Umgang mit dem Corona-Virus: Der Kanton St.Gallen prüft nun auch kleinere Anlässe – und verteilt Schutzmasken an Hausärzte und Pflegeheime

Ab sofort müssen im Kanton St.Gallen Veranstalterinnen und Veranstalter von Anlässen mit über 150 Personen online ein Formular ausfüllen. In St.Gallen verzögerte sich die Abgabe von Schutzmasken.

Adrian Lemmenmeier und Janina Gehrig
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In der Zivilschutzanlage Schönau St. Gallen wurden am Donnerstag Hygienemasken an Ärzte und Fachpersonal abgegeben.

In der Zivilschutzanlage Schönau St. Gallen wurden am Donnerstag Hygienemasken an Ärzte und Fachpersonal abgegeben.

Bild: Urs Bucher

Der Kanton hat am Donnerstag begonnen, über eine halbe Million Schutzmasken an Hausärzte, Alters- und Pflegeheime, Apotheken, Zahnärzte und Spitexorganisationen zu verteilen. Die Masken hat die Armeeapotheke zur Verfügung gestellt. Sie sollen den Bestand der Ärzte ergänzen. Die Verteilung übernimmt der Zivilschutz. Gleichzeitig wurden neue Massnahmen im Umgang mit dem Corona-Virus eingeleitet. 

Das empfehlen die St.Galler Behörden: 

  • Gemäss Weisung des Bundesrats bleiben Veranstaltungen mit über 1000 Personen bis mindestens zum 15. März verboten. Für Veranstaltungen mit weniger als 1000 Personen müssen der Veranstalter und der Kanton eine Risikoabwägung vollziehen. Dafür steht ab sofort ein Online-Formular zur Verfügung. Wer eine Veranstaltung mit weniger als 150 Personen plant, muss das Formular nicht ausfüllen. Er muss aber folgende Vorgaben der kantonalen Behörden einhalten:
  • Stellen Sie an den Eingängen zur Veranstaltung Hinweise auf und machen Sie auf die Hygienemassnahmen aufmerksam. Vorlagen sind auf der Website des BAG und des Kantons zu finden.
  • Kontrollieren Sie am Eingang mit einer Liste, ob die Teilnehmenden in letzten 14 Tagen in einem betroffenen Gebiet gemäss BAG waren. Falls ja, sollen diese Personen nach Hause gehen. Fragen Sie bei der Eingangskontrolle die Teilnehmenden, ob sie Symptome wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden zeigen. Betroffene Personen sollen nach Hause gehen.
  • Besonders gefährdete Personen sollen nicht teilnehmen. Dazu zählen Personen über 65 Jahre und Personen mit schweren Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen oder Erkrankungen und Therapien, die das Immunsystem schwächen.
  • An Veranstaltungen soll auf engen Kontakt wie zum Beispiel das Tanzen verzichtet werden.
  • Passen Sie wenn möglich die räumlichen Verhältnisse an. Prüfen Sie auch eine Verlegung ins Freie. Mehr Platz bedeutet weniger Risiko.
  • Machen Sie Ihre Gäste im Vorfeld auf diese Empfehlungen aufmerksam. Das BAG hat zudem ein neues Merkblatt zu den Präventionsmassnahmen publiziert. Neu ist, dass man Abstand halten soll. Damit sollen vor allem Personen ab 65 Jahren und Personen mit einer Vorerkrankung vor einer Ansteckung geschützt werden, da das Virus bei ihnen einen stärkeren Verlauf nehmen kann. Kinder stellen keine Risikogruppe dar. Da sie aber das Virus übertragen können, sollen sie enge Kontakte mit Risikogruppen vermeiden. Der Kanton empfiehlt:
  • Wer für Personen mit chronischer Erkrankung oder mit geschwächtem Immunsystem einkaufen kann, soll dies diesen Personen anbieten.
  • Wer Sitzungen auch per Video- oder Telefonkonferenz durchführen kann, soll dies tun. Wer Sitzungen mit Direktkontakt durchführt, soll dies wenn möglich in grösseren Räumen tun, um auch bei Sitzungen Abstand halten zu können. 

«Bisher haben wir bei Veranstaltungen unter 1000 Personen an die Selbstverantwortung der Veranstalter plädiert», sagt Markus Betschart. Der ehemalige Kantonsarzt ist im Ruhestand und als ärztlicher Mitarbeiter wieder aufgeboten worden. Neu nimmt das Kantonsarztamt für jede dieser Veranstaltungen eine Risikoabwägung vor.

So müssen Veranstalter etwa angeben, ob es sich um einen Sportanlass, eine Kulturveranstaltung, eine Messe oder einen Umzug handelt. Zudem müssen sie sicherstellen, dass die Besucher bei der Eingangskontrolle ihre Personalien eintragen und bestätigen, dass sie in den letzten 14 Tagen keines der betroffenen Gebiete wie Norditalien oder Singapur bereist haben.

Veranstalter müssen zudem darauf hinweisen, dass Gäste bei Symptomen wie Fieber, Husten und Atembeschwerden von der Veranstaltung ausgeschlossen sind. «Das Wichtigste ist, dass keine Personen aus betroffenen Gebieten auf engem Raum mit anderen zusammen kommen», sagt Betschart.

Tanz für Senioren absagen, Jugendkonzert durchführen

Der Kanton erlasse weiterhin keine Bewilligungen für Veranstaltungen, dafür seien die Gemeinden zuständig. Betschart sagt:

«Wir geben lediglich eine Empfehlung dazu ab, ob ein Anlass durchführbar ist oder abgesagt werden soll.»

So sei etwa eine Tanzveranstaltung für Senioren relativ risikoreich, ein Jugendkonzert dagegen eher unbedenklich. «Es geht darum, dass Personen über 65 Jahre, insbesondere mit chronischen Krankheiten, geschützt werden oder sich selber schützen», sagt Betschart. Bei dieser Personengruppe kann das Corona-Virus schwere Verläufe zeigen.

Allein am Donnerstagnachmittag haben 130 Veranstalter Formulare eingereicht. Drei Personen des Kantonsarztamts sind damit beschäftigt, die Anfragen zu beantworten. Für Veranstaltungen, an denen weniger als 150 Personen erwartet werden, muss kein Formular eingereicht werden. Doch auch dort soll eine Art Eingangskontrolle stattfinden und Veranstalter sollen auf Hygienemassnahmen aufmerksam machen.

Bereits am 28. Februar hatte der Bundesrat entschieden, dass für Anlässe mit unter 1000 Personen eine Risikoabwägung erfolgen muss. Grössere Anlässe mit über 1000 Personen hat er bis mindestens zum 15. März verboten.

Lange Wartezeiten bei Verteilung von Masken in St.Gallen

In den acht Zivilschutzregionen wurde am Donnerstag mit dem Verteilen von Schutzmasken an Hausärzte begonnen. In St.Gallen mussten Ärzte am frühen Nachmittag teilweise lange warten, bis sie Masken erhielten. Grund war, dass 50 bis 60 Ärztinnen und Ärzte gleichzeitig erschienen, um die Masken abzuholen.

Damit hatten das kantonale Gesundheitsdepartement, das die Aktion organisierte, und der Zivilschutz, der sie durchführte, nicht gerechnet. Ausserdem seien die Ärzte-Listen des Departements anfänglich nicht übersichtlich gestaltet gewesen, teilweise waren sie auch nicht aktualisiert. Das führte dazu, dass Ärzte Schutzmasken abholen wollten, aber keine erhielten, weil sie nicht auf der Liste geführt waren. Einige Hausärzte vor Ort kritisierten die Verteilaktion.

Donat Ledergerber, Generalsekretär  Gesundheitsdepartement St.Gallen.

Donat Ledergerber, Generalsekretär  Gesundheitsdepartement St.Gallen.

Bild: Urs Bucher

Donat Ledergerber, Generalsekretär des Gesundheitsdepartements räumt ein, dass einige Listen nicht aktuell waren und es zu Verzögerungen kam. «Wir ärgern uns über diesen Fehler und bedauern diesen», sagt Ledergerber. «Um die Listen aktuell zu halten, sind wir aber auch korrekte Mutationsänderungen seitens der Ärzteschaft angewiesen.»

Damit sich eine solche Situation nicht wiederhole, könne ab jetzt jeder Arzt, der sich vor Ort ausweisen könne, Masken abholen. Die Verteilaktion wird noch an zwei weiteren Tagen durchgeführt. In den übrigen Zivilschutzregionen verlief sie planmässig.

Die Masken, die an Hausärzte verteilt werden, sollen gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) erkrankte Personen tragen, die sich etwa für einen Arztbesuch aus dem Haus begeben. Auch sollen Ärzte Personen mit Verdacht auf Corona-Virus eine solche Maske anziehen. Zusätzlich erhalten Arztpraxen effizientere Atemschutzmasken. Diese sollen Hausärzte verwenden, wenn sie bei Patienten einen Rachenabstrich für den Test auf Corona-Virus durchführen. Gesunden Menschen empfiehlt das BAG, keine Masken zu tragen.

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