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UNGEWISSHEIT: Seit 15 Monaten vermisst

Ein Ostschweizer ist im vergangenen Jahr nicht aus den Ferien in Kroatien zurückgekehrt. Eine belastende Situation für seine Familie. Diesen Sommer konnte sie eine Verschollenerklärung beantragen.
Nathalie Grand (sda)
Der Ostschweizer wollte in Kroatien allein eine Wanderung unternehmen – seitdem wird er vermisst. (Bild: Yulia Reznikov/Getty)

Der Ostschweizer wollte in Kroatien allein eine Wanderung unternehmen – seitdem wird er vermisst. (Bild: Yulia Reznikov/Getty)

Nathalie Grand (SDA)

ostschweiz@tagblatt.ch

Im Amtsblatt des Kantons St. Gallen wurde im September ein Verschollenheitsruf publiziert. Am 28. Juli 2016 mittags um 13 Uhr wurde der im Kanton St. Gallen lebende Mann in Kroatien in einem Restaurant zum letzten Mal lebend gesehen. Was war geschehen? Der 49-jährige Mann war mit seiner Familie in Kroatien in den Ferien. An jenem Tag wollte er alleine eine Wanderung unternehmen, kehrte aber nicht zurück.

Florian Schneider, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, kennt den Fall: «Da der Mann in Kroatien vermisst wird, taucht er nicht in den Vermisstenanzeigen in der Schweiz auf.» Zurzeit werden 13 vermisste Personen von der St. Galler Polizei gesucht. Die älteste Suche geht auf das Jahr 1999 zurück: Vermisst wird eine damals 27-jährige Frau.

Hunde und Helikopter an Suche beteiligt

«Die ersten Stunden sind die wertvollsten bei der Suche nach einer vermissten Person», sagt Schneider. In Kroatien habe die Polizei im vergangenen Sommer grosse Anstrengungen unternommen, um den Schweizer Touristen zu finden. Die Polizeibeamten und andere Rettungsdienste hätten die Suche nur in den Nachtstunden unterbrochen, berichtete eine kroatische Onlineplattform. Auch Hunde und Helikopter seien an der Suche beteiligt gewesen.

Die St. Galler Polizei habe bei der Suche eng mit den kroatischen Behörden zusammen­gearbeitet, so Schneider. Diese blieb aber bis heute ohne Ergebnis. Die Akten des Falls werden weiterhin pendent gehalten. Die Familie des Vermissten muss seither mit der Ungewissheit leben. «Eine sehr belastende Situa­tion», sagt der Einzelrichter André Müller des Kreisgerichts Wil, der über die Verschollenheit zu befinden hat.

Zur Ungewissheit kommen auch noch bürokratische Probleme, die zu finanziellen Engpässen führen können. Die Bankkonten einer verschwundenen Person bleiben so lange blockiert, bis sie amtlich für verschollen erklärt wird; das kann bis zu sechs Jahre dauern. Auch Witwen- und Waisenrenten und Versicherungsleistungen werden nicht ausbezahlt.

Kürzere Frist in diesem Fall

Die Staatsanwaltschaft sei an die Familie herangetreten und habe sie über die Möglichkeit einer Verschollenerklärung informiert, so Müller. Liegt eine lange nachrichtenlose Abwesenheit vor, muss mindestens fünf Jahre seit dem letzten Lebenszeichen zugewartet werden, um die Verschollenerklärung zu beantragen. In diesem Fall sei die Frist aber kürzer, sagt der Richter: «War die Person in hoher Todesgefahr, kann bereits nach einem Jahr der Antrag gestellt werden.» Dabei seien die Umstände beim Verschwinden einer Person massgebend. Bei einem Flugzeugabsturz sei die Todesgefahr nahe bei 100 Prozent.

Die offizielle Ausschreibung einer vermissten Person erfolgt durch das zuständige Gericht. Falls innerhalb von zwölf Monaten weder die Person noch ihre Leiche auftaucht, wird die Verschollenerklärung ausgestellt. Es sei noch nie jemand wieder aufgetaucht, sagt Müller, der in den vergangenen fünf Jahren drei solcher Fälle bearbeitet hat.

Schweizweit gehen jährlich rund 5000 Vermisstmeldungen ein. Die meisten Verschwundenen kehren aber selber zurück oder werden gefunden. Ungeklärt bleiben etwa 200 Fälle im Jahr.

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