URTEIL: Über 20 Jahre Haft für Bluttat

Der Mann, der in Bregenz Anfang Jahr seine Dealerin umgebracht hat, muss hinter Gitter. Der Mann ist ­geständig, will sich aber nicht an das Würgen und 85 Messerstiche erinnern. Das Gericht glaubt ihm nicht.

Christiane Eckert
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Im Februar 2017 kam es in Bregenz zu einem grausamen Vorfall. Zunächst dachten die Bewohner des Hauses, dass es sich «nur» um einen Brand handle. Dann machte die Feuerwehr in der Wohnung einer 65-Jährigen eine schockierende Entdeckung. Die Rentnerin lag blutüberströmt mit 85 Messerstichen und Würgemalen leblos auf dem Fussboden. Ein 35-jähriger Drogenkonsument, der bei der Frau zuvor Kokain und Cannabis gekauft hatte, gab zu, die Rentnerin mit einem Messer attackiert zu haben. Allerdings war er durch verschiedene Substanzen so beeinträchtigt, dass man erst überprüfen musste, welche seiner Angaben stimmen konnten. Er sei mit seiner Bekannten in Streit geraten, weil sie ihn erwischt habe, wie er Drogen aus ihrem «Geheimversteck», dem Wohnzimmertisch, stehlen wollte. Er habe die wütende Frau abgewehrt, sich verteidigt. Beide seien zu Boden gefallen, er habe sie mit dem Messer einmal attackiert. Weiter könne er sich nicht erinnern.

Angaben des Täters decken sich nicht mit Ermittlungen

«Mein Mandant war völlig überrascht über die vielen Messerstiche und er ist bestimmt kein Schauspieler», so Verfahrenshilfeverteidiger Martin Ulmer. Sein Mandant habe bei der Polizei immer wieder geweint, er könne sich an die brutale Messerattacke offenbar nicht erinnern, so der Anwalt. «Die Angaben des Täters sind mit den Obduktionsergebnissen nicht in Einklang zu bringen», so die Staatsanwaltschaft. Die Frau habe kaum mehr Gegenwehr geboten, dennoch finden sich 17 Stiche im Rücken, 35 im Nacken, 23 im Gesicht und 10 im Hals. Der Würgevorgang habe zwischen vier und fünf Minuten gedauert. An all das kann oder will sich der Täter nicht mehr erinnern.

Zur Tatzeit zurechnungsfähig

Bei dem Notruf erzählte der achtfach Vorbestrafte, der bereits 2013 einen Bekannten mit dem Messer schwer verletzte, dass er und seine 65-jährige Bekannte überfallen worden wären und ein Unbekannter die Frau niedergestochen habe. Danach ging er zu seiner Freundin in die gemeinsame Wohnung und wusch Hände und Kleidung. Der Freundin erzählte er ebenfalls seine Geschichte von einem unbekannten Dritten, der das Opfer verletzt habe. Er selbst kam bei beiden Geschichten nur als Opfer beziehungsweise als Unschuldiger vor. Laut Primar Reinhard Haller war der 35-Jährige im Tatzeitpunkt zurechnungsfähig. Dass er sich nicht mehr erinnern kann oder will, könne entweder eine Schutzbehauptung oder ein Verdrängungsmechanismus sein.

Dass es in der Wohnung nach der Bluttat zu einem Brand kam, der von der Feuerwehr gelöscht werden konnte, hielt die Staatsanwaltschaft für keinen Zufall. Ihrer Meinung nach sollten Spuren verwischt werden. Nach zweistündiger Beratung kamen die Geschworenen zu dem einstimmigen Ergebnis: Mord ja, versuchte Brandstiftung nein. Die Strafe 18 Jahre. Dazu kommen allerdings noch offene Strafreste, die der Mann von früher offen hat. Alles in allem sind es somit 20 Jahre und neun Monate, die er abzusitzen hat. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Christiane Eckert

ostschweiz@tagblatt.ch