Twitteratur, meisterhaft

Die St. Gallerin Claudia Vamvas ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Twitter-Autoren der Schweiz. Ihre poetischen Kürzestgeschichten sollen nun sogar gedruckt werden.

Julia Nehmiz
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Über 10 000 User lesen die Kurznachrichten von Claudia Vamvas auf Twitter. (Bild: pd)

Über 10 000 User lesen die Kurznachrichten von Claudia Vamvas auf Twitter. (Bild: pd)

ST. GALLEN. «Ich kann kaum glauben, wenn mir prominente Menschen auf Twitter folgen, weil, was mache ich schon? Ich schreibe ja nur spontane Kleinigkeiten», sagt Claudia Vamvas und wundert sich immer noch ein bisschen.

Seit vier Jahren twittert sie – ihr Sohn erklärte ihr damals die für sie neue Social-Media-Plattform. Und auch Vamvas startete wie alle anderen mit null Followern. Niemand bemerkte, wenn sie ihre Kurznachrichten hinaus in den Äther schickte.

Doch Claudia Vamvas beherrscht die hohe Kunst der Sprachverdichtung. Eine Nachricht auf Twitter darf maximal 140 Zeichen lang sein. Vamvas reichen wenige Buchstaben, um ganze Geschichten zu erzählen. Lakonisch, lustig, nachdenklich: «Eine mir unbekannte Frau erzählte mir neulich im Zug, sie beobachte gerne die Leute. Ich sagte, ich auch. Daraufhin musterten wir uns stumm.» Der junge deutsche Autor Patrick Salmen hat diesen Tweet seinem neuesten Buch vorangestellt.

Einige Tweets von Claudia Vamvas sind vergangenen Herbst als E-Book erschienen und sollen bald als «richtiges» Buch gedruckt werden. «Sitze im Bus», so der Titel. Kommende Woche startet ihre Berliner Verlegerin Christiane Frohmann ein Crowdfunding, um das Geld für den Druck zu sammeln.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 22. Mai.