«Unsere Brandermittler stehen nur noch vor den Grundmauern»: Warum die Kantonspolizei nach dem Grossbrand in Mels nach Aufnahmen der Bevölkerung sucht

Nach dem Aufruf sind bis Montagnachmittag bereits 135 Rückmeldungen aus der Bevölkerung bei der Kantonspolizei St.Gallen eingegangen.

Dinah Hauser
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Ein Stall und zwei Wohnhäuser fielen am Wochenende in Mels den Flammen zum Opfer. (Bild: Kapo SG)

Ein Stall und zwei Wohnhäuser fielen am Wochenende in Mels den Flammen zum Opfer. (Bild: Kapo SG)

Zwei Wohnhäuser und ein Stall brannten am Wochenende in Mels lichterloh. Es entstand Sachschaden in Millionenhöhe; auch Brandstiftung schliesst die Polizei nicht aus. Wie sich das Feuer ausbreitete, wird derzeit untersucht. Dabei ist die Polizei aber auf Hinweise, ja gar auf Bildmaterial aus der Bevölkerung angewiesen. Ein Facebook-Benutzer fragt sich: «Welche Video- und Fotoaufnahmen sind denn überhaupt zulässig?»

Aufnahmen in der Öffentlichkeit seien rechtlich kein Problem, solange keine Persönlichkeitsrechte verletzt würden, sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

«Wenn ich also nicht explizit eine Person in den Fokus der Aufnahmen setze oder in ein Wohnzimmer reinfilme, dann ist das in Ordnung.»

Bei Unfällen auf der Strasse sei es dem Lenker eines vorbeifahrenden Autos nicht gestattet, Aufnahmen zu machen.

Dashcam-Aufnahmen und deren Verwertbarkeit

Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen weist wie die Kantonspolizei darauf hin, dass die Persönlichkeitsrechte bei Bildaufnahmen gewahrt werden müssen. Andernfalls könne etwa auf Schadenersatz oder auf Löschung der Aufnahmen beim Zivilgericht geklagt werden. «Ob eine Aufnahme verwertbar ist, ist im Einzelfall unter Berücksichtigung aller Umstände zu prüfen», sagt Mediensprecherin Beatrice Giger.

Bei Dashcam-Aufnahmen verweist sie auf einen aktuellen Bundesgerichtsentscheid. Das Bundesgericht hob die Verurteilung einer Fahrzeuglenkerin auf, die auf Basis der Dashcam-Aufzeichnungen eines anderen Verkehrsteilnehmers der mehrfachen Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen worden war. Gemäss Entscheid seien die Aufnahmen als Beweismittel weggefallen, weil es sich bei den fraglichen Verkehrsdelikten nicht um schwere Straftaten handle. Ob eine beweismässige Verwertung der Aufzeichnungen im Falle einer schweren Straftat zulässig wäre, liess das Bundesgericht offen.

Polizeipatrouillen, die zu einem Brand kommen, beginnen selbst sofort mit dem Filmen und Fotografieren. «Diese Aufnahmen helfen dann bei der Aufklärung», sagt Krüsi. Im aktuellen Fall in Mels seien der Stall und das eine Haus jedoch beim Eintreffen bereits in Vollbrand gestanden, weswegen der Brandverlauf schwer zu rekonstruieren sei.

«Unsere Brandermittler stehen nur noch vor den Grundmauern der Brandruine.»

Darum erhofft sich die Polizei, Hinweise aus den Bildern und Videos der Bevölkerung herauslesen zu können. «Wir sind angewiesen auf die Aufnahmen», sagt Krüsi. Wenn Personen schon fotografierten oder filmten, «warum sollen wir diese Aufnahmen nicht nutzen?» Wer der Polizei Bild- und Videomaterial zur Verfügung stellt, tut dies aus freiem Willen. «Wir zwingen niemanden», sagt Krüsi, «sind aber froh um jeden Hinweis».

Wenn bekannt sei, in welchem Teil des Hauses das Feuer ausgebrochen sei, dann könne die Polizei bei den Bewohnern nachfragen. Krüsi nennt als Beispiel einen Feuerausbruch in der Küche. «Wir fragen dann, was sich in der betreffenden Ecke befunden hat.» Die Bewohner gäben dann etwa an, dass dort eine Kaffeemaschine oder ein Abfallkübel stand. «Dann können wir gezielt nach Teilen der Maschine oder dem Abfallkübel suchen und anhand der Spuren rekonstruieren, was geschehen ist.»

Zeugen können ihr Bildmaterial auf das Portal der Kantonspolizei St.Gallen hochladen. Dazu ist auch ein Formular auszufüllen, mit allgemeinen persönlichen Angaben wie Name, Adresse und Telefonnummer. Das Portal ist seit Sonntag auf der Webseite zu finden. «Für solche Fälle wie in Mels haben wir das Portal vorbereitet und können es jederzeit aufschalten», sagt Krüsi.

Der Aufruf verläuft derzeit erfolgreich: «Bis zum Montagnachmittag sind 135 Rückmeldungen eingegangen», sagt Krüsi. Davon seien rund ein Drittel Videos. «Wir spüren, dass die Bevölkerung hinter uns steht», sagt Krüsi. «Uns geht es darum, zu klären, was passiert ist.»

Auch die Bevölkerung sei an einer Aufklärung interessiert. «Steht etwa der Verdacht einer Brandstiftung im Raum, so ist die Bevölkerung beruhigt, wenn der Täter schnellstmöglich gefasst wird.»