Unerkannt im Gemüseland

Scharfgezeichnet

Silvan Lüchinger
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Dass die Diepoldsauer rechts des Rheins und damit eigentlich ausserhalb der Schweiz wohnen, stört sie längst nicht mehr. Im Gegenteil. Es gibt ihnen zusammen mit dem knorrigen Dialekt jenen leicht exotischen Touch, den andere Dörfer gern hätten. Was die Rheininsler tatsächlich plagt, ist der Durchgangsverkehr. Tausende Autos zwängen sich täglich durch das Dorf, weil eine Querspange zwischen der Vorarlberger und der Schweizer Autobahn nach wie vor fehlt.

Fast so sehr wie über den Fremdenverkehrärgern sich manche Diepoldsauer derzeit über ihren Mitbürger Stefan Britschgi. Der Gemüsebauer und FDP-Kantonsrat will auf seinem Land eine Rüsthalle bauen lassen. Dort würden Gemüse und Feldfrüchte aller Art verkaufsfertig aufbereitet. Weil die Rüebli nicht selber hinlaufen, bringt das noch mehr Verkehr. Zudem liegt Britschgis Hof am Siedlungsrand – angrenzend an das Naturschutzgebiet am Alten Rhein. Auf dieses ist das Dorf stolz. Entsprechend harsch sind die Aufrufe an den Gemeinderat, er dürfe die Rüsthalle nie und nimmer bewilligen.

Im Streit um Kraut und Rüben blieb fast unbeachtet, dass Diepoldsau eine prominente Zuzügerin erhalten hat. Regula Stämpfli, ebenso streitbare wie umstrittene Politologin und Autorin, hat sich dort niedergelassen. Sie sei bisher auch brav gewesen, erklärt Stämpfli die Nichtbeachtung, und es gefalle ihr im Rheintal sogar saugut. Wie lange das Wohlgefühl bei der Bernerin anhält, weiss man nicht. Sollte sie dennoch einmal Diepoldsau – wie einst Belgien – als «Drittwelt» bezeichnen, kann man sie zur Nacherziehung immer noch in den Rüsthof schicken.

Silvan Lüchinger

silvan.luechinger@tagblatt.ch