ÜBERGRIFF: Vergewaltiger muss hinter Gitter

Ein 52-Jähriger hat im Toggenburg eine Frau mit einem Bajonett bedroht und verletzt, danach vergewaltigte er sie. Vor dem Bundesgericht beteuerte er seine Unschuld, blitzte jedoch ab.

Urs-Peter Inderbitzin
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Urs-Peter Inderbitzin

ostschweiz@tagblatt.ch

Der 52-jährige, der im Oktober 2013 eine Frau mit einem Bajonett bedroht und vergewaltigt hat, muss seine Freiheitsstrafe von acht Jahren absitzen. Das Bundesgericht hat einen entsprechenden Entscheid des St. Galler Kantonsgericht vollumfänglich bestätigt.

Dem Jordanier, der sich widerrechtlich in der Schweiz aufhielt, wird vorgeworfen, vor vier Jahren, in der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober 2013, eine Frau mit einem Bajonett bedroht und sie damit leicht am Hals verletzt zu haben. Danach habe der Mann gegen ihren Willen mit ihr den Geschlechtsverkehr vollzogen und sie auch dazu gezwungen, ihn oral zu befriedigen. Um die Frau gefügig zu machen, habe er das Bajonett immer in seiner Nähe gehabt. Die Frau habe sich deshalb nicht gegen ihn wehren können.

Angeklagter bestreitet Tat

Das Kreisgericht Toggenburg sprach den Mann im April 2015 der qualifizierten Vergewaltigung, der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie des widerrechtlichen Aufenthalts schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und zwei Monaten sowie zu einer ­Busse von 300 Franken. Das Kantonsgericht St. Gallen wies eine dagegen erhobene Berufung des Vergewaltigers ab, reduzierte jedoch die Freiheitsstrafe auf acht Jahre.

Vor Bundesgericht bestritt der Jordanier die Tat und beteuerte, der Geschlechtsverkehr mit der Frau sei einvernehmlich erfolgt. Er warf der St. Galler Justiz unter anderem vor, sie habe den Sachverhalt willkürlich festgestellt. Er behauptete, die vergewaltige Frau habe sich die Verletzungen am Hals mit ihren Fingernägeln selber zugefügt. Sie seien nicht durch das Bajonett erfolgt. Dies zeige auch die Tatsache, dass auf dem Bajonett keine DNA-Spuren des Opfers gefunden worden seien. Für das Bundesgericht waren diese Einwände jedoch nicht massgebend. Entscheidend war für die Richter vielmehr, dass die Aussagen des Opfers, nur wenige Stunden nach der erfolgten Vergewaltigung, als glaubwürdig einzustufen sind und sich die Feststellungen des Kantonsgerichts als schlüssig erweisen. Der Vorwurf der Willkür erweist sich deshalb als unbegründet.

«Acht Jahre sind angemessen»

Ohne Erfolg wehrte sich der ­Jordanier auch gegen die angeordnete Strafdauer. Für das Bundesgericht sind die acht Jahre Freiheitsstrafe angesichts der brutalen Vorgehensweise bei der Vergewaltigung – das Bajonett lag immer in Griffweite – angemessen. Wie bereits das Kantonsgericht festgestellt hat, hatte der Schuldige die Frau psychisch stark unter Druck gesetzt; diese musste angesichts des verwerflichen und skrupellosen Vorgehens des Täters um ihr Leben fürchten. Der massive Eingriff in ihre sexuelle und psychische Integrität – die Frau musste während rund drei Stunden mehrmals ungeschützten Geschlechtsverkehr über sich ergehen lassen und den Mann oral befriedigen – hat Spuren hinterlassen, deren Folgen bis heute andauern.

Urteil 6B_113/2017