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Regierung zur Mitschuld eines HSG-Lehrbeauftragten an kriminellem Konkurs: «Das Rektorat hat umgehend reagiert»

Die St.Galler Regierung nimmt zu den Vorfällen an der HSG Stellung: Sie hat keine Akteneinsicht im Fall Rüegg-Stürm und keine Kenntnis vom Controlling-Dozenten, der wegen Misswirtschaft verurteilt wurde.

Marcel Elsener Jetzt kommentieren
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Corona bedeutet für die HSG nicht das einzige Ungemach in den letzten Jahren.

Corona bedeutet für die HSG nicht das einzige Ungemach in den letzten Jahren.

Bild: Michel Canonica

«Jede negative Schlagzeile ist im Kern geeignet, die Reputation der HSG zu schädigen.» Entsprechend ernst nähmen die Regierung, der Universitätsrat und das Rektorat die in Medienberichten «beschriebenen Vorgänge und deren mögliche Folgen», so man denn Kenntnis habe von den Vorkommnissen. Das schreibt die St.Galler Regierung in ihrer Antwort auf eine Interpellation von SP-Kantonsrat Guido Etterlin, der sich im Juli nach dem Wissensstand über die «neuen Skandale an der Universität» erkundigte.

Damals hatten Berichte von Tamedia-Publikationen enthüllt, dass ein Controlling-Lehrbeauftragter der HSG wegen Misswirtschaft und Falschbeurkundung im Zusammenhang mit einem betrügerischen Firmenkonkurs im Aargau zu einer happigen Geldstrafe verurteilt wurde. Ausserdem portierten sie aufgrund von Untersuchungsberichten und Finma-Einschätzungen neuerlich schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Raiffeisen-Präsidenten und Direktor des Instituts für Systemisches Management und Public Governance an der HSG, Johannes Rüegg-Stürm.

Die Regierung hatte keine Kenntnis

Vom Fall des besagten Controlling-Dozenten hatte die Regierung «keine Kenntnis», wie sie schreibt. Zuständig sei das Rektorat, das im Frühling 2020 von der Sachlage erfahren und umgehend reagiert habe. Zwar habe sich das strafrechtlich relevante Verhalten des Lehrbeauftragten ausserhalb seiner Tätigkeit an der HSG zugetragen. Jedoch seien «Gegenstand und Höhe der ausgesprochenen strafrechtlichen Sanktion geeignet, dem Ansehen der Universität St.Gallen zu schaden», schreibt die Regierung. Aus diesem Grund wurde mit dem Betroffenen vereinbart, dass er sich vollständig aus der Lehrtätigkeit der HSG zurückzieht respektive die eingegangenen Verpflichtungen in der Weiterbildung so bald als möglich beendet. Seine Lehrtätigkeit in der grundständigen Lehre hat der Dozent im Sommer 2020 beendet; in der Weiterbildung laufen seine Verpflichtungen als externer Referent Ende 2021 aus.

Personalrechtlich handle es sich «nicht um einen Dozierenden, sondern um einen Lehrbeauftragten», erklärt die Regierung. Zu den Dozierenden gehören alle Professorinnen und Professoren (Ordentliche, Assoziierte und Assistenz-) sowie die Ständigen Dozierenden; ihnen obliege die Hauptverantwortung in Lehre und Forschung. Lehrbeauftragte seien «dagegen mit der HSG weit lockerer verbunden». An der Universität St.Gallen sind laut der Regierungsantwort Hunderte Lehrbeauftragte tätig, die meisten davon in einem Kleinstpensum. Lehraufträge bedeuten keine permanente Anstellung, sondern werden durch die Abteilungen der HSG semesterweise immer wieder neu vergeben. «Dementsprechend arbeitete der betreffende Lehrbeauftragte nicht an einem Institut, sondern war nur für die Erfüllung seines Lehrauftrags an der HSG tätig», schreibt die Regierung. Sein Pensum in der grundständigen Lehre (Bachelor- und Masterstufe) betrug zuletzt (2020) sechs Semesterwochenstunden, was zwölf Stellenprozenten entspreche.

Der Regierung seien im übrigen «keine weiteren Fälle bekannt», wie sie weiter schreibt.

Weitere Massnahmen im Fall Rüegg-Stürm nicht begründet

Die neuen Vorwürfe bieten nach Ansicht der Universität und der Regierung «keinen genügenden Anlass für eine Neubeurteilung der Lage und für weitergehende Massnahmen als die bereits getroffenen», erklärt die Regierung zum Fall des «Raiffeisen-Professors» Johannes Rüegg Stürm. Der langjährige HSG-Institutsdirektor und Spezialist für gute Unternehmensführung ist im Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz nicht angeklagt, sondern als Auskunftsperson befragt worden. Die jüngsten Medienberichte kommentiert die Regierung nicht und hält fest, dass weder sie noch das Rektorat im laufenden Verfahren Akteneinsicht habe. Man könne deshalb aufgrund der Informationslage «zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Schlussfolgerungen ziehen».

Gemäss der Vereinbarung konzentriert sich Johannes Rüegg-Stürm seit dem 1. August mit einem 40-Prozent-Pensum auf seine Forschung, die universitäre Selbstverwaltung (Kommissionstätigkeiten usw.) und die Weiterbildung, wie die Regierung weiter schreibt. Seine Lehrtätigkeiten im regulären Studium (Bachelor, Master, Doktorat) hat Rüegg-Stürm auf den 31. Juli 2021 beendet.

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