«Untere Mühle», Schwellbrunn: Landbeiz mit einer Prise Raffinesse

D ie «Untere Mühle» liegt in einer Talsenke zwischen Schwellbrunn und Degersheim, auf der Strasse fährt – dies der Eindruck – jede Viertelstunde mal ein Auto vorbei, dazwischen ist nichts als das Rauschen des Bachs und des Windes im Laub.

Merken
Drucken
Teilen

D ie «Untere Mühle» liegt in einer Talsenke zwischen Schwellbrunn und Degersheim, auf der Strasse fährt – dies der Eindruck – jede Viertelstunde mal ein Auto vorbei, dazwischen ist nichts als das Rauschen des Bachs und des Windes im Laub. Keine Adresse der Kategorie «tolle Aussicht» (der Name «Untere Mühle» weckt diese Erwartungen auch nicht). Von Orten wie diesem heisst es gemeinhin, dass sich hier Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Uns sagten an diesem strahlenden Samstagmittag Christophe Miller, der Koch, und Cornelia Hartmann, die Wirtin, ein freundliches Willkommen. Die beiden arbeiten seit einigen Jahren zusammen. Aus dem grenznahen Ausland trieb es sie einst in den Alpstein, die Vorarlbergerin war zuletzt in der «Passhöhe» auf der Schwägalp Geschäftsführerin, der Elsässer daselbst Küchenchef. Vor sechs Jahren brachten sie gemeinsam die Mühle zum Laufen.

Die stand zuvor leer, hätte umgenutzt werden sollen, doch dann entschied sich die Besitzerin, die Degersheimer Klimageräte-Firma Krüger, anders. Gott sei's gedankt.

Das besondere Etwas

Denn was Hartmann und Miller an diesem idyllischen Ort auf die Beine gestellt haben, ist eine Gastronomie zum Verlieben. Angefangen beim schmucken Häuschen und den Räumen (heimeliges Stübli und Säli) über die lauschige Terrasse bis zum sorgfältig gestalteten Eingangsbereich

(ein «Ungenügend» gibt's einzig für die weissen Plastikstühle auf der Terrasse) – und natürlich zum Kulinarischen. Schon ein flüchtiger Blick auf die Karte lässt ahnen: Hier erwartet uns die schöne, rustikale Küche einer Bauern- oder Landbeiz, der aber eine Prise Exotik oder Raffinesse das besondere Etwas verleiht.

Sagen wir's konkret: Es gibt die kleine Karte mit den üblichen ländlichen Köstlichkeiten, vom Wurstsalat (12.–/14.50) über Schwartenmagen (14.50) zur Kalbsbratwurst mit Zwiebelsauce und Rösti (17.50). Und es gibt die Speisekarte, aus der verlockend dieses Ortsunübliche herausstrahlt. Zum Beispiel Ravioli gefüllt mit Gänseleber an Morchelrahmsauce (19.50), Stöffs Kalbspaillard mit Käserahmsauce und Nüdeli (34.50) oder das Filet Patronne mit Nüdeli und Gemüsebouquet, ein Rindsfilet an Rosenpfeffer und Cognacrahmsauce (44.–).

Ein Fünkchen Italianità

Wir machten die Stichprobe mit Mostbröckli-Röllchen, gefüllt mit Meerrettichschaum auf Blattsalaten (9.50) und Lammentrecôte mit Schlosskartoffeln und Blattspinat (33.–). Der Eindruck einer schönen Balance zwischen Rustikalität und Noblesse bestätigte sich: Miller richtet schön und grosszügig an, ohne sich in Dekorationsorgien zu ergehen.

Die Zutaten sind untadelig und gekonnt verarbeitet, von den frischen Salaten bis zum Spinat – auch er mit einem Hauch Extravaganz. Oder sagen wir: einem Fünkchen Italianità. Das Weinangebot ist nicht übermässig gross, enthält aber einige schöne Muster aus Europa und Übersee sowie attraktive Flaschenweine im Offenausschank.

Unser Eindruck: Engagierte und unkomplizierte Gastgeber, eine Lage mit hohem Erholfaktor, Küche mit Pfiff: So macht Gastronomie Freude. Beda Hanimann

Untere Mühle, Schwellbrunn Untere Mühle 505, 9103 Schwellbrunn, Tel. 071 371 13 51. Cornelia Hartmann (Gastgeberin), Christophe Miller (Küchenchef) www.untere-muehle.ch Öffnungszeiten: Mo/Di Ruhetag (Achtung: Ferien vom 12.7. bis 3.8.) Karte: Vorspeisen 6.50–19.50, Hauptgerichte 17.50–44.–