Umbau mit Überraschungen

Bei Arbeiten an seinem Haus in der Wiler Altstadt hat der Hafner Mischa Casanova eine alte Feuerstelle entdeckt. Vieles deutet auf einen gewerblichen Ofen aus dem Mittelalter hin.

Ursula Ammann
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Hausbesitzer Mischa Casanova vor der mittelalterlichen Feuerstelle im Erdgeschoss seines Altstadthauses. (Bild: Ursula Ammann)

Hausbesitzer Mischa Casanova vor der mittelalterlichen Feuerstelle im Erdgeschoss seines Altstadthauses. (Bild: Ursula Ammann)

WIL. Zwischen Farbkübeln, Abdeckmaterial und Werkzeug steht Mischa Casanova und zeigt auf ein Loch im Boden. Es ist kein gewöhnliches Loch. Ein verrusstes, stellenweise mit Lehm verputztes Mäuerchen umgibt es. Dieses wiederum ist unterlegt mit rechteckigen Steinen.

Umbauarbeiten haben die Fundstelle im Erdgeschoss seines Altstadthauses zutage gefördert. Einen halben Meter unter dem alten Boden lag sie verborgen, zugedeckt mit einer dicken Schicht aus losem Schutt. «Als beim Aushub der erste verkohlte Stein zum Vorschein gekommen ist, haben wir die Arbeiten sofort gestoppt», erzählt Mischa Casanova, der als gelernter Hafner eine Affinität für alles Historische hat. Die Stelle wurde daraufhin vorsichtig freigelegt. Schnell war klar, dass es sich um eine Feuerstelle handeln musste, doch um was für eine?

Klosterziegel und Stampflehm

Nach dem Fund begann Mischa Casanova zu recherchieren: Er stöberte in Fachbüchern, besuchte Ausstellungen, lud Experten zur Besichtigung ein. Einen Anker auf der Reise in die Vergangenheit bot ihm das Alter seines Hauses. Es wurde im 14. Jahrhundert erbaut, wie zwei dendrochronologische Untersuchungen ergaben, die Casanova vor dem Umbau in Auftrag gegeben hatte. Die Feuerstelle müsse entweder gleich alt oder älter als das Haus sein, erklärt Casanova, denn sie sei wohl kaum nachträglich in einen geschlossenen Raum eingebaut worden. Für eine zeitliche Ansiedlung im Mittelalter spreche auch das Material, aus dem sie bestehe. Bei den rechteckigen Steinen, die für den Feuerboden verwendet wurden, handelt es sich um Klosterziegel, die vorwiegend im 14. Jahrhundert gebrannt und eingebaut wurden. Zur Feuerstelle hin führt eine schmale Grube mit einem Boden aus Stampflehm – ebenfalls typisch für die damalige Zeit.

Zuerst habe er die Feuerstelle für eine Art Kochherd gehalten, sagt Mischa Casanova. Dann fand er heraus, dass deren ovale Form vor allem den gewerblichen Öfen eigen war – so wie sie Buntmetallgiesser oder Töpfer benutzten. Casanovas Vermutungen sind zwar nicht wissenschaftlich erwiesen, von den Experten aber auch nicht widerlegt. In der Schweiz seien bisher nur zwei vergleichbare Fundstellen nachgewiesen, in Winterthur und in Willisau, sagt Casanova. Dieser Mangel an Beispielen gestalte die Forschung schwierig.

Eine Glasvitrine zum Schutz

Mischa Casanova hat das Altstadthaus vor sieben Jahren gekauft und jeweils vermietet, was auch nach dem Umbau wieder so sein wird. Ins Erdgeschoss zieht ein Bücherantiquariat ein – dort, wo derzeit die offene Feuerstelle ruht. Damit diese geschützt und sichtbar bleibt, möchte Casanova eine begehbare Glasvitrine darüber bauen lassen. «Diese lässt sich zu Forschungszwecken wieder demontieren», sagt er. Der Ansturm von Archäologen blieb bisher aus. Angesichts der knappen Ressourcen, die für grössere Ausgrabungsstätten verwendet werden, verstehe er das, sagt Casanova. «Für mich ist dieser Fund aber von grosser Bedeutung – aus Sicht der Hafnertradition und der gewerblichen Entwicklung im mittelalterlichen Städtebau.»