Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

URTEIL: Letzte Chance für jungen Täter

Ein junger Schweizer hat in den vergangenen vier Jahren mehrfach gegen das Gesetz verstossen. Das Kreisgericht St. Gallen hat ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe mit Therapieanordnung verurteilt.
Claudia Schmid

Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch

Ein 22-jähriger Mann fuhr im Januar 2014 zusammen mit Kumpels zum Güterbahnhof Gossau. Dort brachen sie einen Cargo-Wagen auf und stahlen daraus Elektronikgeräte. Einige Tage später wiederholten sie die Tat. Insgesamt erbeuteten sie Geräte im Wert von rund 30000 Franken. An der Verhandlung am Kreisgericht St. Gallen hielt ihm der vorsitzende Richter eine ganze Reihe an weiteren Delikten vor: So beging er Entreissdiebstähle, versuchte Fahrzeuge aufzubrechen, setzte sein Zimmer mutwillig unter Wasser, flüchtete vor der Polizei und konsumierte regelmässig Cannabis.

Zweimal besuchte er seine Mutter und forderte von ihr Geld. Weil sie ihm dieses verweigerte, drohte er ihr unter anderem, das Haus anzuzünden oder sie zu erschiessen. Mehrmals verübte der Beschuldigte Racheakte. Im August 2015 hielt er in Herisau einem Autofahrer ein Messer an den Hals. Dieser hatte ihn zurechtgewiesen, weil er zu Fuss auf der Strasse unterwegs war. In einer Juninacht dieses Jahres ging er in Herisau zur Filiale der St. Galler Kantonalbank. Er beabsichtigte, in die Bankräume einzudringen und dort mit einem Baseballschläger Gegenstände kaputt zu schlagen. Damit wollte er sich an der Bank rächen, weil sie zwei Jahre zuvor sein Konto aufgelöst hatte.

Drohung an der Migros-Kasse

Am Tag darauf bedrohte der junge Mann eine Migros-Verkäuferin mit einem Messer und forderte Geld. Das habe er gemacht, weil er wegen ihr Fieberblasen an der Lippe bekommen habe, erklärte der Beschuldigte. Sie habe einen Ausschlag im Gesicht gehabt. Weil er ein Brot bei ihr gekauft und gegessen habe, sei er angesteckt worden.

Wahnvorstellungen und Schlafstörungen

Die Staatsanwältin forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren, eine Geldstrafe von 5 Tagessätzen à 30 Franken und eine Busse von 800 Franken. Da der Beschuldigte laut eines Gutachtens eine psychische Erkrankung hat, beantragte sie vollzugsbegleitend eine ambulante psychiatrische Behandlung. Der junge Mann hatte in der Befragung des vorsitzenden Richters von Wahnvorstellungen und Schlafstörungen erzählt.

Der Verteidiger beantragte eine bedingte oder teilbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie die Anordnung einer ambulanten Massnahme und Bewährungshilfe. Bei der Strafzumessung müssten strafmindernde Umstände berücksichtigt werden. Einige der Taten habe sein Mandant unter Wahnvorstellungen begangen. Man müsse sie als eine Art Hilfeschrei verstehen. In der Zwischenzeit habe er ein gutes Auffangnetz und sei auf einem relativ guten Weg. Er habe einen Beistand und arbeite in geschütztem Rahmen. Dies dürfe nicht mit einer langen Haftstrafe wieder zerstört werden.

Bedingte Strafe ausgesprochen

Das Kreisgericht St. Gallen fällte eine lange Liste an Schuldsprüchen. Darunter befinden sich Raub, Diebstahl, Sachbeschä- digung, versuchte Erpressung, Nötigung, Hausfriedensbruch, Hinderung einer Amtshandlung, Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Handhabung der Bahnpolizei und gegen das Betäubungsmittelgesetz. Es verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 27 Monaten. Der Beschuldigte muss eine ambulante Therapie und Bewährungshilfe in Anspruch nehmen. Zudem hat er eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 10 Franken und eine Busse von 700 Franken zu zahlen.

Das Gericht habe das Strafmass angesichts der Schwere der Taten höher als die Staatsanwaltschaft angesetzt, erklärte der vorsitzende Richter zum Urteil. Jedoch spreche es die Freiheits-strafe bedingt aus, weil das Richtergremium überzeugt sei, dass der Beschuldigte mit dem derzeitigen Setting auf gutem Wege sei. Dass das Kreisgericht die Freiheitsstrafe bedingt ausgesprochen habe, bedeute eine letzte Chance für den jungen Mann. Reisse er sich jetzt nicht am Riemen, werde wohl kein Weg mehr an einem Gefängnisaufenthalt vorbeigehen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.