Missbrauchsfall in St.Galler Kita: Über fünf Jahre Haft gefordert

Ein St.Galler Kitabetreuer wird beschuldigt, drei Kinder geschändet und die Taten gefilmt zu haben. Der Fall war Anfang Jahr publik geworden. Im Januar wird dem 34-Jährigen der Prozess gemacht.

Claudia Schmid
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Zu den Tatorten zählen laut Anklageschrift Kindertagesstätten, aber auch eine Privatwohnung.

Zu den Tatorten zählen laut Anklageschrift Kindertagesstätten, aber auch eine Privatwohnung.

Symbolbild: Getty

Der Missbrauchsverdacht gegen einen Betreuer in St.Galler Kindertagesstätten löste im vergangenen Frühling tiefe Betroffenheit aus. Nicht nur die Eltern der betreuten Kinder, sondern auch die Kita-Leitung und die Mitarbeitenden waren schockiert.

Die Behörden waren auf den Mann aufmerksam geworden, weil sie auf einem Datenträger eine Sammlung von 4600 Videos und rund 61700 Bilder mit hauptsächlich kinderpornografischem Inhalt fanden. Als Urheber eruierten sie einen 34-jährigen Schweizer, der die Sammlung zwischen 2005 und 2018 primär via Darknet angelegt haben soll.

Kindesmissbrauch in Krippe und als Babysitter

Im Zuge der Ermittlungen kam der Verdacht auf, dass er auch an seinem Arbeitsplatz und als privater Babysitter Straftaten beging. Die St.Galler Staatsanwaltschaft erhob im vergangenen Herbst Anklage, das Gerichtsverfahren wird am 21. Januar vor dem Kreisgericht St.Gallen stattfinden.

In der Anklageschrift stellt die zuständige Staatsanwältin den Antrag, der Beschuldigte sei der Schändung, der sexuellen Handlungen mit Kindern, der Pornografie, der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte und der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz (alles in mehrfacher Form) schuldig zu sprechen.

Die Staatsanwältin verlangt in der Anklage eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten sowie eine Busse von 600 Franken.

Im Weiteren beantragt die Anklage, für den Beschuldigten sei eine stationäre therapeutische Massnahme zur Behandlung der psychischen Störung anzuordnen. Er soll zudem mit einem lebenslangen Tätigkeitsverbot belegt werden, welches jede berufliche und ausserberufliche Tätigkeit umfasst, die einen regelmässigen, kurzzeitigen oder sporadischen Kontakt zu Minderjährigen bedeutet. Auch sei Bewährungshilfe anzuordnen.

Drei kleine Buben waren die Opfer

In der Anklageschrift werden dem Beschuldigten zur Hauptsache sexuelle Handlungen zum Nachteil dreier Kleinkinder in den Jahren 2016 und 2018 vorgeworfen. Diese soll er auf Datenträger aufgenommen haben. Die geschändeten Buben waren im Alter zwischen 16 Monaten und vier Jahren. Das eine Opfer fesselte er mit Handschellen an sich.

Zwei der Straftaten geschahen in Kindertagesstätten, eine in einer Privatwohnung. Von weiteren Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren machte er ebenfalls pornografische Bilder, ohne dass ein Körperkontakt stattfand. Tatorte waren Tagesstätten in St.Gallen und Gossau sowie ein Waldkindergarten in Flawil.

Der Beschuldigte hatte eine Lehre als Betreuer absolviert und war ab 2017 in einer Kindertagesstätte an der Espenmoosstrasse in St.Gallen tätig. Er half auch an anderen Standorten aus und bot seine Dienste als Babysitter an. Seit April 2019 befindet er sich im vorzeitigen Massnahmenvollzug.

Der Mann wurde bereits im Juli 2018 festgenommen und verbrachte anschliessend rund neun Monate in Untersuchungshaft. Die Öffentlichkeit ist von der Gerichtsverhandlung am Kreisgericht St.Gallen ausgeschlossen. Bis zum Urteil gilt die Unschuldsvermutung.