UNTERSUCHUNG: Beinahe-Unfall über den Wolken

Zwei Flugvorfälle in Wilen bei Wil und in Wigoltingen gingen 2015 ­glimpflich aus. Die Untersuchungsberichte zeigen Pilotenfehler auf.

Christoph Zweili
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Auch in der Luft lauern Gefahren für die Piloten. (Bild: Mario Testa)

Auch in der Luft lauern Gefahren für die Piloten. (Bild: Mario Testa)

Immer wieder analysieren die Ex­perten der Schweizerischen Sicher­heitsuntersuchungsstelle (Sust) auch Zwischenfälle, die nur mit viel Glück keine fatalen Folgen hatten. Fast zwei Jahre nach der Notlandung einer einmotorigen Piper Archer III am 12. Juli 2015 am Dorfrand von ­Wilen in der Nähe von Wil kennt man nun die Ursache.

Der damals 68-jährige Thurgauer Privatpilot und seine Frau – auch sie eine geschulte Pilotin – waren auf dem Rückflug von ­Lausanne nach Lommis, als das Triebwerk im Raum Bazenheid aussetzte. Der Pilot segelte wie im Lehrbuch auf die Wiese auf dem Hummelberg. Beide Insassen konnten das unbeschädigte Kleinflugzeug am frühen Sonntagabend unverletzt verlassen. Laut der Sust ist «der schwere Vorfall» auf ein Treibstoffleck im Benzinfiltergehäuse zurückzuführen, das durch den Verlust eines Ventils während des Fluges entstanden war. Die Experten, die Unfälle und gefährliche Ereignisse von Bahnen, Luftfahrzeugen und Schiffen untersuchen, kommen zum Schluss, dass der Pilot den Flug früher hätte ab­brechen müssen.

Ballonfahrer stören Landeanflug

Mehr Glück als Verstand hatte ein unaufmerksamer Heissluftballonfahrer, der am 3. Juni 2015 eine Swiss-Linienflugmaschine über Wigoltingen in Not gebracht ­hatte. Der Heissluftballon mit einem Piloten und fünf Passa­gieren an Bord war ohne Freig­abe einer Flugverkehrsleitstelle, aber mit eingeschaltetem Transponder mit Höhenübermittlung in der Luft. Unabhängig vom ersten Ballon starteten zwei weitere Heissluftballone vom selben Startplatz bei Warth-Weiningen. Der oberste der drei Ballonfahrer kam dem Avro RJ100 Jumbolino gefährlich nahe, der sich unter Radarführung aus Nürnberg kommend im Anflug auf den Flughafen Zürich befand. Horizontal fehlten nur 740 und ver­tikal 152 Meter zu einem ­Zusammenstoss. Nur dank des Verkehrswarn- und Kol­lisions­­verhin­derungssystems im Verkehrsflugzeug sei es nicht zum Schlimmsten gekommen, heisst es im Schlussbericht.

Auch dieser Vorfall wird als «schwer» gewichtet. Das Verkehrsflugzeug landete sicher wie geplant in Zürich. Die Sust gibt im Schlussbericht mehrere Sicherheitsempfehlungen zur Ver­ringerung der Kollisionsgefahr zwischen Grossflugzeugen und Flugzeugen der Sport- und Leicht­aviatik.