Umfrage
Unzufriedener Quartierverein, verständnisvolle Bevölkerung: Das sind die Reaktionen nachdem der Stadtrat das Musikverbot auf Drei Weieren zurückgezogen hat

Verstärkte Musik aus der Box, Lieder ab der Gitarre, alles wieder erlaubt auf Drei Weieren. Der Quartierverein St.Georgen bedauert, dass sich der Stadtrat umentschieden hat. Die Bevölkerung schätzt Eigenverantwortung und bringt Verständnis für das meist junge Partyvolk auf, wie eine Umfrage zeigt.

Diana Hagmann-Bula
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Musik ja, aber bitte aufeinander und auf die nahe Natur Rücksicht nehmen: Das wünschen sich die Umfrageteilnehmer nach dem aufgehobenen Musikverbot auf Drei Weieren.

Musik ja, aber bitte aufeinander und auf die nahe Natur Rücksicht nehmen: Das wünschen sich die Umfrageteilnehmer nach dem aufgehobenen Musikverbot auf Drei Weieren.

Bild: Ralph Ribi

Das Unverständnis beim Quartierverein St.Georgen ist gross. Am Mittwoch hat der St.Galler Stadtrat das Musikverbot auf Drei Weieren rückgängig gemacht. Musik aus der Box, Lieder ab der Gitarre, alles wieder erlaubt. «Ein schlechter Entscheid», meint Quartiervereinspräsident Thomas Giger. Die Situation im Naherholungsgebiet solle für alle erträglich sein. «Drei Weieren ist nicht nur Partyzone, sondern auch Ruhe- und Wohnort. Es braucht Leitplanken.» Giger will das Thema an der nächsten Vorstandssitzung diskutieren. «Vielleicht reichen wir unseren Vorschlag als politischen Vorstoss ein.» In der Bevölkerung scheint das Verständnis grösser zu sein, wie eine Umfrage zeigt.

Cyril Bhend.

Cyril Bhend.

Cyril Bhend, 26, Student, St.Gallen: «Man muss halt miteinander reden»

Ich befürworte es, dass der Stadtrat auf Drei Weieren doch Musik zulässt und damit an die Eigenverantwortung von uns allen appelliert. Ich höre selber gerne Musik draussen. Es entstehen eigentlich ja nur Probleme, wenn die Menschen keine Rücksicht aufeinander nehmen. Laute Musik kann nun mal stören. Dann muss man halt miteinander reden.

Sonja Cabernard.

Sonja Cabernard.

Sonja Cabernard, 41, Lehrerin, St.Gallen: «Während des Verbots habe ich keinen Unterschied zu vorher gehört»

Der Wind trägt die Musik oft bis zu uns. Ehrlich gesagt habe ich während des Verbots keinen Unterschied zu vorher gehört. Mich stört die Geräuschkulisse nicht. Sie gehört zu einem lebendigen Stadtleben. Die Jungen müssen einen Ort für sich haben. Gut, früher haben wir vielleicht etwas dezenter gefeiert. Mich ärgert eher, wenn Abfall liegen bleibt.

Matthias Egger.

Matthias Egger.

Matthias Egger, 34, Umweltwissenschafter, St.Gallen: «Ich bin kein Fan von Verboten»

Ich bin kein Fan von Verboten. Deshalb freut es mich, dass sich der Stadtrat umentschieden hat. Für mich ist Verhältnismässigkeit wichtig. Grundsätzlich ist es doch schön, zusammenzusitzen und Gitarre zu spielen. Man muss dabei nur etwas aufeinander achten. Und den Menschen nebenan mal fragen: Stört es dich, wenn ich musiziere?

Raphaela Wendel.

Raphaela Wendel.

Raphaela Wendel, 45, Betriebswirtschafterin, St.Gallen: «Ich bin schon ins Familienbad gewechselt, weil es mir am Mannenweier zu laut gewesen ist»

Ich beurteile den Stadtratsentscheid fifty-fifty. Wenn jemand live Gitarre spielt, gefällt mir das. Verstärkte Musik aus der Box aber strengt mich an. Ich bin eine empfindliche Person und bin schon ins Familienbad gewechselt, weil es mir am Mannenweier zu laut gewesen ist. Man darf bei dieser Diskussion nicht vergessen, dass sich der Wald mit seinen Tieren in der Nähe befindet.

Bruno Späti.

Bruno Späti.

Bruno Späti, 77, Rentner, St.Gallen: «Schön, dass der Stadtrat zugeben kann, dass sein Entscheid unpassend war»

Als Anwohner war ich nicht unglücklich über das Verbot. Aber ich kann damit leben, dass der Stadtrat zurückgekrebst ist. Man muss mit Lärm leben können, wenn man hier oben wohnt. Die Jugend hat nur wenig solche wunderbaren Räume im Freien, die sie nutzen kann. Schön, dass der Stadtrat zugeben kann, dass sein Entscheid unpassend war.