Unerwartete Kundgebung
Keine Verhaftungen, mehrere Anzeigen: 500 Personen an unbewilligter Corona-Demonstration in Urnäsch – Polizei verzichtet auf ein Einschreiten

Rund 500 Teilnehmende haben sich am Samstag in Urnäsch zu einer unbewilligten Corona-Demonstration versammelt. Der Anlass war kurzfristig von Zürich ins Appenzellerland verlegt worden. Die Polizei liess die Demonstrierenden gewähren, zeigt die Organisatoren aber an.

Daniel Walt, Oliver Kerrison
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Mit Kuhglocken gegen die Corona-Massnahmen: Am Samstag demonstrierten in Urnäsch rund 500 Personen.

Mit Kuhglocken gegen die Corona-Massnahmen: Am Samstag demonstrierten in Urnäsch rund 500 Personen.

Bild: Benjamin Manser (Urnäsch, 15. Mai 2021)

In Urnäsch haben sich Anfang Samstagnachmittag Corona-Demonstranten versammelt. «Wir haben kurz vor dem Mittag Informationen aus der Bevölkerung erhalten, dass ein solcher Anlass stattfinden soll», sagt Dominic Schwarz, Mediensprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei. Dahinter stehe dieselbe Gruppierung, die eine Woche zuvor in Aarau gegen die Coronamassnahmen auf die Strasse gegangen sei. Der Anlass wurde offenbar kurzfristig von Zürich ins Appenzellerland verlegt.

Zunächst war unklar, wie viele Menschen sich zur spontanen, nicht bewilligten Demonstration in Urnäsch einfinden werden. «Wir bieten nun alle Einsatzkräfte auf, die verfügbar sind», so der Polizeisprecher am Mittag.

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Bild: Benjamin Manser

Ein Reporter berichtete später, dass die Corona-Skeptiker, beobachtet von Schaulustigen, durchs Dorf Urnäsch laufen. Unter den Demonstranten waren zahlreiche Trychler, auch Kantons- und Schweizerfahnen sowie Transparente mit Aufschriften wie «Gemeinsam statt einsam» waren zu beobachten.

Bild: Benjamin Manser

Um 14 Uhr sprach Marcel Wehrlin, Sprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei, von rund 200 Menschen, die sich in Urnäsch zusammengefunden hätten. «Der Zug formierte sich an der Unterdorfstrasse und bewegte sich dann in Richtung Dorf. Dann ging es ein Stückweit auf der Hauptstrasse in Richtung Schwägalp», so Wehrlin.

Bild: Benjamin Manser

Die Einsatzkräfte der Polizei begleiteten die Demonstration, die friedlich verlief, im Sinne einer Deeskalation. Derweil wuchs die Zahl der Anwesenden weiter an, teils wurden Unterschriften für die «Stopp Impfpflicht»-Initiative gesammelt.

Bild: Benjamin Manser

Am späteren Nachmittag löste sich die Kundgebung in Urnäsch allmählich auf. Marcel Wehrlin, Sprecher der Ausserrhoder Kantonspolizei, zieht Bilanz:

«Die Kundgebung verlief soweit friedlich. Mehrere Personen, die für die Organisation verantwortlich zeichnen, werden wegen Verstosses gegen die Covid-19-Verordnung verzeigt.»

Die Einsatzleitung der Polizei habe sich im Rahmen der Verhältnismässigkeit für den Dialog entschieden. Dies auch, nachdem die Zahl der geschätzten Anwesenden im Verlauf des Tages von zunächst 200 auf über 500 Personen anwuchs. Es kam zu keinen Ausschreitungen, Sachbeschädigungen oder Verhaftungen.

Wie die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden am Samstagabend in einer Mitteilung schrieb, reisten die Demonstranten aus allen Teilen der Schweiz an. Nebst der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden standen auch die Stadtpolizei St.Gallen und Teile der Feuerwehr Urnäsch im Einsatz.

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