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Glosse

Ungeschoren: «Willkommen in SBB-Disneyland!»

Ein SBB-Bahnhof ist eben doch ein Ponyhof! Die Bundesbahnen wollen ihre Bahnhöfe zu Vergnügungsparks in Micky-Maus-Manier umrüsten. Eine Delegation reiste jüngst zur Inspiration und Bespassung in den Europapark. Und kam mit Ideen zurück, wie man zusätzlich Mäuse machen kann.
Roland Schäfli
Illustration: Corinne Bromundt

Illustration: Corinne Bromundt

Das ist die Satirekolumne der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Die SBB setzen im Rahmen der Zersiedlungsproblematik auf verdichtetes Bauen in ihren Bahnhöfen. Nun sollen die Stationen nach dem Vorbild von Disney-Vergnügungsparks aufgewertet werden.

Auf einem Rundgang durch den neuen Bahnhof-Prototypen machte Andreas Meyer die Medienvertreter mit seiner Vision vertraut. Auffallend, wie der SBB-Chef bereits die disneyschen Inflektive benutzt, die Lautmalereien aus Disney-Comics: «Wir planen, die Bahnhöfe in Vergnügungsparks umzuwandeln (jubel). Dazu haben wir jüngst beim Besuch im Europapark die Weichen (kicher) gestellt!»

Konkret übernehmen die SBB das Disney-Konzept, die Besucher an der Nase herum durch Erlebnisbereiche zu führen. Im «Adventure-Land» (früher: Bahnsteige) gibt es abenteuerliche Wettkämpfe zu bestehen. Der Pannen-Bahnhof Olten heisst neu „Tick, Trick und Track“, die Ticketschalter werden mit „Onkel Dagoberts Geldspeicher“ beschriftet, und die Bahnpolizisten sind als Panzerknacker kostümiert. «Discovery-Land» (früher: SBB-Cargo) regt zum Spielen an: Auf einer überdimensionierten Infrastrukturkarte investiert der Spieler Kindergeld, wo es ihm gefällt.

Meyer selbst hält sich am liebsten in Fantasyland auf, wo seine fixen Ideen wie das «Lufttaxi», vorderhand noch an Drähten hängend, schon zu bestaunen sind. «Ein Bahnhof soll ein Ort sein, an dem Träume wahr werden (seufz).» Davon hat er selbst oft geträumt, als er jeweils versicherte, die Züge werden pünktlicher, günstiger und weniger pannenanfällig.

«Wir haben diese Woche viel Kritik für den FV-Dosto von Bombardier einfahren müssen (schluchz),» so Meyer weiter, doch nun lässt sich selbst der fehlerhafte Zug einsetzen. Auf der Kurvenfahrt des Doppelstöckers darf der Passagier sich fühlen wie auf einer Achterbahn mit Looping.

Nicht schliessende Türen sorgen für zusätzlichen Thrill. Pressevertreter gaben nach der Jungfernfahrt an, man fühle sich «hilflos ausgeliefert wie in einem Fanzug des FC Basel.» Stadler Rail hat bereits angekündigt, gegen Bombardier zu prozessieren, noch bevor die Ausschreibung für die Achterbahn läuft.

Belehren lässt man sich von den Unterhaltungsriesen in Sachen Virtual Reality. Statt einer 3D-Brille braucht man nur dieselbe rosa Brille aufzusetzen, die Meyer in der künstlichen Vorstellung aufhat. Das dreidimensionale Erlebnis aktiviert Geruchssinn (verstopfte Toiletten), Gehör (kreischende Bremsen) und Augen (elektronische Werbeanzeigen, die einem unheimlich durch den Bahnhof folgen). «Wir wollen alle Sinne ansprechen», erläuterte Meyer, «auch den Unsinn (wieher).»

Pate standen die Unterhaltungsriesen bei der Idee, auf der kostenpflichtigen «Fast Line» schneller auf den Zug aufspringen zu dürfen. Und ebenso wie bei Disney darf morgens früher auf den Bahnhof, wer ein Early-Bird-Ticket hat.

Meyer kann kaum erwarten, die Durchsage einer Stellwerkstörung mit der Goofy-Stimme zu hören. Statt einer Maus als Maskottchen soll eine putzige Ratte die Hauptrolle spielen. Plüschtiere sind in den Giftshops zu kaufen (früher: Warteräume). «Wir möchten, dass die Menschen länger verweilen – nicht nur, weil sie den Anschluss verpasst haben (wimmer)», schloss Meyer den Rundgang. Auf ein Misstrauensvotum erwiderte er: «Immer noch besser als die Basler Polizei mit ihrem Tesla-Debakel (kläff).»

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