Universität richtet sich neu aus

Die Universität Liechtenstein erfüllte 2014 die Vorgaben der Regierung nicht. Nun soll die strategische Ausrichtung in Zukunft mehr auf die Region erfolgen und weniger auf die Internationalität.

Günther Meier
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VADUZ. Das Wachstum der Universität Liechtenstein ist im vergangenen Jahr ins Stocken geraten. Hatte die vor knapp fünf Jahren zur Universität erhobene Hochschule die Studenten bis dahin in einem Auswahlverfahren auswählen können, konnten die zur Verfügung stehenden Studienplätze plötzlich nicht mehr vollständig besetzt werden. Pech für die junge Universität, die in einer Leistungsvereinbarung mit der Regierung eine Mindestanzahl von Studenten als Gegenleistung zum Staatsbeitrag zugesagt hatte. Ein gefundenes Fressen hingegen für einzelne Parlamentarier, die ob den damit verbundenen finanziellen Konsequenzen im Frühjahr in einer Art Tribunal ein «Köpfe-Rollen» forderten.

Der von der Regierung bei der Universität angeforderte Bericht über die strategische Ausrichtung der Bildungsinstitution liegt nun vor. Der Universitätsrat bremst mit der teilweisen Neuausrichtung die internationale Entwicklung und folgt damit gewissen Vorstellungen einzelner Parlamentarier, die einer internationalen Universität nichts abgewinnen können oder aus populistischen Überlegungen den Blick nicht über den Tellerrand hinaus richten wollen.

Über vier Staaten hinweg

Die Regierung kommentiert nun die geplante Neuausrichtung mit dem relativierenden Hinweis, eine stärkere Orientierung an den Bedürfnissen der Region müsse nicht unbedingt eine Abkehr von Internationalität bedeuten. Immerhin erstrecke sich die ins Auge gefasste Konzentration auf die Region Alpenrhein-Bodensee über vier Staaten in verschiedenen Wirtschaftsräumen, was an sich schon Internationalität bedeute. Konkret schlägt der Universitätsrat im Bereich der Fachrichtung Architektur und Raumentwicklung eine Verstärkung des Angebots und eine aktivere Mitarbeit in der Raumentwicklung vor.

Ausserdem soll ein Weiterbildungsangebot aufgebaut werden, das eine Verknüpfung von Architektur und regionaler Wirtschaft vorsieht. Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften mit den Schwerpunkten Entrepreneurship und Wirtschaftsinformatik wird ein engerer Austausch mit der regionalen Wirtschaft vorgeschlagen. Für das Institut für Finanzdienstleistungen steht der Ausbau des Fachbereichs Wirtschaftsrecht im Vordergrund, begleitet von der Schaffung von zwei neuen Lehrstühlen mit den Schwerpunkten Wirtschafts- und EWR-Recht sowie Wirtschaftsstrafrecht.

Staatsbeitrag von 14 Millionen

Die Regierung hat dem Parlament auch einen Finanzbeschluss unterbreitet, der für die Jahre 2017 bis 2019 einen Staatsbeitrag von 13,8 Millionen Franken und einen Beitrag von einer Million für den gleichen Zeitraum zuhanden des Forschungsförderungsfonds vorsieht. Die Diskussion im Landtag dürfte sich nicht auf diesen Finanzbeschluss beschränken, sondern auch Strategie und Neuausrichtung der Universität einbeziehen.

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