URTEIL: Berufsverbot für Betrüger

Das Kantonsgericht St. Gallen hat gegen einen 46-jährigen Finanzbetrüger eine leicht mildere Strafe ­ausgesprochen als die Vorinstanz. Statt fünfeinhalb Jahre muss er vier Jahre und neun Monate absitzen.

Claudia Schmid
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Claudia Schmid

ostschweiz@tagblatt.ch

Der Beschuldigte verlangte im Berufungsverfahren vor dem Kantonsgericht St. Gallen eine Reduktion seiner Strafe um ein Jahr. Der Mann befindet sich seit 2016 im vorzeitigen Strafvollzug. Mit seinem gestern veröffentlichten Entscheid hat das Kantons­gericht St. Gallen das Urteil des Kreisgerichts Wil aufgehoben. Es erklärte den Schweizer des mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Urkundenfälschung und des versuchten Prozessbetrugs schuldig.

Das Gericht bleibt mit dem Strafmass von vier Jahren und neun Monaten leicht über dem Antrag des Beschuldigten, der in der Berufungsverhandlung vergangenen Mittwoch viereinhalb Jahre beantragt hatte. Die Staatsanwältin forderte mit Anschlussberufung eine Erhöhung der Freiheitsstrafe auf sechs Jahre.

Das Kantonsgericht sprach in seinem Urteil auch ein Berufs­verbot aus. Es verbietet ihm unter Androhung von Freiheits- oder Geldstrafe für die Dauer von fünf Jahren nach Entlassung aus dem Strafvollzug jegliche selbstständige und unselbstständige Tätigkeit in der Finanz-, Versicherungs- und Treuhandbranche.

Gesamtschaden von über zwei Millionen Franken

«Es ist ihm insbesondere jegliche Vermögensverwaltung für Drittpersonen untersagt. Ebenso ist ihm verboten, sich von Dritten Vollmachten für Bankkonten ausstellen zu lassen oder Gelder und andere Vermögenswerte Dritter treuhänderisch entgegenzunehmen, zu verwalten, weiterzuleiten oder sonst wie darüber zu verfügen», ist im Urteil festgehalten. Seinem Entscheid hat das Kantonsgericht eine schriftliche Kurzbegründung angefügt. Im Rahmen der Strafzumessung gelte es zu berücksichtigen, dass durch das vom Beschuldigten betriebene Schneeballsystem ein doch recht erheblicher Gesamtschaden von rund 2,24 Millionen Franken entstanden sei. «Der Beschuldigte zeigte dabei keine Hemmungen, ihm nahestehende Menschen zu betrügen, und liess sich zunächst auch durch eine laufende Strafuntersuchung nicht von der Begehung weiterer Taten abhalten. Innerhalb des grossen Spektrums vergleichbarer Taten erweist sich das Verschulden als mittelschwer bis schwer», hält das Richter­gremium fest.

Merklich strafmindernd sei allerdings zu berücksichtigen, dass sich der Beschuldigte von Anfang an geständig und ko­operativ gezeigt habe. «Das Geständnis und die Kooperationsbereitschaft ist ihm als Beitrag zur Sachaufklärung und Verfahrensabkürzung zugutezuhalten.» Zudem absolviere er im vorzeitigen Strafvollzug freiwillig eine Therapie, was – neben anderen Faktoren – auf eine Einsicht in das begangene Unrecht schliessen lasse. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe und mit Blick auf die Rechtsprechung des Kantons­gerichts in anderen Fällen erweise sich aus Sicht des Kantons­gerichts eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten als angemessen.

Aufwendiger Lebensstil dank Schneeballsystem

Der Beschuldigte hatte während zehn Jahren bei Bekannten, Freunden und Geschäftspartnern über 3,5 Millionen Franken für vermeintliche Anlagen erschwindelt. Er gab sich als Börsen­spezialist aus und versprach ihnen hohe Renditen. In Wahrheit handelte es sich um ein Schneeballsystem im Stile des soge­nannten Ponzi-Tricks. Der Mann investierte das meiste Geld nicht wie angegeben in Anlagen. Einerseits befriedigte er Kunden, die auf die Auszahlung ihrer Investitionen pochten, mit den ­Einlagen neuer Anleger. Andererseits finanzierte er sich mit dem Geld seinen aufwendigen Lebensstil. Pro Jahr zweigte er so rund 200 000 Franken für sich ab.

Er lebte mit seiner Familie in einer 1,4 Millionen Franken teuren Villa, leistete sich ein Ferienchalet in den Tiroler Alpen und kaufte alle 18 Monate einen ­neuen Mittelklassewagen. Am Schluss blieben 57 Geschädigte und ein Schaden von 2,24 Mil­lionen Franken zurück.