Uni Liechtenstein hat nicht manipuliert

Ein Gutachten entlastet die Universität in Vaduz vom Vorwurf der Manipulation. Wegen der sinkenden Zahl der Studierenden und der dadurch entstandenen finanziellen Probleme war die junge Institution im Parlament heftig kritisiert worden.

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VADUZ. Die Zahl der Studierenden an der Universität Liechtenstein in Vaduz ist nicht manipuliert worden. Ein von der Liechtensteiner Regierung in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zum Schluss, aufgetauchte Differenzen bei den Studierendenzahlen seien auf mehrere Faktoren zurückzuführen.

Divergenzen ergaben sich aus unterschiedlichen Zählweisen über die immatrikulierten Studierenden, Gast- und Austauschstudierenden sowie Absolventen des Wintersemesters. Dies hing mit der Anwendung unterschiedlicher Stichtage zusammen, wie Bildungsministerin Aurelia Frick gestern in Vaduz erklärte. Auf unterschiedliche Zahlen gekommen waren vor allem die Universität selbst und das Amt für Statistik.

Politisch hatten die divergierenden Angaben in der Märzsitzung des Liechtensteiner Parlaments zu hitzigen Debatten geführt. Dabei wurde auch der Vorwurf der Manipulation laut. Um in dieser Hinsicht Klarheit zu schaffen, engagierte die Regierung ein externes Revisionsunternehmen, das mit seinem Bericht den Manipulationsvorwurf entkräftete.

Bewerber zogen sich zurück

Unabhängig von der Zählweise hält der Bericht aber fest, dass sich die Annahme der Universität, die Zahl der Studierenden steige, als Fehleinschätzung erwies. Weniger Studierende sind eine Tatsache, die laut der Regierung nicht ignoriert werden darf.

Die Universität war vor allem aufgrund der Anmeldungen zu Studiengängen auf eine steigende Zahl gekommen. Vergangenes Jahr hatten sich jedoch um die 80 Bewerberinnen und Bewerber zurückgezogen und sich für ein Studium an einer anderen Universität entschieden.

Finanzielle Probleme

Dadurch geriet die Bildungsstätte in die Bredouille. Sie erreichte die in der Vereinbarung für den Staatsbeitrag fixierte Studierendenzahl nicht und hätte der Regierung 1,3 Millionen Franken zurückzahlen müssen, was die Universität in finanzielle Nöte gebracht hätte. Die Regierung reagierte und drückte die Studierendenzahl in der Leistungsvereinbarung von 650 auf 500, rückwirkend auf Anfang 2014. Damit konnte der Staatsbeitrag von insgesamt 14,8 Millionen Franken pro Jahr fliessen.

Die Studierendenzahlen an der Universität mit den Schwerpunkten Architektur und Raumentwicklung sowie Wirtschaftswissenschaften sind in den letzten Jahren stetig leicht gesunken. 2011, als die damalige Hochschule zur Universität wurde, waren 653 Studentinnen und Studenten eingeschrieben. Letztes Jahr waren es noch 536.

Neue Vorschläge, neuer Rektor

Der Universitätsrat war überdies von der Regierung beauftragt worden, Entwicklungsmöglichkeiten für die Bildungsstätte zu formulieren. Dabei fokussierte der Rat fünf Handlungsfelder. Unter anderem schlägt er vor, gewisse Aufnahmebedingungen abzuschaffen, um die Zahl der Studierenden zu erhöhen.

Weiter sollen berufsbegleitende Angebote eingerichtet und die Weiterbildungsangebote verstärkt werden.

Mit dem Bericht des Universitätsrates wurde ausserdem Klarheit geschaffen bei der Nachfolgeregelung an der Spitze der Akademie. Wegen der absehbaren Pensionierung des Rektors soll bis zum Sommer ein Stellen- und Anforderungsprofil ausgearbeitet und danach ausgeschrieben werden. (sda)

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