Über 70 Einsätze am Wochenende: St.Galler Kantonspolizisten müssen wegen Lärmklagen doppelt so oft ausrücken wie im Vorjahr +++ Auch im Thurgau häufen sich die Polizeieinsätze

Anzeigen wegen lauter Partys und lärmendem Fussvolk häufen sich auch an diesem Sommerwochenende. Was das mit Corona zu tun hat.

Henrike Hoppe, Christian Kamm und Claudio Weder
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An den Sommerwochenenden häufen sich die Lärmklagen mehr als letztes Jahr, meldet die St.Galler Kantonspolizei.

An den Sommerwochenenden häufen sich die Lärmklagen mehr als letztes Jahr, meldet die St.Galler Kantonspolizei.

Bild: Michel Canonica (St.Gallen, 4.Juli 2020)

In der Zeit zwischen Freitag und Sonntagmorgen ist die Kantonspolizei St.Gallen auf Kantonsgebiet über 40 Mal wegen Ruhestörungen ausgerückt. Die Zunahme der Ruhestörungen sei seit mehreren Wochenenden feststellbar, schreibt die Polizei in einer Mitteilung. Die Zahlen hätten sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Lärmklagen treffen zu unterschiedlichsten Zeiten ein

Während einige Meldungen erst in den frühen Morgenstunden eingingen, meldeten sich andere Bürger bereits kurz nach 22 Uhr und beschwerten sich über Ruhestörungen aus Privatwohnungen, Restaurants oder von lärmenden Fussgängern. Die Polizisten der ausgerückten Polizeipatrouillen versuchten im Dialog, die Lärmenden auf ihr Verhalten aufmerksam zu machen, so die Polizei. In einzelnen Fällen wurden Einsatzgebühren in der Höhe von 80 Franken ausgestellt.

Auch im Thurgau auffällig viele Klagen

Matthias Graf, Leiter Kommunikation der Kantonspolizei Thurgau.

Matthias Graf, Leiter Kommunikation der Kantonspolizei Thurgau.

Bild: Andrea Stalder

Auch im Thurgau war die letzten Nächte viel los. Allein in der Nacht von Samstag auf Sonntag ist die Thurgauer Kantonspolizei laut Mediensprecher Matthias Graf 25 Mal wegen Ruhestörung ausgerückt. Das sei auffällig viel, sagt er auf Anfrage. Insgesamt war die Thurgauer Kantonspolizei an diesem Wochenende bis am Sonntagnachmittag 30 Mal wegen Ruhestörung im Einsatz.

Vergleichende Aussagen kann Graf zurzeit jedoch keine machen. «Dafür müsste man die Zahlen genau anschauen.» Es könne sein, dass sich die Einsätze schon in den Sommerferien vor einem Jahr in diesem Rahmen bewegt hätten. Auch zu möglichen Gründen für die vielen Polizeieinsätze wegen Lärmklagen will Graf sich nicht weiter äussern.

Trotz Ferien zu Hause - Rücksicht auf andere

Die Kantonspolizei St.Gallen hingegen stellt eine deutliche Zunahme der Ruhestörungen fest. Ein Grund dafür dürfte laut Mediensprecher sein, dass sich wegen der Coronasituation mehr Leute zu Hause aufhalten und den Lärm als störend empfinden. «Die Ruhestörungen kommen unterschiedlich zustande», sagt Pascal Helg. Er sagt:

«Auffallend sind vor allem laute Abende auf Balkonen oder Jugendliche, die es sich auf Schulgeländen und vor Bars gemütlich machen.»

Auch Partys würden seit den Lockerungen der Coronaschutzmassnahmen wieder häufiger stattfinden. Sei es in öffentlichen Clubs oder als Privatfeste mit ausgewählten Partygästen. Einschränken liesse sich die Altersgruppe hierbei jedoch nicht.

«Es sind nicht nur Jugendliche, die für Unruhe sorgen», sagt Helg weiter. «Auch andere Unruhestifter lassen die milden Sommerabende auf ihren Balkonen ausklingen oder schlendern lautstark durch die Strassen.»

Die St.Galler Kantonspolizei appelliert daher erneut an die Bevölkerung. Man solle sich in der kommenden Ferienzeit bewusst sein, dass Lärm im Freien als störend empfunden wird. Mit Rücksicht auf Ruhesuchende sollte es folglich gelingen, dass für alle der Sommer eine erholsame und konfliktfreie Zeit wird.

In Ausserrhoden blieb es ruhig

Marcel Wehrlin, Mediensprecher Kantonspolizei Ausserrhoden.

Marcel Wehrlin, Mediensprecher Kantonspolizei Ausserrhoden.

Bild: PD

In Ausserrhoden hielten sich die Lärmklagen am vergangenen Wochenende in Grenzen.

Laut Mediensprecher Marcel Wehrlin musste die Kantonspolizei in der Nacht von Samstag auf Sonntag etwa 5 bis 6 Mal wegen Ruhestörungen ausrücken – meist waren es kleinere Ansammlungen von Personen, die sich in ihren eigenen Gärten aufhielten und dabei laut Musik hörten. Im Vergleich zum letzten Jahr kann Wehrlin keine Häufung von Lärmklagen feststellen.

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