URTEIL: Hundebiss: Halter wird freigesprochen

Ein Hundehalter, dessen Hund einen anderen Hund gebissen hatte, musste sich vor dem Strafgericht verantworten. Nach Verurteilung in erster Instanz wurde er nun vom Thurgauer Obergericht freigesprochen.

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Wegen fahrlässiger Tierquälerei und Widerhandlung gegen das Hundegesetz musste sich ein Hundehalter vor Thurgauer Obergericht verantworten. Laut Strafbefehl und Anklageschrift soll der Beschuldigte auf einem Parkplatz in Weinfelden seinen Malinois-Mischling in einem Abstand von etwa anderthalb Metern an der Leine geführt haben. Als er noch rund zwei Meter von einem anderen Hundehalter und dessen Tochter sowie deren beiden Alaskan Huskys entfernt gewesen sei, sei der Hund plötzlich losgesprungen. Er habe einen der Huskys, der von der Tochter an der kurzen Leine gehalten worden sei, in den Nacken gebissen.

Verurteilung wegen fahrlässiger Tierquälerei

Das Bezirksgericht Weinfelden hatte den Halter des Malinois ­wegen fahrlässiger Tierquälerei und Widerhandlung gegen das Hundegesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 30 Franken und einer Busse von 400 Franken verurteilt. Der Hundehalter legte Berufung gegen das Urteil ein.

Das Thurgauer Obergericht sprach den Halter des Hundes von den Vorwürfen frei und verwies die Schadenersatzforderung des betroffenen Hundebesitzers auf den Zivilweg, wie die Medienstelle des Thurgauer Obergerichts gestern mitteilte.

Die vier bis fünf Zentimeter lange Bisswunde musste laut Urteilsbegründung zwar genäht werden, und der Husky hatte sicher Schmerzen. In den Akten fänden sich aber keine Hinweise, dass der Husky nach dem Biss besonders litt, dadurch erheblich beeinträchtigt wurde oder ein verändertes Verhalten an den Tag legte. Es bestünden erhebliche Zweifel, dass die erlittene Beeinträchtigung den Schweregrad einer Misshandlung erreichte, den der objektive Tatbestand der Tierquälerei im Tierschutzgesetz verlangt.

Zwischenfall war nicht vorhersehbar

Zudem konnte dem Angeklagten auch keine Fahrlässigkeit vorgeworfen werden, heisst es in der Mitteilung des Gerichts. Aufgrund der Umstände sei für ihn der Zwischenfall nicht vorher­sehbar gewesen. Alles ging sehr schnell, und der Beschuldigte sei vom Angriff seines Hundes überrascht worden. Den Akten sei nicht zu entnehmen gewesen, dass der zwölfjährige Malinois-Mischling in der Vergangenheit andere Tiere angefallen oder gebissen hätte.

Mangels einer Sorgfaltspflichtverletzung konnte dem Angeklagten auch nicht vorgeworfen werden, er habe seine Pflicht als Hundehalter verletzt, Vorkehrungen zu treffen, damit sein Hund nicht Menschen und Tiere gefährdet. Er missachtete auch keine Vorschriften über die Tierhaltung. Ein Schuldspruch wegen Widerhandlung gegen das kantonale Hundegesetz kam daher nicht in Betracht. Der Entscheid ist rechtskräftig. (sda)