Umweltverbände kritisieren St.Galler Abschusspläne

ST.GALLEN/CHUR. WWF und Pro Natura sind nicht damit einverstanden, dass die Kantone St.Gallen und Graubünden zwei Jungwölfe des Calanda-Rudels abschiessen wollen. Sie kritisieren die Pläne als "voreilig" und behalten sich rechtliche Schritte vor.

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Zwei Jungwölfe aus dem Calanda-Rudel, aufgenommen im 2015. (Bild: pd)

Zwei Jungwölfe aus dem Calanda-Rudel, aufgenommen im 2015. (Bild: pd)

Das von den Kantonen angeführte "problematische Verhalten" der Wölfe - sie waren mehrfach in der Nähe von Siedlungen gesichtet worden - sei nicht ungewöhnlich, schreiben die Verbände in einer Stellungnahme. Man kenne dies beispielsweise von Füchsen und Rehen. Zudem seien in Europa Zwischenfälle mit Wölfen kaum bekannt: "Die Gefahr für den Menschen ist als minimal zu bezeichnen."

Verunsicherung ernst nehmen
Die Verbände plädieren zwar dafür, die Verunsicherung in der Bevölkerung ernst zu nehmen. "Dabei Abschüsse jedoch als wichtigste Massnahme einzusetzen, wird das Zusammenleben nicht vereinfachen", heisst es von WWF und Pro Natura.

Lerneffekt wird bezweifelt
Graubünden und St.Gallen erhoffen sich durch den Abschuss einen Lerneffekt von den Tieren. Sie sollen dadurch wieder scheuer werden und nicht mehr die Nähe des Menschen suchen. Genau diesen Lerneffekt bezweifeln jedoch die Verbände. Es sei "überhaupt nicht bewiesen", dass die Familiengefährten dadurch ihr Verhalten änderten.

Nicht gleich zur Flinte greifen
Für den Fall dass der Bund die Abschussbewilligung erteilt, fordern Pro Natura und WWF eine wissenschaftliche Begleitung der Abschüsse und eine genaue Dokumentation. "Reine Psychohygiene-Massnahmen bringen uns beim Umgang mit den natürlich zurückkehrenden Wölfen nicht weiter. Sonst besteht die Gefahr, dass auch in Zukunft bei jeder Unsicherheit gleich zur Flinte gegriffen wird", heisst es in der Mitteilung weiter.  Die beiden Organisationen kündigen an, das allfällige Abschussdossier genau zu studieren und sich rechtliche Schritte vorzubehalten.

Das Calanda-Rudel lebt seit 2012 im Grenzgebiet der Kantone Graubünden und St.Gallen und wird von Jahr zu Jahr grösser. Es umfasst mittlerweile rund zehn Tiere. (pd/red.)