Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Umkleiden gehört nicht zur Arbeitszeit – und kostet Arbeitnehmer «jährlich rund einen halben Monatslohn»

Arbeitskleidung anzuziehen ist an St. Galler Spitälern nicht Teil der bezahlten Arbeitszeit. Die Gewerkschaft erwägt rechtliche Schritte, sollten Arbeitgeber nicht umdenken. Das Kantonsspital reagiert irritiert.
Katharina Brenner
An der Umfrage des VPOD Ostschweiz haben 180 Spitalangestellte aus dem Kanton St. Gallen teilgenommen. (Bild: Urs Bucher)

An der Umfrage des VPOD Ostschweiz haben 180 Spitalangestellte aus dem Kanton St. Gallen teilgenommen. (Bild: Urs Bucher)

Wer im Spital mit Patienten zusammenarbeitet, zieht sich vorher um. «Das ist Teil der Arbeit und somit Arbeitszeit», sagt Maria Huber, Regionalsekretärin VPOD Ostschweiz, der Gewerkschaft für Angestellte im Service public. Die Sektion hat eine Umfrage unter Spitalangestellten im Kanton St. Gallen durchgeführt.

94 Prozent der Befragten gaben an, dass die Umkleidezeit nicht als Arbeitszeit angerechnet wird, und über 60 Prozent, dass ihre Umkleide- und Wegzeit mehr als zehn Minuten beträgt. Der VPOD schreibt in einer Mitteilung, er wolle diese Ungerechtigkeit aus der Welt schaffen, wenn nötig auf «gerichtlichem Weg». «Wir haben die Arbeitgeber angeschrieben und warten auf Antworten», meint Huber.

«Die Tonalität hat uns überrascht»

Das Schreiben sei am Freitag eingegangen, sagt Philipp Lutz, Medienbeauftragter am Kantonsspital St.Gallen. «Die Tonalität hat uns überrascht.» Die Gewerkschaft drohe mit einer Meldung ans Arbeitsinspektorat, falls bis 7. März keine «befriedigende Antwort» vorliege.

«Wir pflegen unseres Erachtens einen sehr guten und regelmässigen Austausch mit den Gewerkschaften und Sozialpartnern.»

Ein solches Vorgehen sei «einer guten Partnerschaft nicht förderlich». Man werde das Schreiben an der nächsten Direktionssitzung besprechen, das weitere Vorgehen festlegen und sich sicher mit anderen Spitälern absprechen. An der Umfrage haben 180 Spitalangestellte teilgenommen. Das ist wenig im Vergleich zu den über 5500 Mitarbeitern des Kantonsspitals.

«Im Gesundheitswesen branchenüblich»

«Die Umkleidezeit gilt am Kantonsspital St. Gallen nicht als Arbeitszeit», sagt Lutz. Dies sei «im Gesundheitswesen branchenüblich». Das bedeutet, Umkleiden ist unbezahlte Arbeit. Im vergangenen Jahr hat die gleiche Umfrage in Zürich ein ähnliches Bild ergeben. Die Befragungen sind Teil der VPOD-Kampagne «Umkleiden ist Arbeitszeit».

Die St.Galler SP-Kantonsrätin Monika Simmler hat am Freitag im Parlament eine Einfache Anfrage eingereicht, die sich auf die VPOD-Umfrage bezieht. Sie schreibt, Spitäler hielten sich nicht an das geltende Recht und enthielten den Angestellten damit «die Bezahlung tausender Arbeitsstunden» vor. Sie verweist auf das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), das Umziehen sei klar als Arbeitszeit anzurechnen. Laut Seco gilt im Zusammenhang mit Umkleiden all das als Arbeitszeit, «was obligatorisch Teil des Arbeitsprozesses ist. Anziehen von persönlicher Schutzausrüstung für den Gesundheitsschutz und gegen Unfälle, Anziehen von Überzugskleidern oder steriler Arbeitskleidung wie auch das Durchschreiten einer Schleuse aus Gründen der Hygiene.»

«Jährlich ein halber Monatslohn»

Simmler rechnet am Beispiel des St. Galler Kantonsspitals vor, dass denjenigen Angestellten, die der Umkleidepflicht unterstehen, «jährlich rund ein halber Monatslohn» entgehe.

Die Kantonsrätin fragt im parlamentarischen Vorstoss die Regierung, ob diese die Einschätzung teilt, dass das Umziehen für Tätigkeiten in der Gesundheitsversorgung, die Patientenkontakt beinhalten, «notwendig und deshalb der Arbeitszeit anzurechnen ist». Und sie will wissen, wie die Regierung sicherstelle, dass sich die Spitäler diesbezüglich «an das geltende Arbeitsgesetz halten». Die Umfrage des VPOD Ostschweiz hat zudem ergeben, dass mehr als ein Drittel der Befragten neben der Umkleidezeit regelmässig weitere unbezahlte Arbeit verrichten. Nach den Gründen habe man zu diesem Zeitpunkt nicht gefragt, meint Huber, die Regionalsekretärin des VPOD.

Philipp Lutz vom Kantonsspital sagt zu diesen Zahlen: «Wir erleben es so, dass der Grossteil unserer Mitarbeitenden es sehr schätzt», beispielsweise bei einer Znünipause nicht ein- und ausstempeln zu müssen. «Bei uns muss niemand minütelen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.