«Unsere Leute schliefen im Büro»

Ostschweizer Unternehmen sorgen sich um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Japan. Sie informieren sich laufend über die Lage im asiatischen Land. Die Rationierung des Stroms erschwert die Arbeit in den Niederlassungen.

Inge Staub
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Ein japanisches TV-Team drehte bei der Firma Esge in Mettlen einen Film. Der Esge-Stabmixer Bamix ist ein Verkaufsschlager in Japan. (Bild: Nana Do Carmo)

Ein japanisches TV-Team drehte bei der Firma Esge in Mettlen einen Film. Der Esge-Stabmixer Bamix ist ein Verkaufsschlager in Japan. (Bild: Nana Do Carmo)

Als die Erde am Freitag in Tokio bebte, liefen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Christian Fischbacher sofort auf die Strasse. Der Chef der japanischen Niederlassung informierte umgehend die Zentrale. Das St. Galler Textilunternehmen beschäftigt in Japan 55 Personen in Vertrieb und Lager. Fünf Mitarbeiter mussten von Freitag auf Samstag im Büro übernachten, weil kein Zug mehr fuhr. Der Japan-Chef von Fischbacher ist zu Fuss nach Hause gegangen. Er war drei Stunden unterwegs.

Durch das Erdbeben sind die Waren im Lager aus den Regalen gefallen. Der ganze Lagerbestand liegt am Boden. Nun müssen alle Mitarbeitenden mithelfen, das Lager wieder aufzuräumen. Weltweit ist Japan der zweitgrösste Markt für Einrichtungsstoffe von Christian Fischbacher. Das Unternehmen hat deshalb im vergangenen Jahr in Tokios elegantem Einkaufsquartier Aoyama einen Showroom eröffnet. «Swissness wird in Japan sehr geschätzt», sagt Unternehmenssprecherin Victoria Fux.

Stabmixer in Japan beliebt

Wie Fischbacher schätzen eine ganze Reihe von Ostschweizer Firmen den japanischen Markt. Der Thurgauer Stabmixer Bamix ist sogar ein Verkaufsschlager. Der Markt in Japan ist für die Firma Esge einer der wichtigsten. Von den jährlich 400 000 in Mettlen produzierten Mixern geht ein bedeutender Teil in Japan über den Verkaufstisch. Das Unternehmen produziert den Mixer sogar eigens in Farben, die in der Schweiz nicht ankommen würden. Im letzten Sommer war in Mettlen ein japanisches TV-Team zu Gast, das einen Film für das Werk im Thurgau drehte. Nach dem Erdbeben sorgt sich Esge-Geschäftsführer Erich Eigenmann um seine Partner. Es sei für diese schwierig, zur Normalität zurückzukehren.

Trinkflasche aus Frauenfeld

In japanischen Küchen steht nicht nur der Stabmixer aus der Ostschweiz, sondern auch die Sigg-Trinkflasche, die in Frauenfeld hergestellt wird. 2009 wurde im Warenhaus Seibu in Tokio eine limitierte Serie von Sigg-Bottles präsentiert. Die entsprechenden Sujets wurden von Bildern eines zeitgenössischen japanischen Künstlers übernommen. Michele Starvaggi, Leiter Marketing bei Sigg, ist erst vor zehn Tagen in Japan gewesen, um dort Kunden zu besuchen. «Wir machen uns Sorgen um die Leute, die wir schon seit Jahren kennen. Es tut uns leid, dass sie diese Katastrophe erleben müssen.» Sigg arbeitet mit einem Importeur zusammen. Japan ist Siggs wichtigster Markt in Asien.

Ihr Getreide mahlen die Japaner mit Mühlen aus Uzwil. Die Bühler Gruppe treibt bereits seit 60 Jahren Handel mit Japan. In ihrem Verkaufsbüro in Yokohama arbeiten 60 Personen. «Unsere Mitarbeiter und ihre Familien sind wohlauf», sagt Mediensprecherin Corina Atzli. Bühler sei laufend in Kontakt mit der Belegschaft in Japan. «Wir klären auch ab, wie es unseren Kunden geht und ob wir helfen können.» Ein Teil der Bühler-Belegschaft arbeitet von zu Hause aus. Allerdings ist dies nicht immer möglich, weil der Strom rationalisiert wird.

Druckguss für Autoindustrie

Die Uzwiler verkaufen auch Druckgussanlagen nach Japan. Hierzu sind sie eine Partnerschaft mit Japan Steel Works eingegangen. Japan ist wegen seiner Autoindustrie einer der grössten Druckgussmärkte der Welt.

Die Liechtensteiner Hilti AG steht wie ihr Mediensprecher Matthias Hassler sagt, mit ihren 500 Mitarbeitern in Japan laufend in Kontakt. Keiner der Mitarbeiter sei verletzt. Die Lage sei sehr unübersichtlich. «Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird», sagt Hassler. Weitere Planungen seien wegen der Nachbeben und der nuklearen Bedrohung schwer möglich. Der Werkzeughersteller hat einen ständigen Krisenstab, der bei Bedarf aktiv wird.

Blick in einen Konferenzraum der Firma Christian Fischbacher in Tokio. (Bild: pd)

Blick in einen Konferenzraum der Firma Christian Fischbacher in Tokio. (Bild: pd)