«Unsere Einflussnahme ist gering»

Nach dem jüngsten Abbau von 70 Stellen bei der AFG herrscht in Arbon Verunsicherung. Von einem baldigen Lichterlöschen will Stadtpräsident Andreas Balg aber nichts wissen. Er hält aber auch fest, dass die Stadt wenig tun kann.

Max Eichenberger
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Andreas Balg Stadtpräsident von Arbon (Bild: Nana do Carmo)

Andreas Balg Stadtpräsident von Arbon (Bild: Nana do Carmo)

Die Arbonia-Forster-Gruppe steht mit Führungswechseln, Umstrukturierungen und Produktionsverlagerungen in den Schlagzeilen. Beunruhigt Sie das?

Andreas Balg: Jedes Unternehmen ist kontinuierlich dem Wandel unterworfen. Das ist zu einem gewissen Teil normal.

Die NZZ titelte: «Lichterlöschen in den Schweizer AFG-Werken».

Balg: Dies betrifft in erster Linie die Standorte Altstätten im Rheintal und Villeneuve im Waadtland. Dort werden die Produktionsstätten aufgehoben und Arbeitsplätze ins Ausland verlagert.

Könnte das dem Standort Arbon nicht auch drohen?

Balg: Zunächst darf ich festhalten, dass die Kommunikation der AFG-Führung mit der Stadt vorbildlich funktioniert – egal, wer an der Spitze der Gruppe steht. Wir pflegen einen regelmässigen Kontakt. Zur Frage: Arbon ist auch betroffen, aber in geringerem Ausmass.

Was heisst das?

Balg: Bei der Arbonia werden gemäss meinen Kenntnissen 70 von 350 Stellen wegfallen. Über den Zeitplan bin ich noch nicht informiert. Das ist primär schlimm für die Betroffenen, aber auch für die Stadt und die Region. Es ist anspruchsvoller, 70 neue Arbeitsplätze zu finden und aufzubauen, als bestehende weiterzuentwickeln.

Gross ist vor allem der Druck auf die Produktionskosten. Die durchschnittlichen Personalkosten sollen in der Schweiz rund 90 000 Franken ausmachen. In Deutschland sollen es 30 000 sein, in der Slowakei 15 000...

Balg: Ja, den Faktor sechs hat mir AFG-Verwaltungsratspräsident Alexander von Witzleben bestätigt. Das sind markante Unterschiede, ist aber eine Gegebenheit, der sich nicht nur die AFG gegenübersieht. Das betrifft die gesamte schweizerische Industrie und ist zweifellos eine grosse Herausforderung, um nicht nur die Arbeitsplätze halten zu können, bei denen ein besonderes Know-how Voraussetzung ist. Innovation ist gefragt. Wir müssen besser sein. Der veränderte Wechselkurs hat den Druck verstärkt.

Was kann die Stadt da tun?

Balg: Unsere Einflussnahme ist gering. Wir begleiten unternehmerische Entscheide, können zum Beispiel Unterstützung bieten, wenn es um Infrastrukturfragen oder Immobilien geht.

Sehen Sie in der jüngsten wirtschaftlichen Entwicklung und den Ankündigungen über Arbeitsplatz-

verlagerungen eine Hypothek für den Wirtschaftsstandort Arbon?

Balg: Wie schon gesagt: Unternehmen befinden sich in einem steten Wandel. Das kennt Arbon mit der Textilindustrie noch zu gut. Wichtig ist, dass ein innovativer Geist hochgehalten werden kann und sich Firmen positiv entwickeln können. Wir können in Arbon durchaus auch positive Entwicklungen feststellen.

Zum Beispiel?

Balg: Mubea, das deutsche Familienunternehmen, welches das AFG-Stahlrohrgeschäft jetzt führt, und auch die V-Zug, die vor drei Jahren den Geschäftsbereich Kühlen übernommen hat, bauen aus. Viele hatten damals Angst, als die AFG einzelne Unternehmensbereiche veräusserte. Jetzt ist im Gegenteil eine positive Entwicklung eingetreten. Bald dürfte man von Alno Entsprechendes hören. An Alno ging das AFG-Küchengeschäft.

Sie relativieren den Aderlass.

Balg: Was ich sagen will: Es gibt in der Gesamtheit betrachtet auch erfreuliche Nachrichten, obwohl ich nicht alle Details der Unternehmen kenne. Bei den negativen Schlagzeilen vergisst man, dass es vielen Betrieben rundläuft.

Was bedeutet der Stellenabbau bei AFG für den Kanton?

Balg: Im Thurgau werden es künftig – mit der Roggwiler RWD Schlatter – noch 500 Arbeitsplätze bei der AFG sein.

Was erhoffen Sie sich jetzt?

Balg: Dass bei der AFG endlich Ruhe einkehrt. Ich bin da zuversichtlich. Mit Michael Piper ist als Hauptaktionär eine Unternehmerpersönlichkeit mit klarem Leistungsausweis eingestiegen.