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«Unserer Effizienzkultur fehlt das Menschliche»

Wer sich vor einem Burn-out schützen will, muss lernen, zwischen Arbeit und Freizeit zu unterscheiden. Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen, fordert FHS-Dozentin Alexandra Cloots.
Ursula Wegstein

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Alexandra Cloots ist Professorin an der Fachhochschule St. Gallen.

Alexandra Cloots ist Professorin an der Fachhochschule St. Gallen.

Alexandra Cloots ist Co-Leiterin des HR-Panels New Work an der Fachhochschule St. Gallen. Sie forscht und lehrt zu den Themen New Work, digitale Transformation, Organisationskultur und Kompetenzentwicklung.

Was halten Sie davon, wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern über Persönlichkeitstrainings den Zugang zu sich selbst ermöglichen?

Alexandra Cloots: Das ist absolut sinnvoll. Die Arbeitswelt ist schnelllebig, der Leistungsdruck hoch. Durch die Digitalisierung beschleunigt sich alles noch mehr. Das alles erzeugt Stress. Wenn ich unterwegs oder von zu Hause aus arbeite, verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Persönlichkeitscoaching in Richtung Achtsamkeit ist ein Trend, wie ich meine innere Haltung dazu verändern kann. Ich muss lernen, zwischen Arbeit und Freizeit zu unterscheiden. Da brauchen viele Unterstützung.

Worauf kommt es dabei an?

Das Thema betrifft Arbeitgeber und die Mitarbeiter: Das Unternehmen gestaltet durch flexible Arbeitszeiten, Auszeiten, Home-Office oder Teilzeitmodelle die Rahmenbedingungen. Andererseits müssen sich aber auch die Mitarbeiter für das Thema öffnen. Jeder muss für sich erkennen, was ihn stresst. Und Strategien entwickeln, damit umzugehen.

Verlangt der Kampf um die besten Talente von den Arbeitgebern inzwischen auch, dass sie mehr für die Work-Life-Balance tun?

Die junge Generation hat andere Werte. Da hat sich etwas geändert. Aber die Frage, wie ich die Arbeit sinnvoll gestalten kann und mit meinem Privatleben in Einklang bringe, betrifft alle Generationen gleichermassen.

Hat das Unternehmen mit dem persönlichen Achtsamkeitscoaching alles Erforderliche getan?

Der Arbeitgeber gibt die Arbeitskultur vor. Heute steht die Effizienz im Vordergrund. Der sogenannte «human touch» gerät dabei ins Hintertreffen. Durch die Anforderungen an die Effizienz verstärkt sich der Druck und die Burn-out-Erkankungen steigen. Darum braucht es die menschliche Komponente. Ausserdem muss die Achtsamkeit von den Führungskräften selbst vorgelebt werden. Sonst versickert das gleich wieder.

Wirkt sich ein attraktives und gesundes Arbeitsumfeld auf den Unternehmenserfolg aus?

Motivierte Mitarbeiter wirken sich positiv auf den Erfolg aus. Wenn ich über Techniken verfüge, wie ich mit Stress umgehen kann, kann das Erholung bringen – zum Beispiel, indem ich Aufgaben priorisiere. Das stärkt die psychische Widerstandskraft.

Wie sieht der ideale Arbeitsplatz von heute aus?

Das ist sehr individuell: Während der eine Mitarbeiter feste Strukturen braucht, schätzt ein anderer Flexibilität und stört sich vielleicht daran, wenn er abends keine E-Mails mehr verschicken soll. Die neue Arbeitswelt bietet viele Möglichkeiten: Ich kann im Zug arbeiten oder in der Badi. Doch die Flexibilität und die damit verbundenen Freiheiten sind nicht für alle gleich gut. Hier braucht es auch die Akzeptanz für die Individualität jedes Einzelnen.

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