Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Kommentar

Unser neues Vorbild: Vorarlberg

In der kommenden Woche gehen wir der Frage nach, warum das «Ländle» so ist, wie es ist. Ein Teil unserer Redaktion geniesst dafür Gastrecht bei den «Vorarlberger Nachrichten». Der Leitartikel zum unbekannten und erfolgreichen Nachbarn im Osten.
Stefan Schmid
Grenzübergang Gaissau, aus der Ostschweiz gesehen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Grenzübergang Gaissau, aus der Ostschweiz gesehen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Stefan Schmid, Chefredaktor St.Galler Tagblatt (Bild: bm)

Stefan Schmid, Chefredaktor St.Galler Tagblatt (Bild: bm)

Es ist ein Witz aus meiner Jugendzeit: «Was ist das Schönste an Vorarlberg? Die Aussicht in die Schweiz.» Was haben wir gelacht über die Österreicher, die mit dem Massstab zu Bett gehen, um zu messen, wie tief sie schlafen. Sticheleien unter Nachbarn, die sich eigentlich mögen.

Doch die Österreicher-Witze spiegelten mindestens so sehr ein Gefühl, das Generationen von Schweizern unweigerlich übermannte, wenn vom östlichen Nachbarn die Rede war: das Gefühl der Überlegenheit. Mit Ausnahme der Erfolge im alpinen Skirennsport hatten uns die Freunde im Osten doch wenig entgegenzusetzen, so der landläufige Eindruck. Weder am Morgarten noch in der Gegenwart. Unser Franken war härter als dieser marode Schilling, die Geschichte vermeintlich ruhmreicher, die Wirtschaft erfolgreicher. Die Schweizer, und gerade auch wir Ostschweizer, blickten mitleidig über den Rhein, von wo Tausende Grenzgänger während Jahrzehnten Brot und Arbeit auf helvetischem Territorium suchten.

Wie sich die Zeiten doch geändert haben! Österreich insgesamt, vor allem aber unser dynamischer Nachbar Vorarlberg, hat mächtig aufgeholt. Die Löhne sind gestiegen, die Exporte haben sich seit dem EU-Beitritt verfünffacht, Industriegüter aus dem Ländle sind weltweit ein Hit, der Tourismus boomt – nicht zuletzt dank den Schweizern, die ihre hohen Löhne noch so gerne im günstigeren Ausland verprassen.

Vorarlberg ist das reichste Bundesland Österreichs. Und es wächst – gemeinsam mit der attraktiven Metropolregion Wien – bundesweit am stärksten. Aufbruchstimmung und ein gestiegenes Selbstbewusstsein sind ennet des Rheins allenthalben zu spüren. Derweil kämpft die Ostschweiz tendenziell gegen ihre schleichende Marginalisierung innerhalb des helvetischen Bundesstaats. Bange fragen wir uns, warum so viele Junge für immer nach Zürich ziehen, oder wann die Konsumenten, die den Samstag im Dornbirner Messepark verbringen, wieder in den eigenen Städten und Dörfern einkaufen gehen. Manch hiesiger Gewerbler, und gewiss auch der eine oder andere Touristiker schaut neidvoll hinüber zu den vollen Honigtöpfen. Vorarlberg als Vorbild? Wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht!

Typisch Ländle - eine Illustration von Bianca Tschaikner.

Typisch Ländle - eine Illustration von Bianca Tschaikner.

«Der typische Vorarlberger kennt die Ostschweiz weniger gut als umgekehrt», schreibt der Publizist Markus Barnay in seinem Gastbeitrag. «Früher ging er noch in den Rheinpark einkaufen, übernachtete in Häfen am Thurgauer Bodenseeufer, trank den Suser in Berneck oder fuhr sogar am Pizol Ski. Heute fährt er über den San Bernardino nach Italien und trinkt vielleicht in der Raststätte Bellinzona einen Kaffee. Ansonsten ist dem Vorarlberger die Schweiz zu teuer.»

Es wäre übertrieben zu behaupten, wir würden Vorarlberg kennen – trotz Einkaufstourismus und Wellness-Wochenenden. Das wollen wir ändern. Ein Teil unserer Redaktion arbeitet deshalb bis zum kommenden Samstag im Ländle, wo wir Gastrecht bei den «Vorarlberger Nachrichten» geniessen. Vor Ort gehen wir der Frage nach, warum der Kanton Übrig, den die Schweiz 1919 offiziell verschmähte, so ist, wie er ist. Vielfältig, inspirierend und ghörig erfolgreich. Vorarlberg, wir kommen. Und wir nehmen Sie, liebe Leserinnen und Leser, gerne mit.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.