«Unbeirrbar bei ungünstiger Prognose»: Drei junge Roma wegen Einbruchserie in vier Kantonen verurteilt

Das Kreisgericht Mels verurteilt drei junge Roma im Alter zwischen 22 und 25 zu empfindlichen Haftstrafen – sowie 10 Jahren Landesverweis.

Reinhold Meier
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Das Gericht verhängte unbedingte Haftstrafen zwischen acht und, zwölf Monaten.

Das Gericht verhängte unbedingte Haftstrafen zwischen acht und, zwölf Monaten.

Patrick Gutenberg

Zur Eröffnung der Verhandlung werden die Angeklagten in Fussfesseln hereingeführt, ein 23-jähriger Mann, seine ein Jahr jüngere Freundin und seine 25-jährige Cousine. Sie kommen direkt aus der Untersuchungshaft, aus Appenzell, Uznach und St.Gallen. Die Angeklagten sind kaum mehr als 1.60Meter gross und wirken wenig furchterregend, auch nicht, als sie später wort- und tränenreich um Nachsicht werben. Doch vier Polizisten sichern ihren Auftritt, dazu sind drei Verteidiger mit Anhang da, eine Dolmetscherin, die Staatsanwaltschaft sowie das dreiköpfige Kollegialgericht.

Luxusmarken gestohlen

Die Anklage wirft dem Trio aus Italien Einbruchdiebstähle in den Kantonen Luzern, Aargau, St.Gallen und Obwalden vor. Namentlich in Bad Ragaz sollen sie erfolgreich gewesen sein. Hier stahlen sie aus einem Einfamilienhaus Kosmetika, Taschen und Schmuck. Alles Dinge, die sich ohne Umstände leicht verkaufen lassen.

Dabei fielen ihnen Luxusmarken wie Burberry und Chanel in die Hände, im Wert von teils bis zu 300 Franken das Stück. Auch vier Handtaschen nahmen sie mit, die teuerste über 2000 Franken schwer, dazu Uhren, Schmuck und einen Füller. So resultierte ein Deliktsbetrag von knapp 10000 Franken. Für den Einbruch hatten sie zuvor die Terrassentür aufgewuchtet und einen Sachschaden von 3800 Franken angerichtet.

«Nur das Überleben gesichert»

Das gleiche Vorgehen zeigten sie auch bei einem Einbruch in Abtwil, wo sie Sachen im Wert von 2500 Franken erbeuteten, in Suhr mit 17000 Franken Beute und in Giswil mit 300 Franken. Ein Einbruch in Kaltbach schlug fehl, hier resultierte Sachschaden. Die Anklage forderte für den Mann und seine Partnerin je 15 Monate Haft, für die Cousine 10 Monate. Diese hatte beim Einbruch von Bad Ragaz nicht mitgewirkt.

Der Staatsanwalt warf dem Trio vor, rücksichtslose, geldgetriebene Kriminaltouristen zu sein:

«Unbeirrbar bei ungünstiger Prognose.»

Darum müsse die Haft unbedingt ausgefällt werden. Nach kaum zehn Minuten war er fertig.

Die drei Verteidiger benötigten hingegen gut zwei Stunden, in denen sie für eine milde Strafe plädierten. Die Delikte befänden sich auf «eher tiefem Niveau» und hätten ihren verzweifelten Mandanten bloss das nackte Überleben gesichert. Viereinhalb bis sechseinhalb Monate Haft seien angemessen, jedoch bedingt, mit zwei Jahren Probezeit.

Ein Urteil aus Frankreich gegen das Trio wegen zahlreicher gleichartiger Einbruchsdelikte dürfe nicht als Vorstrafe gewertet werden, da es nicht nach den Regeln Schweizerischer Rechtsprechung zustande gekommen sei:

«Das Urteil mutet grotesk an.»

In Rouen (F) waren sie 2019 zu satten drei Jahren Haft verurteilt worden, hatten aber am Verfahren nicht teilgenommen, auch weil die Post angeblich nicht zustellbar war. Seitdem sind sie dort zur Verhaftung ausgeschrieben.

Spielraum eingegrenzt

Die Beschuldigten selbst zeigen sich geständig. Sie seien keine Berufseinbrecher, sondern hätten einfach keine andere Möglichkeit gesehen zu überleben, nach ihren bloss zwei, drei Jahren Schulzeit und ohne jede Berufsausbildung. «Ich habe es für meine Tochter gemacht», betonte die Jüngste unter Tränen, vermochte aber wie die Mittäter keine präzisen Angaben darüber zu machen, wie denn Alternativen des legalen Broterwerbs künftig aussehen könnten.

Privatklagen waren aussichtslos

Das Gericht fällte denn auch unbedingte Haftstrafen aus, zwölf Monate für das Pärchen, acht Monate für die Cousine. Der Landesverweis fiel mit zehn Jahren im Sinne der Anklage aus. Damit sind die Bewegungsspielräume nun spürbar eingegrenzt, bleibt doch jetzt nur noch der Brenner um Italien zu verlassen. Alle Geschädigten hatten auf Privatklagen verzichtet. Diese dürften, wohl nicht zuletzt auch angesichts der hohen Verfahrenskosten von rund 65000 Franken, die den drei Verurteilten auferlegt wurden, auch einigermassen aussichtslos gewesen sein.