Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Mit dem Boom kommen die Unfälle: Seit Jahren verunfallen immer mehr E-Bike-Fahrer in der Ostschweiz

Sie sind rasant, praktisch - und gefährlich: Denn das Risiko eines Unfalls fährt bei E-Bikes mit.
David Grob
Ein typischer Unfall: Ein Autofahrer kollidiert beim Abbiegen mit einem E-Bike. (Symbolbild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Ein typischer Unfall: Ein Autofahrer kollidiert beim Abbiegen mit einem E-Bike. (Symbolbild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Donnerstag, 12. September: Eine 64-jährige E-Bike-Fahrerin kollidiert beim Rechtsabbiegen mit einem Auto. Der Autofahrer hat die vortrittsberechtigte Frau übersehen. Sie zieht sich leichte Verletzungen zu. Donnerstag, 5. September: Ein alkoholisierter 37-Jähriger stürzt in Buchs nach einer Vollbremsung von seinem E-Bike.

Regelmässig verschätzen sich E-Bike-Fahrer beim Bremsen, kollidieren mit abbiegenden Autos, stürzen und verunfallen teils schwer. Dies schlägt sich auch in den Unfallstatistiken der Ostschweizer Kantone nieder: Die Anzahl E-Bike-Unfälle mit Verletzten steigt Jahr für Jahr an. 2014 verunfallten im Kanton St.Gallen noch 26 E-Bike-Fahrer, 2018 hat sich die Zahl mit 66 Unfällen mehr als verdoppelt. Ein ähnliches Bild auch im Thurgau: Von 24 Unfällen 2014 steigt die Zahl auf 48 im vergangenen Jahr. Warum verunfallen immer mehr E-Bike-Fahrer?

Höhere Geschwindigkeit, längere Bremswege

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, sagt:

«Die Erfahrung fehlt – sowohl bei den E-Bike-Fahrern, als auch bei den Automobilisten.»

Beide Verkehrsteilnehmer müssten sich erst an die Eigenheiten des eher neuen Fahrzeuges gewöhnen. Denn durch die erhöhten Geschwindigkeiten verändern sich die Bremswege, Kurvenradien und Fahreigenschaften im Gegensatz zu herkömmlichen Velos. So kommt es immer wieder zu Selbstunfällen.

In Zahlen: 38 der 68 Unfälle im Kanton St.Gallen wurden 2018 durch die E-Bike-Fahrer selbst verursacht. Im Kanton Thurgau waren in 21 der 48 Fälle die E-Bike-Fahrer für den Unfall verantwortlich. 17 hiervon wertet die Kantonspolizei Thurgau als «Schleuder- oder Selbstunfall». Nicht zuletzt sei auch immer wieder Alkohol im Spiel, sagt Krüsi.

Und das Alter? 17 der 38 Selbstunfälle im Kanton St.Gallen wurden von 45- bis 64-Jährigen verursacht. Weitere 14 von über 65-Jährigen. Im Kanton Thurgau sind 13 der E-Bike-Lenker, die den Unfall verursacht haben, über 65. «Zum Teil sind Leute mit E-Bikes unterwegs, die unter Umständen jahrelang nicht mehr Velo gefahren sind», sagt Krüsi. Und Branchenverband Pro Velo schreibt auf Anfrage:

«Die Verkehrsteilnehmenden können die Geschwindigkeit der E-Bikes noch nicht richtig einschätzen.»

Die Hälfte aller Unfälle verursachen Autofahrer

In rund der Hälfte aller Unfälle verursachen aber andere Verkehrsteilnehmer die Unfälle. Auch hier vermutet Krüsi die Ursache in den ungewohnten Fahreigenschaften von E-Bikes. Er nennt einen beinahe schon beispielhaften Unfall: Ein Autofahrer sieht die Silhouette eines Velofahrers, schätzt deshalb die Geschwindigkeit des E-Bike-Lenkers falsch ein und biegt in eine Strasse ein. Der E-Bike-Fahrer braust heran, der Bremsweg ist zu kurz, es kommt zur Kollision.

«Wir betrachten die Statistik mit Sorge», sagt Krüsi. Denn auch die Verletzungen nehmen zu: 2014 wurden im Kanton St.Gallen noch 18 Verunfallte leicht- und acht schwer verletzt. Gestorben ist niemand. 2018 zogen sich 49 E-Bike-Fahre leichte und 15 schwere Verletzungen zu. Zwei Personen sind tödlich verunfallt. Und auch im Thurgau zeigt die Kurve nach oben: 5 Schwerverletzten im 2014 stehen deren 20 im vergangenen Jahr gegenüber. Das hohe Alter ist gemäss Pro Velo auch die Ursache für die Schwere der Verletzungen:

«Bei einem gleichen Unfall verletzen sich ältere Menschen schwerer als jüngere E-Bike-Lenker.»

Zwölf Todesopfer in der ganzen Schweiz im 2018

Damit liegt die Ostschweiz im nationalen Trend: 491 Unfällen schweizweit im Jahr 2014 stehen 1160 im vergangenen Jahre gegenüber. 12 Unfallopfer starben 2018, 309 verletzten sich schwer – auch diese Zahlen bedeuten einen Anstieg zu den Vorjahren. Damit sind E-Bike-Lenker weit gefährdeter als Radfahrer, wie die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) 2015 berechnet: Pro 100 Millionen gefahrene Kilometer verunfallen schweizweit 84 E-Bike-Fahrer – Bei den Velofahrern sind es 38. Der Anstieg kommt nicht von ungefähr. Ein Drittel aller verkauften Velos in der Schweiz waren 2018 gemäss Pro Velo E-Bikes.

Der Branchenverband empfiehlt Neulenkern eines E-Bikes deshalb, Kurse von Pro Velo, des TCS oder der Polizei zu besuchen. «Vor allem das Bremsen soll man vor der Fahrt auf der Strasse richtig lernen.» Mehr Sicherheit böten ausserdem separate Velostreifen, schreibt Pro Velo.

«In diesem Bereich muss im Kanton St.Gallen noch einiges passieren.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.