URTEIL: «Den Verstand ausgeschaltet»

Ein Motorradfahrer wurde am Ricken mit 157 Stundenkilometern erwischt. Seinen Führerausweis ist er längst los – nun wurde er vom Kreisgericht See-Gaster verurteilt.

Christine Schibschid
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Beliebte Strecke: Motorradfahrer auf dem Ricken. Symbolbild: TB

Beliebte Strecke: Motorradfahrer auf dem Ricken. Symbolbild: TB

Die Polizeibeamten staunten nicht schlecht: Bei einer Geschwindigkeitskontrolle Ende Mai an der Uznacherstrasse am Ricken ging ihnen beim Parkplatz Rittmarren ein Raser ins Netz, der mit 157 Stundenkilometern unterwegs war. Erlaubt sind an der Stelle Tempo 80.

Seinen Führerschein musste der 28-jährige Motorradfahrer, der mit seiner Freundin unterwegs war, sofort abgeben. Er wird ihn mindestens zwei Jahre nicht zurückbekommen. Das war aber nicht alles: Gestern stand der Raser wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln vor dem Kreisgericht See-Gaster in Uznach. Ihm drohte eine Freiheitsstrafe von bis zu vier Jahren. Der Handwerker berichtete, dass er beruflich stark unter dem Entzug seines Führerausweises leide. «Dass er zwei Jahre oder länger weg ist, ist recht bitter», sagte er. Er sei auf einen Fahrer angewiesen oder müsse Maschinen mit öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren. «Ich weiss noch nicht, wie ich das weiterhin anstellen soll.» Der 28-Jährige erzählte ausserdem, dass er nun zum Verkehrspsychologen müsse. Der Verteidiger des Rasers sagte, dass sein Mandant lediglich kurz das Handgelenk bewegt habe. «Für diese Bewegung trägt er jetzt den Stempel Raser.» Der Jurist unterstrich, dass es in seinen Augen konsequent wäre, die Geschwindigkeit von Fahrzeugen auf die zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h zu drosseln.

Angeklagter zeigt Reue

Der Beschuldigte und sein Verteidiger zeigten sich einverstanden mit dem Strafvorschlag der Staatsanwaltschaft. Das Gericht verurteilte den Motorradfahrer zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren. Der Raser darf sich in nächster Zeit nichts zuschulden kommen lassen. Er muss ausserdem fast 7000 Franken Verfahrens- und Anwaltskosten übernehmen. Da der Angeklagte das Urteil akzeptierte, ist es rechtskräftig. «Ich habe ein paar Sekunden meinen Verstand ausgeschaltet», bedauerte der 28-Jährige. «Die Sache war mir eine grosse Lehre. Künftig sollte ich vielleicht mehr nachdenken.»

Christine Schibschid

ostschweiz@tagblatt.ch