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URTEIL: 18 Jahre Gefängnis wegen Mordes

Ein Mann hat im Januar seine Ehefrau erstochen. Nun musste er sich vor dem Schwurgericht Feldkirch verantworten. Dieses folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft.
Ostschweiz@tagblatt.ch

Ein Mann, der im Januar seine Ehefrau umgebracht hatte, stand in Feldkirch vor Gericht. Nach einem Streit ging der damals 46-Jährige mit einem Küchenmesser zu seiner Frau ins Schlafzimmer und stach heftig auf sie ein. Die vier Kinder hörten die Hilfeschreie ihrer Mutter und wollten ihr helfen, doch für die Frau kam jede Hilfe zu spät. Danach sass der Täter in der Küche und wartete weinend auf die Polizei. «Ein klarer Fall von Totschlag», so der Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft hingegen plädierte vor dem Schwurgericht auf Mord. «Die Frau musste sterben, weil ihr türkischstämmiger Ehemann es nicht ertrug, dass sie nicht mehr mit ihm zusammen sein wollte», sagte der Staatsanwalt.

«Er steigerte sich in Hirngespinste hinein»

Das Paar heiratete 1992 – die Ehe war arrangiert. Die beiden bekamen vier Kinder. «Angefangen haben die Probleme, als sich die Frau zu emanzipieren begann», so der Staatsanwalt. Das Opfer sei eine offene Frau gewesen, ihr Mann dem klassischen Rollenverhalten des türkischen Kulturkreises verhaftet. «Ehrverletzungen spielen dort eine ganz andere Rolle als bei uns», führte der Staatsanwalt aus. Der Mann habe Geschichten über Liebhaber herbeifantasiert, vieles falsch interpretiert. Dieses Hineinsteigern in Hirngespinste sei an jenem Abend im Januar eskaliert.

Ein ganz anderes Bild zeichnet der Verteidiger. Sein Mandant habe einen Totschlag während einer «allgemein begreiflichen» heftigen Gemütsbewegung begangen, keinen Mord. Die lange Beziehung zwischen Opfer und Täter, das emotionale Explodieren eines an und für sich sanften Menschen sei geradezu lehrbuchhaft. 2002 sei sein Mandant während eines Streites von seiner Frau mit einem Messer verletzt worden, habe dies aber nicht anzeigen wollen. Wegen seines Stotterns habe sie ihn gehänselt, hemmungslos mit einem Liebhaber gechattet und ohne sein Wissen abgetrieben. Vor der Tat habe eisiges Schweigen geherrscht, ehe der Streit nach eineinhalb Stunden Diskussion eskalierte. «Es war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte», sagt die Verteidigung. Die Geschworenen entschieden aber einstimmig auf Mord. Die Strafe: 18 Jahre Gefängnis. Den vier Kindern wurden je 20000 Euro zugesprochen.

Die Verteidigung meldete eine Nichtigkeitsbeschwerde sowie Berufung an.

Christiane Eckert

ostschweiz@tagblatt.ch

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