Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Ein letztes «Pfiet eu» aus Vorarlberg

Eine Woche lang haben wir Vorarlberger Luft geatmet und uns von einheimischer Kost ernährt. Die Gastfreundschaft war grossartig, die Aussicht berauschend, die Ortsnamen waren unterhaltsam. Ein letzter Gruss aus dem Ländle.

Liebe Daheimgebliebene!
Wir haben Vorarlberg-Luft geschnuppert und das Ländle an-, vielleicht sogar aufgekratzt.
Jetzt haben wir eine Ahnung, aber auch nicht mehr. Klar, wir haben die diversen Mohrenbiere, Subirer und sogar lokalen Whisky probiert, allerhand Spezialitäten vom Bäcker, beispielsweise von Josef Schertler, oder vom Metzger; die Schnitzel schmeckten, jenes im «Roten Haus» etwas weniger als das legendäre (und blitzartig servierte) in der «Schattenburg». Nicht zu verachten auch ein spätnächtliches in unserm Haselstaudler Hotel «Hirschen», das füllte den Magen reichlich bis mittags zur Fronleichnamsprozession vor der Kirche. Von denen gibt’s viele, obwohl das Land nicht mehr ganz so katholisch ist wie noch vor 50 Jahren.

Wir fuhren auf vielen Strassen, kleineren und grösseren und sogar verbotenen, vor der Nase der «Landbus Unterland» oder auch der eine oder andere Traktor, sogar im städtischen Band, das den oft genannten L.A.-Vergleich schafft. Vier Farben geben den Ton an: Grün, Grau, Blau und Weiss. Eine Landschaft aus Bäumen, Felsen, Himmel und Wolken. Jeder Hügel bewaldet, halbe Dschungel, tief und beruhigend. Doch am Abend wird Weiss zu Gewittergrau und Blitze zerreissen den Himmel – lila, gelb und grell. Danach Stille und Nacht mit angestrahlten Kirchen in den Dörfern. Tiere haben wir leider fast keine gesehen – Hunde, Katzen, Kühe, Spatzen, Fischreiher.

Ortsnamen in Vorarlberg sind pure Unterhaltung. Kostprobe gefällig? Göfis, Schnifis, Schnepfau, Schoppernau, Fraxern, Sulz, Bings, Lorüns, Möggers, Sonntag, Satteins, Bad Hopfreben. Und Balderschwang – es liegt zwar knapp ennet der Grenze im Allgäu, aber an der Transitroute ins Kleinwalsertal.

Alles oberflächliche Eindrücke, aber wir wussten dank unserer wunderbaren Kolumnisten von den doppelten Böden, so berichtete etwa die junge Schriftstellerin Linda Achberger denkwürdig von den Momenten, in denen die Idylle kippt. Das Land muss und will sich derzeit neu erfinden oder wenigstens positionieren, Hanno Loewy und Herwig Bauer sprachen auf unseren Seiten davon. Am besten wären wir mit ihnen diese Woche mal in einen Workshop zum Markenprozess «Vorarlberg» reingehockt, sie wirken im 30-köpfigen Kernteam von «Experten, Querdenkern, Visionären, die gerne einen Blick über den Tellerrand werfen». Vom Tellerrand ist oft die Rede, wenn es ums Ländle und sein neues «Branding» geht.

Spannende Köpfe hätten wir noch einige notiert, vom Biobauer bis zum Conrad-Sohm-Chef, darunter natürlich auch Michael Köhlmeier, Monika Helfer, Robert Schneider, Kurt Bracharz. Und von wegen Medien: Die Gastfreundschaft bei Russmedia in Schwarzach war grandios, und wir würden uns hüten, «Russland» zu kritisieren, weil wir ja buchstäblich im Glashaus sitzen. Gern hätten wir ausserdem einen schrulligen Bürgermeister getroffen und mit ihm über Land und Leute parliert. Entschädigt wurden wir am letzten Tag durch einen Anruf: «Hier Büro Wallner, der Landeshauptmann hätte Zeit für ein Interview.» Gern! (Das Ergebnis steht auf Seite 35).

Hätten, würden, wären, alles vorgemerkt fürs nächste Mal: Ein Besuch im Frauenmuseum in Hittisau – dem einzigen in Österreich. Überhaupt die Frauen: der Endspurt für das zweite Frauenvolksbegehren läuft. 100 Jahre nachdem Frauen erstmals wählen durften. Gleichberechtigung im Ländle, bricht was auf, rumort es da? Eine Recherche, wenn nicht zur Entnazifizierung, so wenigstens zu den Hinterlassenschaften der französisch-marokkanischen Besatzungszeit. Wo kommen in Vorarlberg Wörter her wie Trottoir, Rollo, Blamage, Fallot? Von Napoleon wie bei uns – oder doch von den Befreiern von 1945? Und was ist aus den «Marokkanerkindern» geworden? Einer von ihnen sei immer auf dem Bregenzer Wochenmarkt anzutreffen... Ein kaum erforschtes Thema, wie uns Markus Barnay erklärte. Sein Essay hat unsere Woche eingeleitet, sein Vorarlberg-Buch gute Grundlagen gelegt.

Das Schlusswort überlassen wir einer erfreuten Leserin: «Herzlichen Dank für die Vorarlberger Seiten. In der heutigen Zeit, wo in vielen Köpfen (und nicht nur da) die Mauern wieder hochgezogen werden, eine Wohltat. Wie wäre es denn mit den Nachbarn über dem Bodensee oder im Elsass? Einfach ab und zu etwas über den Tellerrand hinausschauen tut doch gut.» Danke, das trifft es genau.

Tschau, pfiet eu, bis bald, Euer Ressort Ostschweiz.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.