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Unentwegter Kämpfer für Frieden und Solidarität

Nachruf
Arne Engeli
Fridolin Trüb (1919-2017) (Bild: Philipp Baer (St. Gallen, Nov. 2007))

Fridolin Trüb (1919-2017) (Bild: Philipp Baer (St. Gallen, Nov. 2007))

In der Nacht auf den 13. Februar ist Fridolin Trüb im Altersheim Wienerberg in St. Gallen im Alter von 97 Jahren gestorben. Er war einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen der Friedensbewegung eines ganzen Jahrhunderts. Wer Fridolin Trüb als Freund kannte oder mit ihm zu tun hatte, schätzte sein unermüdliches Engagement und seine Inspiration, bis zuletzt etwa in der Lesegruppe «Neue Wege», die sich monatlich bei ihm traf. Er war stets gut dokumentiert, verfügte über ein ausgezeichnetes Gedächtnis und mischte sich gekonnt in die öffentliche Debatte ein, wenn immer es ihm nötig erschien. Er war belesen, hatte zu jedem Jahr einen Ordner seiner Berichte zu bestimmten Themen griffbereit.

Aufgewachsen war Fridolin Trüb in Flawil, wo sein Vater Pfarrer war. Dieser engagierte sich in der religiös-sozialen Bewegung, die vom Theologen Leonhard Ragaz 1906 mit der Zeitschrift «Neue Wege» begründet worden war. Da hörte und las der junge Fridolin mit; er war das zweite von fünf Kindern. Eindruck machten ihm die Lebensbilder von Fritz Wartenweiler über Schweitzer, Dunant, Gandhi; Persönlichkeiten, die sich für Solidarität und Gewaltfreiheit einsetzten. Während den Kriegsjahren 1940–1945 bildete er sich in Basel zum Zeichenlehrer aus. Sein Engagement in der Friedensbewegung setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein. In den Sommerferien 1945 absolvierte er einen freiwilligen Zivildienst im Simmental, bei Bauern, deren Land überschwemmt worden war. Dort lernte er seine zukünftige Frau Lisbeth kennen. Danach stellten sich beide ein Jahr zur Verfügung im kriegsversehrten Frankreich sowie auf der überschwemmten Insel Walcheren in Holland. Später folgten Einsätze in Deutschland und Österreich. 1949 wurde Fridolin Trüb als Zeichenlehrer an die St. Galler Sekundarschule Bürgli gewählt. Ab 1962 unterrichtete er an der Kanti am Burggra- ben. Der Ehe entsprossen zwei Söhne und zwei Töchter. Er ­ setzte sich dafür ein, dass der Kunstunterricht in der Schule gefördert und anerkannt wird. «Schon seit der Primarschulzeit hatte ich immer einen Skizzenblock dabei. Ich konnte nicht in einer Landschaft sein, ohne sie einzufangen.»

1945 wurde der Schweizerische Friedensrat gegründet, in dem Trüb mitarbeitete. Ziele waren Abrüstung, Waffenexportverbot, Entwicklungshilfe, UNO-Beitritt der Schweiz, Einführung eines Zivildienstes als Alternative zum Militärdienst. «Wenn ich ein Anliegen hatte, das in der Öffentlichkeit aufgenommen werden sollte, etwa zum Verhältnis Militarismus und Kirche oder zum Zivildienst, dann schrieb ich der ‹Ostschweizer AZ›, gelegentlich dem ‹Tagblatt›, oder ich mischte mich in Diskussionen im ‹Kirchenboten› ein.» Die Bundespolizei erstellte während 20 Jahren über Trüb eine Fiche, mit einem ersten Eintrag 1953: «T. ist Präsident des Schweiz. Komitees des Internationalen Zivildienstes und kann nicht als polit. Extremist bezeichnet werden.» Als Erstunterzeichner der Initiative «für einen echten Zivildienst», die 1977 gestartet und 1984 abgelehnt wurde, hielt Trüb einen Vortrag im Kirchgemeindehaus Lachen SZ. In Bern wurde man hellhörig und wies den Polizeiposten Lachen an, die Veranstaltung zu überwachen. «Ich habe damit Stoff für eine Cabaret-nummer fertig geliefert bekommen – Geschichten wahrlich zum Lachen.»

1982 rief Trüb die St. Galler Friedenswoche ins Leben, die Jahr für Jahr unter seiner Koordination in der Adventszeit zu Besinnungen, Vorträgen und Aktionen einlud. Sie besteht heute noch. Als eine Folge solcher Zusammenkünfte entstand die Beratungsstelle für Asylsuchende. Trüb war auch Mitbegründer und jahrelanger Leiter der Helvetas-Gruppe St. Gallen. Die Aktion gegen den geplanten Waffenplatz Neuchlen-Anschwilen war für Fridolin Trüb ein wichtiges Ereignis, zumal sein Sohn Hansueli mit Gleichgesinnten die Bewegung losgetreten hatte. Junge Leute entwickelten mit Sitzblockaden einen Widerstand, wie man ihn in der Schweiz kaum je gekannt hatte. 1990 und 1991 fanden am Rand des Baugeländes «Sommeruniversitäten» statt, daraus wurde die Volksinitiative «40 Waffenplätze sind genug» lanciert. Immer mitdenkend dabei war Fridolin Trüb auch beim Bodensee-Ostermarsch, der seit den frühen 80er-Jahren stattfindet – sogar noch nach seinem Schlaganfall 2007, von dem er sich erstaunlich gut erholte.

Dem Verstorbenen war Solidarität wichtig, folglich engagierte er sich auch im Solidaritätsnetz Ostschweiz. «Solidarität besagt: Uns ist es nicht egal. Wir möchten etwas unternehmen. Wir wollen uns solidarisieren mit jenen, die es nötig haben. Wir können sie begleiten. So können wir sie und uns selber aufmuntern.» Freunde und Bekannte werden Fridolin Trübs kritische Stimme, seine Anteilnahme, seinen wachen Geist und sein Zeugnis für den Frieden vermissen.

Arne Engeli

ostschweiz@tagblatt.ch

Der Nachruf basiert auf Interviews, die Michael Walther mit Fridolin Tr&#252;b gef&#252;hrt hat, siehe auch <%LINK auto="true" href="http://www.fridolintrueb.ch" text="www.fridolintrueb.ch" class="more"%>.

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