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"Unglaubliche Reihe von Tests"

Philipp Landmark, der neue Chefredaktor des "St.Galler Tagblatts", im Interview.
Rolf App
Philipp Landmark (Bild: Ralph Ribi)

Philipp Landmark (Bild: Ralph Ribi)

Philipp Landmark, der Verwaltungsrat der St.Galler Tagblatt AG hat Sie heute zum neuen Chefredaktor des „St.Galler Tagblatts“ gewählt. Können Sie uns etwas über Ihren Werdegang erzählen?
Philipp Landmark: Ich bin 42 Jahre alt und in Schaffhausen aufgewachsen. Ich habe dort die Schulen besucht, und ich war schon während der Mittelschulzeit freier Mitarbeiter der „Schaffhauser Nachrichten“. Dort habe ich dann auch ein Volontariat absolviert – und ein allfälliges Studium immer wieder hinausgeschoben, bis zum St.Nimmerleinstag. Der Journalismus war einfach interessanter. Bei den „Schaffhauser Nachrichten“ habe ich dann etliche Jahre gearbeitet, 1993 verbrachte ich ein Jahr in Oslo als freier Journalist, ging zurück in die Schweiz und kam als stellvertretender Chefredaktor zur „Linth-Zeitung“, wo ich – dann als Chefredaktor – die Integration der „Linth-Zeitung“ in die „Zürisee-Zeitung“ begleitete. 1999 kehrte ich nach Schaffhausen zurück, 2002 wurde ich Chef Region bei den „Schaffhauser Nachrichten“. Und 2006 sah ich ein interessantes Inserat des „St.Galler Tagblatts“, das einen Leiter der St.Galler Stadtredaktion suchte. So bin ich hierher gekommen.

Warum hat Sie die St.Galler Stadtredaktion des „Tagblatts“ gereizt?
Landmark: In Schaffhausen hat sich für meinen Geschmack zu viel Routine eingeschliffen, die Stadtredaktion kam da sehr gelegen. Im Inserat wurde vieles angesprochen, von dem ich glaube, dass ich es kann und bin. Das „St.Galler Tagblatt“ war für uns in Schaffhausen auch Vorbild, die Stadt St.Gallen dagegen kannte ich eher flüchtig. Mittlerweile habe ich mich aber gut eingelebt.

In Ihrer Karriere ging es immer um den Lokal- und Regionaljournalismus. Warum eigentlich?

Landmark: Das Lokale war mein Einstieg. Mir hat es immer sehr gefallen, zu den Leuten zu gehen und zu beschreiben, was sich vor meinen Augen abspielt. Darauf gibt es sehr ungefilterte Rückmeldungen der Menschen, und man kann auch einiges bewirken. Ich habe gemerkt, dass mir das liegt.

Chefredaktoren sollten ja vieles sein: grosse Leitartikler, Galionsfiguren gegen aussen, Ermutiger und Teambauer im Innern, Manager eines Betriebs namens Redaktion. Was ist denn heute besonders wichtig?
Landmark: Der Chefredaktor muss vor allem Mittler sein zwischen verschiedenen Interessen. Beim „St.Galler Tagblatt“ ist er auch Mitglied der Geschäftsleitung, da bekommt er es auch mit den ökonomischen Leitplanken zu tun – und muss der Redaktion verständlich machen, was man alles nicht kann. Umgekehrt müssen die Interessen der Redaktion in der Geschäftsleistung wahrgenommen werden. Es gilt Verständnis zu schaffen. Ein Chefredaktor muss weiter die Mitglieder der Redaktion animieren. Mir kommt da spontan das Bild des Fussballtrainers in den Sinn. Er muss die richtige Aufstellung finden, muss immer wieder optimieren. Es braucht auch in einer Redaktion unterschiedliche Spielertypen. Eine Zeitung machen: das ist ein Mannschaftssport. Wichtig ist, dass diese Talente Freude haben am Beruf. Schliesslich muss der Chefredaktor hin und wieder auch als Schreibender sichtbar werden. Und er muss das „Tagblatt“ in der Öffentlichkeit präsentieren.

Wo müssen Sie am meisten dazulernen?

Landmark: Vermutlich bezüglich der Rolle in der Geschäftsleitung. Da brauche ich auch noch mehr Know-how, gerade was das Verlagswesen angeht.

Der Wahl zum Chefredaktor ist ein ziemlich umfangreiches Auswahlverfahren vorausgegangen, das in einem Assessment gipfelte. Wie war denn das?
Landmark: Es war vor allem lang, nur ganz wenige haben erfahren, warum ich immer wieder abwesend war. Angefangen hat es mit der Bewerbung, dann kam irgendwann der Moment, wo ich dachte: Jetzt wird es ernst. Viele Gespräche folgten, oft hatte ich danach das Gefühl, ich hätte alles Wichtige nicht gesagt. Aber das Feedback war gut, ein Interesse war da. Das Assessment schliesslich hatte mit meinem Metier rein gar nichts zu tun. Es ging um menschliche Qualitäten, um Führungsqualitäten, um die Auffassungsgabe, und es gab, begleitet von einer Psychologin, eine unglaubliche Reihe von Tests. Diese Psychologin hat am Ende ein Bild gezeichnet von meinen Stärken und Schwächen, das ich für sehr zutreffend halte.

Wo liegen die besonderen Probleme – und die Chancen – des „St.Galler Tagblatts“?
Landmark: Die Bevölkerung nimmt zwar leicht zu, aber der Kreis der Menschen nimmt ab, die sich eine Qualitätszeitung leisten. Unser Markt verändert sich, ihn müssen wir möglichst ausschöpfen. Zwar heisst es: Wenn wir ein Prozent Abonnenten verlieren, sind 99 Prozent wahrscheinlich nicht ganz unzufrieden. Auf der andern Seite aber müssen wir uns permanent überlegen, was wir auch noch anbieten müssen, um Leser zu gewinnen oder zurückzugewinnen. Zufrieden geben mit einer Erosion darf man sich nicht. Ich denke, wir werden in Zukunft öfter und schneller auf Veränderungen reagieren müssen.

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