Auch Sarah Bösch will nach Bern

Nach einer doppelten Niederlage in den National- und Kantonsratswahlen kandidiert Sarah Bösch für den Ständerat. Die parteilose Aussenseiterin möchte als Frau und Familienpolitikerin punkten.

Noemi Heule
Drucken
Teilen
Sarah Bösch stellt sich für den Ständerat auf. (Foto: Marcello Engi)

Sarah Bösch stellt sich für den Ständerat auf. (Foto: Marcello Engi)

Zwei Tage, nachdem die SVP mit Mike Egger ihren Kandidaten für das Stöckli präsentierte, springt mit Sarah Bösch die fünfte Bewerberin auf das Kandidatenkarussell auf. Ihre Motivation:

«Ich bin Frau, ich bin jung und ich will etwas bewegen in der Familienpolitik.»

Die ehemalige SVP-lerin will die neugewählte Bundesrätin Karin Keller-Sutter als Parteilose im Ständerat beerben.

Die politische Erfahrung der 37-jährigen Aussenseiterin ist minimal: Fünf Monate sass sie 2015 sie für die SVP im Wiler Stadtparlament. Ein Mandat, das sie verlor, nachdem sie mit 0,8 Promille am Steuer erwischt wurde – und dies mit einer Schimpftirade über die Polizei in den sozialen Medien öffentlich machte. Mit dem Übernamen «Bier-Bösch» geisterte die Lokalpolitikerin fortan durch die nationale Boulevard-Presse. Nebst Mandat verlor Bösch Parteizugehörigkeit und Job.

Viele gescheiterte Kandidaturen

Ihre politischen Ambitionen sind indes gross: Nach dem kurzen Intermezzo in Wil kandidierte Bösch 2015 für den Nationalrat. Schon damals parteilos und mit ihrer eigenen Liste «Sarah Bösch – das Original». Rund 4500 gaben ihr die Stimme. Ein Jahr später scheiterte sie mit rund 600 Stimmen an den Kantonsratswahlen. Ihr Ehrgeiz war von Anbeginn nicht von Erfolg gekrönt gewesen: Im Kanton Zürich versuchte sie den Eintritt in die Schulkommission von Kilchberg, bevor sie auch dort aus der SVP-Ortspartei ausgeschlossen wurde.

Sarah Bösch sagt dazu:

«Ich gebe nicht auf.»

Statt mit vergangenen Fehler zu hadern, möchte sie in Zukunft die «Fehlerquote minimieren». Im Gegensatz zum National- und Kantonsrat sei die bevorstehende Wahl in den Ständerat eine Personenwahl, die sie gemäss Medienmitteilung als «zielorientierte Unternehmerin und Mutter mit Herz» gewinnen will. Vor zwei Jahre gründete die alleinerziehende Mutter die Hotelkrippe GmbH St. Gallen, eine private Kinderkrippe mit 24-Stunden-Betreuung. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nennt Bösch denn auch als ihr wichtigstes Anliegen und präsentiert sich als «Brückenbauerin für die Chancengleichheit aller».

Bösch tritt am 10. März gegen Benedikt Würth (CVP), Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP), Patrick Ziltener (Grüne) und Mike Egger (SVP) an. Die fehlende Rückendeckung der Parteien will sie im Wahlkampf mit einem «kreativen Social-Media-Auftritt» wettmachen.

Erstaunen und Kopfschütteln über Kandidatur von Mike Egger

Die SVP-Parteispitze schickt Jungpolitiker Mike Egger ins Rennen um den frei werdenden Sitz im Ständerat. Das sorgt selbst in den eigenen Reihen für Verwunderung. Die SP spricht von einer «Verlegenheitslösung» – die CVP schweigt.
Noemi Heule

KKS-Nachfolge: Beni Würth will für die St.Galler CVP in den Ständerat

Nach der Wahl von Karin Keller-Sutter (FDP) in den Bundesrat heisst es für den Kanton St.Gallen nun, den frei werdenden Ständeratssitz neu zu besetzen. Der erste, der seine Kandidatur offiziell bekannt gibt, ist der St.Galler Finanzchef und Regierungsrat Benedikt Würth (CVP).
Stephanie Martina