Unglück
Basejumper stirbt in Walenstadt nach Sprung aus Helikopter – genauer Unfallhergang wird noch untersucht

Zurzeit weilt eine internationale Profi-Crew von Basejumpern in Walenstadt, um Aufnahmen zu Werbezwecken zu realisieren. Der Tod eines deutschen Basejumpers am Mittwoch hat aber nichts mit dieser Crew zu tun – ausser, dass derselbe Helikopter benutzt wurde.

Hans Bärtsch, Sarganserländer
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Basejumper stirbt in Walenstadt nach einem Sprung aus dem Helikopter.

Basejumper stirbt in Walenstadt nach einem Sprung aus dem Helikopter.

Bild: Ascentxmedia / E+

Absprünge aus dem Helikopter sind in der Basejump-Szene nicht Usus. Im Gegenteil: sie sind sogar verpönt. Dass ein Team sich von einem Heli auf rund 4000 Meter über Meer fliegen lässt, um spektakuläre Aufnahmen in den Kasten zu bringen, hat mit einem spanischen Projekt zu tun, hinter dem Red Bull steckt. Das Projekt, von dem die Swiss Base Association (SBA) Kenntnis hatte und welches von der Gemeinde Walenstadt geduldet war, wurde von einem Fluggerät der Heli Air aus Mollis realisiert.

Als die Kantonspolizei St.Gallen am Donnerstagmorgen von einem Basejumper berichtete, der nach einem Sprung aus einem Helikopter verunglückt sei, war die erste Annahme, dass ein Mitglied des spanischen Profiteams betroffen sein könnte. Das war aber nicht der Fall, wie sowohl die Kantonspolizei, die Heli Air wie die Gemeinde Walenstadt auf Anfrage bestätigen. Zufälligerweise hatte sich eine andere Gruppe von Basejumpern im Gebiet des Landeplatzes Sennhof befunden und vor Ort spontan einen Flug mit demselben Helikopter der Heli Air arrangiert.

Während zwei der drei Männer zum Landeplatz zurückkehrten, wurde der dritte vermisst. Der Heli begab sich gemäss Mitteilung der Polizei unverzüglich auf einen Suchflug, später unterstützt von einem Rega-Helikopter. Kurz vor Mittag war klar: Der 33-jährige Deutsche war mit dem Wingsuit zwischen Zuestoll und Tschingla abgestürzt und tödlich verunglückt.

Aus diesem Helikopter ist der Basejumper gesprungen.

Aus diesem Helikopter ist der Basejumper gesprungen.

Bild: SON

Matt Sieber, zuständig für den Raum Walenstadt bei der SBA, der Swiss Base Association, ist gestern ebenfalls hellhörig geworden, als er vom tödlichen Unfall eines Basejumpers nach dem Sprung aus einem Helikopter hörte. Er wusste vom spanischen Werbeaufnahmen-Projekt und brachte es im ersten Moment auch mit dem Unglück in Zusammenhang.

Sprünge aus einem Heli seien in der Basejump-Szene die absolute Ausnahme, so Sieber. Seitens SBA würden solche Sachen auch nicht unterstützt. Die Basejumper würden in der Regel das Naturerlebnis suchen und sich zu Fuss zu den Absprungpunkten begeben. Im Churfirstengebiet ist der Sputnik am Hinterrugg der bekannteste Startort.

Zähneknirschend geduldet

Angelo Umberg, Gemeindepräsident Walenstadt

Angelo Umberg, Gemeindepräsident Walenstadt

Bild: PD

Angelo Umberg, Gemeindepräsident von Walenstadt, bestätigt, dass die Gemeinde für das Profiprojekt aus dem Red-Bull-Umfeld eine Zusage ausgesprochen hat. «Zähneknirschend», wie er anfügt. Man habe es deshalb getan, weil es sich um ein sehr fundiertes Projekt gehandelt habe. Für einen Heli-Tourismus mit privaten Basejumpern würde man aber keinesfalls Hand bieten, sagt Umberg, allein aufgrund der Lärmbelästigung und aus klimatischen Überlegungen würde man dagegen seitens Gemeinde das Veto einlegen.

Hanspeter Krüsi, Kantonspolizei St. Gallen

Hanspeter Krüsi, Kantonspolizei St. Gallen

Bild: PD

Hanspeter Krüsi, langjähriger Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, kann sich an keinen anderen Basejump-Unfall erinnern, der in Zusammenhang mit einem Heliflug passierte. Für solche Absprünge brauche es eine Fallschirmlizenz.

«Das nimmt einen natürlich mit»

Was sagt die betroffene Helikoptergesellschaft Heli Air aus dem glarnerischen Mollis? Nicht sehr viel. Immerhin bestätigt ein Sprecher den Umstand, dass die beiden Gruppen, die unabhängig voneinander vom selben Heli aus sprangen, nichts miteinander zu tun hatten. Er spricht von einem menschlichen Schicksal, «das einen natürlich mitnimmt und betroffen macht. Unser Mitgefühl ist bei den Angehörigen.»

Die Kantonspolizei St.Gallen untersucht nun den genauen Unfallhergang, nachdem sie am Mittwoch mittag mit Spezialisten der Alpinen Einsatzgruppe der Kapo vor Ort ausgerückt war. Dort konnten sie den 33-jährigen Deutschen, der zur privaten Gruppe Basejumper gehört hatte, nur noch tot bergen. An der Rettungsaktion beteiligt war auch ein Heli der Rega.