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Schwerer Unfall beim Säntis Classic: Warum wird der Schwägalppass für Velo-Events nicht gesperrt?

Am Sonntag wurde ein Teilnehmer der Radrundfahrt Säntis Classic in Urnäsch von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Würde die Sperrung der Schwägalpstrasse mehr Sicherheit bringen? Die Polizei winkt ab. Denn so leicht kann die Passstrasse nicht abgeriegelt werden.
Stephanie Martina
Wegen des Unfalls kam es auf der Schwägalp zu einem Velo-Stau. (Bild: Raphael Rohner)

Wegen des Unfalls kam es auf der Schwägalp zu einem Velo-Stau. (Bild: Raphael Rohner)

19 Jahre lang war die Radrundfahrt Säntis Classic ein Volksfest für Velofahrer. Die 20. Durchführung vom vergangenen Sonntag wurde jedoch von einem Unfall überschattet. Ein Velofahrer wurde in Urnäsch von einem Auto angefahren und musste mit schweren Kopfverletzungen durch die Rega ins Spital gebracht werden. Nach diesem Vorfall steht die Frage im Raum: Warum wird die Passstrasse während solchen Anlässen nicht gesperrt, um Unfälle zwischen Velo- und Autofahrern zu vermeiden?

Hanspeter Saxer, stellvertretender Chef der Ausserrhoder Regional- und Verkehrspolizei, hat die Säntis Classic bewilligt. Er antwortet: «Ob eine öffentliche Strasse für einen Anlass gesperrt wird, ist immer eine Ermessensfrage.» Da die Bevölkerung einen Anspruch darauf habe, Strassen – wie etwa die Schwägalpstrasse – zu benutzen, könne sie nicht einfach so gesperrt werden. Ebenso seien auch Bergbahnen und Restaurants daran interessiert, dass die Strasse befahrbar sei. Im Falle der Säntis Classic sei eine Strassensperre gar nicht zur Diskussion gestanden, zumal es sich nicht um ein Velorennen, sondern um einen Breitensportanlass für Hobbyradfahrer, ohne Zeitmessung, handle.

Säntis-Classic-Veranstalter Daniel Markwalder von der Pro Cycling Event GmbH ergänzt: «Wir haben kein Interesse daran, eine Rennveranstaltung zu werden. Deshalb haben wir auch nie einen Antrag zur Strassensperre gestellt.» Ausserdem wisse man ganz genau, dass es nicht möglich sei, die Schwägalp einen ganzen Tag für sich zu beanspruchen. Markwalder sagt:

«Uns ist es wichtig zu kooperieren, wir wollen kein Störenfried sein.»

Das Unfallfahrzeug. (Bild: Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden)

Das Unfallfahrzeug. (Bild: Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden)

Appell an Eigenverantwortung der Teilnehmer

Daniel Markwalder bedauert den Unfall. Dennoch sieht er derzeit keinen Handlungsbedarf. Die Säntis Classic erfülle alle Vorgaben der Polizei, betont er. Und man habe die Sicherheitsvorkehrungen freiwillig noch verschärft: So seien über 70 Helfer, darunter mehrere ausgebildete Rettungssanitäter, alleine für die Sicherheit der Velofahrer im Einsatz gewesen. Zudem habe man auf der ganzen Strecke «Slow-Tafeln» montiert, damit die Teilnehmer vorsichtiger fahren. Und die Autolenker habe man mittels grosser Banner und Durchsagen im Radio auf den Anlass aufmerksam gemacht und sie dazu aufgefordert, rücksichtsvoll zu fahren. Ausserdem würden weite Teile der Route über verkehrsarme Strassen führen. «Wir tun alles, was wir können», sagt Markwalder.

«Aber jeden Velofahrer oben auf der Schwägalp anzuhalten und ihn zu bitten, langsam zu fahren, ist schlicht nicht möglich.»

Jeder Teilnehmer müsse für sich selbst entscheiden, wie sicher er auf dem Velo unterwegs sei und wie zügig er den Schwägalppass überwinden wolle oder könne. Nicht nur während des Rad-Events Säntis Classic. Für Markwalder ist klar: Ein solcher Unfall auf der Schwägalpstrasse hätte auch an jedem anderen Tag, jedem anderen Velofahrer passieren können.

Beim Säntis Classic fahren Velofahrer in mehreren Leistungsgruppen einen Rundkurs mit Start und Ziel in Weinfelden. Die Tour führt durchs Toggenburg und ins Appenzellerland, der Höhepunkt der Tour ist die Schwägalp auf 1350 Metern über Meer. Weil die Velofahrer auf öffentlichen Strasse unterwegs sind, müssen sie sich an die Verkehrsregeln halten. Dieses Jahr absolvierten rund 1000 Velofahrer die Tour über die Schwägalp.

Unfall beim Säntis Classic

Am Sonntagvormittag wollte eine 37-jährige Frau – sie war von Urnäsch her in Richtung Schwägalp unterwegs – links auf den Parkplatz des Restaurants Rossfall abbiegen. Dabei übersah sie den gleichaltrigen Velofahrer, der von der Schwägalp her kam. Der Velofahrer prallte beim Unfall frontal in den abbiegenden Personenwagen. Der 37-Jährige wurde schwer verletzt und musste von der Rega ins Spital geflogen werden. Auch die Unfallverursacherin musste ins Krankenhaus gebracht werden. Beim Unfall waren Glassplitter ins Wageninnere gedrungen, wodurch die Frau Verletzungen davontrug.

Die Schwägalpstrasse musste nach dem Unfall für rund zweieinhalb Stunden komplett gesperrt werden. Kurz vor 13.30 Uhr wurden zunächst zahlreiche Velofahrer, die auf der Schwägalp blockiert gewesen waren, in Richtung Urnäsch fahren gelassen, bevor dann die Aufhebung der Sperre auch für den motorisierten Verkehr anstand.

Offen für Verbesserungen

Obwohl die Veranstalter von den getroffenen Sicherheitsvorkehrungen überzeugt sind, werde es gemeinsam mit der Polizei eine Nachbesprechung geben, um allfällige weitere Massnahmen zu prüfen. Markwalder sagt:

«Wenn irgendjemand konkrete Verbesserungen vorschlägt, sind wir die Ersten, die sie umsetzen.»

Hanspeter Saxer von der Ausserrhoder Polizei betont, dass es nun darum gehe, zu analysieren, weshalb es zum Unfall gekommen sei. «Sowohl wir als auch der Veranstalter möchten einen solchen Anlass unfallfrei über die Bühne bringen. Passiert dennoch etwas, müssen wir daraus die nötigen Lehren ziehen.» In einer Strassensperre sieht Saxer aber nicht die optimale Lösung. Vielmehr müsse es das Ziel sein, dass sich Velo- und Autofahrer so verhalten, dass ein Nebeneinander funktioniere.

Zweites Unfallopfer hat sich bei Polizei gemeldet

Vom schwerverletzten Velofahrer gab es am frühen Sonntagabend gute Nachrichten: Der Mann ist ausser Lebensgefahr. Am Montag sagte Anton Sonderegger, Sprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei, dass sich das Opfer noch im Spital befinde. Inzwischen haben sich auch der zweite Velofahrer, der ebenfalls in das Auto der Frau geprallt war, nach einem Aufruf bei der Polizei gemeldet. «Der Mann hat beim Zusammenprall leichte Prellungen erlitten und ist danach weitergefahren, bevor wir an der Unfallstelle eintrafen», sagt Sonderegger.

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