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UMSTRITTEN: Migros verteidigt Hausverbot gegen demenzkranke St.Galler Kundin

Trotz Kritik bleibt die Migros dabei: Weil sie ihre Ware nicht bezahlte, darf eine demenzkranke Frau nur noch in Begleitung einkaufen. Experten warnen vor einer Verschärfung der Problematik.
Andri Rostetter
Die Migros steht in der Kritik wegen ihres Umgangs mit einer demenzkranken Kundin. (Bild: MELANIE DUCHENE (KEYSTONE))

Die Migros steht in der Kritik wegen ihres Umgangs mit einer demenzkranken Kundin. (Bild: MELANIE DUCHENE (KEYSTONE))

Die Migros Ostschweiz hat gegen eine demenzkranke Frau ein abgeschwächtes Hausverbot ausgesprochen, nachdem diese mehrmals mit unbezahlter Ware den Laden hatte verlassen wollen. Die 82-Jährige darf damit Migros-Filialen nur noch in Begleitung aufsuchen. Diese Massnahme hat Kritik ausgelöst. Die Pro Senectute St.Gallen und die Alzheimervereinigung St.Gallen-Appenzell kritisierten das Hausverbot als unverhältnismässig.


"Erst nach Kontaktaufnahme davon erfahren"

Migros-Sprecher Andreas Bühler verteidigte am Mittwoch die Haltung des Unternehmens. "Es ist für unsere Mitarbeitenden in den Filialen in der Regel nicht möglich, eine Demenzerkrankung bei Personen, die bei uns einkaufen, zu erkennen", hält er fest. Im vorliegenden Fall habe die Migros erst nach der Kontaktaufnahme durch die Angehörigen von der Demenzerkrankung erfahren.

"Wenn wir Kenntnis davon haben, dass Kunden an einer Demenzerkrankung leiden, so verzichten wir im Falle eines Diebstahls sowohl auf eine Umtriebsentschädigung als auch auf die Ausstellung eines Filialverbotes sowie eines Strafantrages." Die Migros bemühe sich jederzeit um eine einvernehmliche Lösung. "In diesen Fällen streben wir an, gemeinsam mit dem Kunden und seinen Angehörigen eine Vereinbarung zu treffen, dass das Einkaufen in Begleitung eines Angehörigen weiterhin möglich ist." Mit anderen Worten: Die Migros hält an ihrem Entscheid fest.


300'000 Demenzpatienten bis zum Jahr 2040

Experten zweifeln die Wirksamkeit der Massnahme an. Wer an einer Demenz erkranke, könne zwar in vielen Fällen seine täglichen Einkäufe selber erledigen, da die Abläufe tief im Gedächtnis eingeprägt seien. Hausverbote nützten jedoch wenig, da sie meist rasch vergessen gingen.

Im Fall der 82-jährigen Frau hat das Hausverbot indes Wirkung gezeigt: Die Rentnerin meidet die Migros derzeit komplett und weicht auf einen anderen Laden aus. Die Frage sei, wie lange diese Situation Bestand habe, sagt Regula Rusconi, Geschäftsführerin der Alzheimervereinigung St.Gallen-Appenzell. "Je nach Krankheitsverlauf ist es gut möglich, dass die Frau wieder ins alte Muster zurückfällt."

Rusconi betont, dass Unternehmen sich künftig verstärkt mit der Thematik auseinandersetzen müssten. Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass sich die Problematik verschärfen wird: Laut Prognosen von Alzheimer Schweiz wird sich die Zahl der Demenzkranken in der Schweiz von heute 148'000 auf 300'000 im Jahr 2040 erhöhen. Offiziell leiden derzeit im Kanton St.Gallen 8400 Personen an einer Demenzerkrankung, im Kanton Thurgau sind es 4300. In Appenzell Ausserrhoden sind rund 1000 Personen betroffen, in Appenzell Innerrhoden 300. Dabei handelt es sich aber nur um die diagnostizierten Erkrankungen. Die Dunkelziffer sei aber höher, sagt Rusconi. Schätzungen zufolge seien 20 Prozent der über 80-Jährigen und mehr als 60 Prozent der über 90-Jährigen von einer Demenzerkrankung betroffen.

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