Mehr Französisch für St.Galler Mittelschüler: in der Theorie gut, aber Hemmungen beim Reden

Eine weitere Lektion Französisch soll St.Galler Mittelschüler zum Sprechen der Fremdsprache animieren. Sehr beliebt ist die bilinguale Maturität mit Deutsch und Englisch.

Katharina Brenner
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In der Theorie seien die Schülerinnen und Schüler gut, heisst es beim Amt für Mittelschulen. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

In der Theorie seien die Schülerinnen und Schüler gut, heisst es beim Amt für Mittelschulen. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Schulanfang heisst für viele Schulwechsel. Im Kanton St. Gallen besuchen ab Montag 1167 Schülerinnen und Schüler neu die Mittelschule. Eine ähnliche Zahl wie in den Vorjahren. Die sechs staatlichen Mittelschulen in St. Gallen, Heerbrugg, Sargans, Wattwil und Wil erwarten insgesamt mehr als 4300 Schülerinnen und Schüler. Die neuen unter ihnen verteilen sich auf 53 Klassen, pro Klasse 22. Gemäss Bildungsdepartement ist das eine relativ hohe Zahl. Tina Cassidy, Leiterin Amt für Mittelschulen, sagt: «Bei 22 wird es wohl kaum bleiben. Es kommen noch einige dazu, die wiederholen. Wir werden dann Klassen mit bis zu 25 Schülerinnen und Schülern haben.»

Nach der Probezeit würden sich die Schülerbestände meist wieder nach unten korrigieren. 20 Schülerinnen und Schüler pro Klasse seien die Regel. Durch die höheren Schülerzahlen spart das Bildungsdepartement sechs Klassen ein und damit rund zehn Millionen Franken über die vierjährige Ausbildungsdauer. Eine zusätzliche Klasse würde jedes Jahr 480000 Franken kosten. Grösster Faktor seien die Löhne fürs Lehrpersonal, sagt Cassidy. Weniger Lehrpersonen bedeute das aber nicht, vielmehr einen Verzicht auf die Anstellung von zusätzlichen Lehrerinnen und Lehrern. Die Praxis höherer Schülerzahlen in den Klassen sei seit Jahren gängig.

Kontakte zu Schulen im Welschland

Neu ist die zusätzliche Französischlektion im zweiten Semester des ersten Jahres. Mit dieser Massnahme möchte die Regierung das Fach stärken. Sind St.Galler Mittelschüler zu schlecht in Französisch? Cassidy sagt:

«Sie sind in der Theorie gut, trauen sich aber zu wenig, die Sprache zu sprechen.»

Die zusätzliche Lektion konzentriere sich deshalb aufs Mündliche. Es sei ausserdem angedacht, dass die St.Galler Mittelschulen Kontakte zu Schulen im Welschland herstellen. «Die Schülerinnen und Schüler sollen zum Beispiel über Whatsapp oder SMS mit Kolleginnen und Kollegen aus der Westschweiz auf Französisch kommunizieren und sie auch einmal besuchen.» Sie sollen merken, dass es wichtig ist, diese weitere Landessprache zu sprechen.

Während manche Mühe mit Französisch haben, ist Englisch umso beliebter. «Das Interesse, eine zweisprachige Maturität deutsch-englisch anzustreben, ist ungebrochen», schreibt das Bildungsdepartement. Auch in diesem Jahr wird rund ein Drittel der neuen Gymnasiasten und Gymnasiastinnen eine bilinguale Klasse besuchen.

77 Prozent besuchen Gymnasialklasse

Beliebt bleibt auch das Gymnasium. Es ist noch immer der mit Abstand am häufigsten gewählte Lehrgang. 77 Prozent der ­neuen Mittelschülerinnen und -schüler treten in eine der
40 Gymnasialklassen ein.

Neben dem Gymnasium bieten St.Galler Mittelschulen die Lehrgänge Fachmittelschule, Wirtschaftsmittelschule und Informatikmittelschule an. 33 Schülerinnen und Schüler besuchen ab Montag eine Informatikmittelschule. Sie streben einen Abschluss als Informatiker oder Informatikerin und eine kaufmännische Berufsmaturität an. Für eine Wirtschaftsmittelschule haben sich 45 Schülerinnen und Schüler entschieden. Die Kanti am Brühl in St.Gallen sowie die Kanti Sargans führen Informatik- und Wirtschaftsmittelschulen. Eine Fachmittelschule mit den Berufsfeldern Pädagogik, Gesundheit, Soziales, Bildnerisches Gestalten sowie Information und Kommunikation werden 191 Schülerinnen und Schüler besuchen. Die Kanti am Brühl, Heerbrugg, Sargans und Wattwil führen diese Angebote.

Wer die Mittelschule besucht, verlässt sie eines Tages auch wieder. Im Juli haben 967 Schülerinnen und Schüler ihre Maturitäts- oder Abschlusszeugnis entgegengenommen.

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