UNTERSTÜTZUNG: Geldspritze für die Pizolbahnen

Den Pizolbahnen fehlen pro Jahr 850 000 Franken. Nun hat die öffentliche Hand den Hilferuf erhört: Der Kanton St. Gallen und die umliegenden Gemeinden unterstützen die Bahnen in den nächsten sechs Jahren mit 3,24 Millionen Franken.

Reto Vincenz
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Mit der finanziellen Unterstützung des Kantons St. Gallen und der Standortgemeinden sollen die Pizolbahnen zurück in die schwarzen Zahlen finden. (Bild: Mareycke Frehner)

Mit der finanziellen Unterstützung des Kantons St. Gallen und der Standortgemeinden sollen die Pizolbahnen zurück in die schwarzen Zahlen finden. (Bild: Mareycke Frehner)

Reto Vincenz

ostschweiz@tagblatt.ch

Warme Winter, der starke Franken, fehlende Beschneiungsanlagen und hohe Kosten für die Doppelerschliessung des Skigebiets über Wangs und Bad Ragaz: Die Gründe für das strukturelle Defizit der Pizolbahnen AG sind vielfältig und durch zwei kantonale Gutachten belegt. Bei Nichthandeln drohe die Zahlungsunfähigkeit – es fehlen pro Jahr 850000 Franken. Nun naht Rettung von der öffentlichen Hand. Sechs Gemeinden aus der Region und der Kanton St. Gallen wollen den Pizolbahnen verteilt über sechs Jahre mit insgesamt 4,14 Millionen Franken unter die Arme greifen. Man sei bereit, damit das «öffentliche Interesse an der Pizolbahnen AG» abzugelten, hiess es gestern in einer Medienmitteilung. Die Standortgemeinden Bad Ragaz und Vilters-Wangs steuern je rund eine Million bei. Eine weitere gute Million teilen sich Mels, Sargans, Wartau und Pfäfers nach einem festgelegten Schlüssel (siehe Kasten). Der Kanton zahlt 900 000 Franken, verteilt über drei Jahre in Tranchen zu 300 000 Franken.

Der Kanton braucht in seinem Communqué ebenfalls deutliche Worte, etwa, dass «die Pizolbahnen AG unter strikten Auflagen eine nachhaltigere und risikoärmere Strategie fährt». Beide – Kanton und Gemeinden – knüpfen die Auszahlung der Gelder an diese Bedingung.

Entscheid liegt bei den Steuerzahlern

Die Gemeinderäte in Mels, Sargans, Wartau und Pfäfers stehen hinter dem Entscheid, dem Pizol zu helfen. Für die beiden Präsidenten der Standortgemeinden, Daniel Bühler (Bad Ragaz) und Bernhard Lenherr (Vilters-Wangs) ist aber klar, dass der Entscheid bei den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern aller sechs beteiligter Gemeinden liegt. Denn: Würden die «finanziellen Abgeltungen» in einer der sechs beteiligten Gemeinden von den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern nicht getragen, «ist das Paket vom Tisch». Die Pizolbahnen seien ein regionales Dossier, von dessen Freizeitangebot auch die umliegenden Gemeinden profitieren.

Für den Vorsteher des kantonalen Volkswirtschaftsdepartementes, Regierungsrat Bruno Damann, ist klar, dass der damalige Entscheid für den Bau der beiden Zubringer aus heutiger Sicht falsch war. «Ein Konkurs der Bahnen käme den Kanton aber teurer zu stehen», sagt Damann. Die Regierung laufe mit ihrem Entscheid möglicherweise Gefahr, weitere Begehrlichkeiten aus der Privatwirtschaft zu wecken. Eine Präjudiz schaffe man aber nicht. Damann: «Im Sinne einer Standortförderung ist es möglich, dass sich der Kanton für eine relativ kurze Zeit an solchen Restrukturierungsmassnahmen beteiligt.» Es habe bereits früher ähnlich gelagerte Fälle gegeben. Trotzdem sei klar, dass die Regierung diese Unterstützung lieber nicht hätte leisten müssen, gab Damann unumwunden zu.

Weiter machte er klar, dass die Regierung die 900 000 Franken als letztmalige Hilfe des Kantons an die Pizolbahnen ansieht. Die Gelder würden nur ausbezahlt, wenn die Bedingungen von den Verantwortlichen der Bahnen eingehalten würden. Der Kanton geht davon aus, dass die Bahnen nach Ablauf der Zahlungen von Kanton und Gemeinden und dank der Restrukturierungsmassnahmen in der Lage sein werden, den Betrieb weiterzuführen.

Konkurs käme teurer

Bruno Damann geht so weit, dass er den Entscheid zum Bau der beiden Zubringer «aus der heutige Sicht als falsch» erachte. Für die Regierung gehe es jetzt auch darum, in die Pizolbahnen investierte Gelder zu schützen. So hatte der Kanton unter anderem den Bau der beiden Zubringer im 2007 und 2009 und zuletzt auch den Bau des neuen «Schwamm»-Liftes mit IHG- und NRP-Darlehen unterstützt. Diese Schulden haben die Pizolbahnen zwar beim Bund, doch müsste der Kanton die Hälfte davon übernehmen, wenn die Bahnen Konkurs gingen und keine Beträge mehr zurückfliessen würden. Und das wäre «deutlich mehr» als die jetzigen 900 000 Franken, so Damann.

Keine direkten Parallelen sieht er zum kürzlich gefällten Entscheid der Regierung, ein Gesuch der Bergbahnen Wildhaus um ein Darlehen abzulehnen. Im Toggenburg gehe es darum, Geld in den Bau einer neuen Anlage zu investieren. Auch gebe es im Toggenburg zwei sich konkurrierende Bahnen. «Wir haben immer gesagt, dass wir das Gesuch aus dem Toggenburg neu beurteilen, wenn unsere Forderungen erfüllt sind», so Damann.