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UMZUG: «Es gibt keine scharfe Linie»

In Aadorf hat eine Fasnachtsgruppe ihren Wagen als «Asylparadies Schweiz» dekoriert. In St. Gallen hätte eines der Bilder entfernt werden müssen, sagt Bruno Bischof, Präsident der St. Galler Fasnachtsgesellschaft.
Tim Naef
Bei Fasnachtswagen setzt der Präsident der St. Galler Fasnachtsgesellschaft, Bruno Bischof, auf den gesunden Menschenverstand. (Bild: Benjamin Manser (St. Gallen, 7. Februar 2016))

Bei Fasnachtswagen setzt der Präsident der St. Galler Fasnachtsgesellschaft, Bruno Bischof, auf den gesunden Menschenverstand. (Bild: Benjamin Manser (St. Gallen, 7. Februar 2016))

Interview: Tim Naef

tim.naef@tagblatt.ch

Bruno Bischof, dürfte der Wagen «Asylparadies Schweiz» bei Ihnen mitfahren?

So, wie er auf dem Bild zu sehen ist, nein. Da hätten wir eingegriffen und dies verhindert.

Inwiefern eingegriffen?

Meiner Meinung nach ist das Bild mit dem sinkenden Boot und den schwarzen Händen das Problem. Dieses hätte entfernt werden müssen. Den Rest muss man nicht verbieten.

Die Macher des Bildes argumentieren, es sei Satire. Und Satire darf bekanntlich alles.

Wirklich? Ich würde sagen, dass auch Satire Grenzen haben muss. Ich will jetzt kein Moralapostel sein, aber das Bild ist jenseits des guten Geschmacks. Und es darf doch stark bezweifelt werden, ob es sich hier überhaupt um Satire handelt.

Gibt es eine Grenze, die man ziehen muss beziehungs­weise kann?

Es gibt keine scharfe Linie. Genauso wenig gibt es eine Schablone, die sagt: Das geht und das nicht. Jeder Fall muss individuell betrachtet werden. Wichtig ist, dass niemand verletzt oder blossgestellt wird. Letztlich haben wir unseren gesunden Menschenverstand. Der hat – zumindest bei uns – auch immer gut funktioniert.

Sie hatten also noch nie solche Probleme an Ihrem Umzug?

Da kann ich mit gutem Gewissen mit Nein antworten. Aber selbst wenn – bei uns wäre es kaum so weit wie in Aadorf gekommen.

Wieso nicht?

Sämtliche Wagen müssen im Vorfeld angemeldet werden. Dazu müssen die Sujets grob beschrieben werden. Bereits da hätten wir bei einem Verdacht eingegriffen und genauer nachgefragt.

Ein Fasnächtler könnte aber auch einfach lügen.

Das würde nichts bringen. Spätestens bei der Aufstellung des Umzugs kommt die Wahrheit ans Licht.

Dann hätten Sie keine Probleme, eine Teilnahme zu unterbinden?

Wenn der Wagen oder die Sujets darauf geschmacklos oder beleidigend sind, wäre ein Verbot die folgerichtige Entscheidung. Ein Verbot sollte aber das letzte Mittel sein.

Was meinen Sie mit letztem Mittel?

Wir wollen keine Zensurbehörde sein. Ich sage es mal so: Mit einem Gespräch kommt man meistens auf einen gemeinsamen Nenner. Aber wie gesagt: Es hat Grenzen.

Da sprechen Sie auch die Verantwortlichen des Fasnachtsumzugs in Aadorf an.

Ja. Man hätte verhindern können, dass der Wagen mit besagtem Plakat losfährt. Da hat ein wenig die Sorgfalt oder das Fingerspitzengefühl gefehlt.

Vielleicht haben die Verantwortlichen die Problematik dahinter nicht gesehen?

Das kann durchaus sein. Fasnacht und vor allem Fasnachtswagen dürfen durchaus kontrovers sein. Das gehört dazu. Aber auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Letztlich landen wir wieder beim gesunden Menschenverstand.

Er hat in besagtem Fall also schlicht gefehlt?

Ja, das stimmt. Wir müssen den Fall jetzt aber auch nicht grösser machen, als er ist. Ich würde mal behaupten, dass den Machern die Tragweite ihres Schaffens nicht bewusst war.

Und wenn doch?

Dann wäre es eine gezielte Provokation. Dann hätte man die ganze Geschichte auch totschweigen können und ihnen damit auch keine Plattform geboten. Doch auch das wäre keine befriedigende Lösung gewesen.

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