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URTEIL: Sexualtäter lockte Buben an

Ein 43-jähriger Mann muss für drei Jahre und sieben Monate ins Gefängnis. Er hatte minderjährige Buben mit einem Fake-Profil eines Mädchens dazu gebracht, mit ihm Sex zu haben.
Urs Brüschweiler

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch

«Das war ein durchdachtes, perfides System, dass Sie da hochgefahren haben.» Die Präsidentin des Bezirksgerichts Kreuzlingen und mit ihr die vier Richter liessen beim Urteilsspruch keine Milde walten. Den Angeklagten, einen 43-jährigen Deutschen, der im Thurgau lebt, schicken sie für drei Jahre und sieben Monate ins Gefängnis. Viele Argumente für eine weniger harte Bestrafung konnten der Beschuldigte und sein amtlicher Verteidiger während der Verhandlung nicht vorbringen. Zwischen August 2014 und Februar 2016 habe er mindestens vier Buben unter 16 Jahren und mindestens zwei Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren über soziale Medien kontaktiert. Er gab sich in den Internetplattformen als 14-jähriges, attraktives Mädchen aus und versprach den Buben, mit ihnen Sex zu haben. Er verlangte in dieser Rolle von den Minderjährigen, dass sie zuerst mit seinem realen Ich, also einem erwachsenen Mann, Sex hätten. Weil «sie» darauf stehe, wenn sich zwei Männer gegenseitig befriedigten. In der Tat ging der verwerfliche Plan des Beschuldigten in mehreren Fällen auf. Ausserdem entstand dabei Foto- und Filmmaterial, das als Kinderpornografie eingestuft wird. Damit setzte der Beschuldigte seine Opfer teilweise auch noch unter Druck, um zu weiteren Treffen zu kommen.

«Es war eine blöde Idee»

Der grosse, kräftige Mann antwortete leise und einsilbig auf die Fragen der Gerichtspräsidentin. Zwischendurch fand er auch gar keine Worte und stockte. «Ich weiss nicht mehr, was mich da geritten hat. Es war eine blöde Idee», sagte er. Niedergeschlagen sass er am Angeklagtentisch und ergänzte: «Es tut mir leid. Ich würde es ja rückgängig machen, aber ich kann es nicht.» Später folgte so etwas wie ein Erklärungsversuch. Nach der Scheidung habe er «die Schnauze voll» gehabt von Frauen.

Die Staatsanwältin betonte, dass ausser dem grundsätzlichen Geständnis dem Angeklagten praktisch nichts zugutegehalten werden könne. Die Behauptung, er habe nicht gewusst, dass sich die Kinder im Schutzalter befänden, spiele keine Rolle. «Der Erwachsene trägt immer die ganze Verantwortung.» Er habe eine enorme kriminelle Energie aufgebracht. Die Strafverfolger hätten auf seinem Computer so viele Chats gefunden, dass nicht alle ausgewertet werden konnten.

Die Eltern eines der Opfer traten als Privatkläger auf und waren vor Gericht anwesend. Der Vater zeigte sich schockiert über die Details, die er erfahren hatte, und forderte eine harte Bestrafung des Angeklagten. Der amtliche Verteidiger betonte mehrfach, dass er die Taten seines Mandanten nicht beschönigen wolle. Er wies dann auch nur in Detailfragen auf strafmildernde Möglichkeiten hin.

Doch die Forderung, dass der Mann mit einer bedingten Haftstrafe davonkomme, weil er seine Lektion längst gelernt und aktuell Aussicht auf eine Festanstellung habe, war beim Gericht chancenlos. «Ihr Handeln war höchst verwerflich und nicht entschuldbar.»

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