Urgewalt singt mit starker Stimme beim Kurzfestival Blues in Heerbrugg

Die Auftritte von Marcus Bonfanti und Sari Schorr beim Kurzfestival Blues im Madlen verschafften dem altehrwürdigen Kinotheater ein volles Haus. Geboten wurde Bluesmusik vom Allerfeinsten.

Gerhard Huber
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Marcus Bonfanti zeigte mit seiner Band urwüchsigen, einfachen und schnellen Bluesrock. (Bild: Ulrike Huber)

Marcus Bonfanti zeigte mit seiner Band urwüchsigen, einfachen und schnellen Bluesrock. (Bild: Ulrike Huber)

Wer am Samstagabend lieber urwüchsige, erdige, ganz einfach echte Musik hören wollte, der setzte sich nicht vor sein Fernsehgerät und lauschte den synthetischen Popballaden des Eurovision Song Contest, sondern der verfrachtete sich ins «Madlen», wo zwei grossartige Künstler zwei nicht minder grossartige Konzerte gaben.

Zwei Grössen der aktuellen Bluesszene, die trotz ihrer ähnlichen Stilrichtungen wohl unterschiedlicher nicht sein könnten. Marcus Bonfanti, britischer Bluesrock-Gitarrist, Sänger und Songwriter, wurde bereits als Acoustic Act bei den British Blues Awards ausgezeichnet.

Und sein letztes Album «Shake the walls» wurde vom Classic Rock Magazine zu den Top-5-Bluesalben des Jahres 2013 gezählt. Als Gitarrist und Sänger ist er auch in der bereits seit den Siebzigern des letzten Jahrhunderts bestehenden Band Ten Years After tätig.

Bluesrock in mehreren Stilrichtungen

Bonfanti und seine zwei Begleitmusiker an Bass und Drums zeigten grossartigen Bluesrock in mehreren Stilrichtungen. Mal an Country & Western erinnernd, mal an Hardrock angelehnt, mal in den Jazz flüchtend, meist aber ganz einfach richtigen Blues. Zwölf Takte, die Melodie mit drei Akkorden begleitet, meist in der heute allgemein am öftersten verwendeten Form, dem AAB Pattern.

Bei Marcus Bonfanti, dem Guitar Hero mit den schnellen Fingern, endeten die meisten Songs in variantenreichen und absolut hörenswerten Improvisationen, die sich bis in ein Crescendo hineinsteigerten, um dann wieder zur Auflösung in der Grundmelodie zu finden.

Die zweite Künstlerin dieses Abends war Sari Schorr aus New York, eine Singer-Songwriterin, die bereits in die «New York Blues Hall of Fame» aufgenommen worden ist. Zu Recht. Denn Sari Schorr ist eine Urgewalt, ein Wirbelwind, eine unerschöpfliche Energiequelle.

Ohne despektierlich sein zu wollen, trifft die Bezeichnung Rampensau wohl am besten ihre Art des Auftritts. Ein Energiebündel mit der stärksten Bluesrock-Röhre, die derzeit zu hören ist. Mit einer Stimmmischung aus Chi Coltrane, Janis Joplin und Tina Turner sang sich Sari Schorr auch in Heerbrugg tief in die Herzen der begeisterten Bluesfans.

Bluesmusiker mit Freude und Spass

Wie kommt Pascal Zäch als Organisator des «Blues im Madlen» an solche Künstler von Weltrang? «Wir sind vor einiger Zeit im Internet auf einen Sänger gestossen, den wir unbedingt haben wollten. Und damit auch auf seine Agentur, über die wir jetzt auch unsere ausgezeichneten Acts bekommen.» Zäch erzählt voller Begeisterung, dass gerade die Bluesmusiker nicht in Pflichterfüllung auftreten, sondern mit Freude und Spass spielen.

Im Gedächtnis haften geblieben ist ihm der Spruch eines dieser Akteure «I’ve never worked in my life!» Denn als Bluesmusiker tue er sein Leben lang nur das, was ihm am meisten Freude bereite. Die Verjüngung des Programms, der Zuschnitt auf ein etwas jüngeres Publikum habe sich auch bezahlt gemacht. «Wir sind mit dem Besuch an den zwei Konzerttagen sehr zufrieden. Etwa 40 Prozent mehr Fans als noch im letzten Jahr, an beiden Tagen beinahe ausverkauft. Einfach grossartig.» Worin ihm beizupflichten ist.