiäre Situation ausgenutzt.

Einreiseverbot verhängt

Im Strafmass folgten die Richter dem Antrag des Staatsanwaltes und verhängten vier Jahre Haft. Zudem verpflichtete das Gericht den Täter zur Zahlung von 15000 Franken Genugtuung für das Opfer, ebenso zu Erstattung seiner Parteikosten in Höhe von 7300 Franken. Der Mann wurde zudem zu Schadensersatz für das Opfer verpflichtet. Über dessen Höhe ist in einem gesonderten Zivilverfahren zu entscheiden.

Ferner schlagen 46000 Franken Verfahrenskosten zu Buche, die vollumfänglich vom Täter zu zahlen sind, ebenso wie jene 11600 Franken, die der Staat für seine amtliche Verteidigung ausgelegt hat.

Für die Öffentlichkeit interessant dürfte der bereits erfolgte Entscheid des kantonalen Migrationsamtes sein. Dieses hat als vom Gericht unabhängige Behörde ein Einreiseverbot erteilt. Sollte der Mann erneut an der Schengengrenze auftauchen, dürfte er umstandslos ins Gefängnis gehen und auch bei seinen erheblichen finanziellen Verpflichtungen behaftet werden.