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Tschechische Freunde an der Olma

Erstmals war die Delegation aus Liberec an der Olma. Der Kanton St. Gallen und die Region in Tschechien haben neue Schwerpunkte für ihre Partnerschaft festgelegt.
Katharina Brenner
Olma-Direktor Nicolo Paganini (Dritter von rechts) erklärt der Delegation aus Liberec den Hintergrund und die Bedeutung der Messe. Hinter ihm (im weissen Hemd) steht Martin Půta, Präsident der tschechischen Region Liberec. (Bild: Urs Bucher)

Olma-Direktor Nicolo Paganini (Dritter von rechts) erklärt der Delegation aus Liberec den Hintergrund und die Bedeutung der Messe. Hinter ihm (im weissen Hemd) steht Martin Půta, Präsident der tschechischen Region Liberec. (Bild: Urs Bucher)

Auf dem Weg zum Wein macht Martin Půta noch schnell vor dem Hanf halt. An einem Stand im Eingangsbereich der Olma-Halle 9.1.2 stehen mehrere Cannabispflanzen. Ein weiteres Mitglied der tschechischen Delegation macht mit dem Handy ein Bild von Půta, dem Präsidenten der nordböhmischen Region Liberec. Dann betreten sie die Sonderschau zum St. Galler Wein. Olma-Direktor Nicolo Paganini erklärt den 15 Delegierten, wie die Olma entstand, wofür sie heute steht und dass jedes Jahr in den Nachrichten gezeigt wird, wie ein Bundesrat ein Säuli in den Armen hält. Da schmunzeln die tschechischen Gäste bereits, und als Paganini das Säulirennen erwähnt, erst recht.

«Grossartig», antwortet Půta auf die Frage, wie ihm die Olma gefalle. Der Austausch zwischen Liberec und St. Gallen besteht seit dem Fall des Eisernen Vorhangs, 2001 unterzeichneten der Kanton und der Kreis eine politische Vereinbarung. Immer wieder war eine Delegation in St. Gallen zu Gast, aber nie während der Olma. Die Messe war allerdings nicht der Grund für ihren Aufenthalt in St. Gallen von Mittwoch bis gestern. Auch nicht der Ausflug auf den Chäserugg und in die Klangwelt Toggenburg, sondern das Arbeitstreffen am Freitagvormittag. Die St. Galler und die Liberecer Regierung haben gemeinsam das neunte Umsetzungsprogramm ihrer Zusammenarbeit beschlossen, das von 2019 bis 2021 laufen wird.

Geplant ist ein Austausch in den Bereichen Umwelt mit einem Schwerpunkt auf Luftqualität sowie dem Ausbau von Abwasserreinigungsanlagen, um Mikroverunreinigungen zu eliminieren. Im Bereich Bildung liegt der Schwerpunkt auf dem dualen Ausbildungssystem, im Bereich Kultur auf der Zukunft der Bibliotheken. Im Gesundheitswesen soll es um Prävention in der Volksschule sowie Suchtpolitik und Behandlung gehen. Im Sozialen liegt der Fokus auf Familienpolitik, bei der öffentlichen Verwaltung auf Kommunikation. Beim Schwerpunktthema Demokratie und Föderalismus wird auf den Austausch von Bürgermeistern und Gemeindepräsidenten gesetzt, der bereits existiert.

Berater und Experten helfen bei Gründung

Das achte Schwerpunktthema ist Wirtschaft mit der Förderung von Start-ups und Innovationen. Sowohl der St. Galler Regierungspräsident Stefan Kölliker als auch sein Liberecer Pendant Martin Půta betonen: «Wir wollen Talente in der Region halten.» Hier lockt Zürich, dort Prag. St. Gallen und Liberec wollen bei der Unterstützung von Starts-ups und Innovationen zulegen. Zentral für die tschechische Delegation war deshalb ihr Besuch im Westen der Stadt St. Gallen: zuerst im Innovationsraum der Empa, dann gegenüber im «Startfeld», wo sich Start-ups angesiedelt haben und Innovationen unterstützt werden.

Vor einem Jahr hat Philipp Roden das Liberecer Pendant «Lipoink» gegründet. Roden ist Teil der tschechischen Delegation und erklärt, was «Lipoink» macht: «Wir fördern den Nachwuchs, gehen in Primar- und Mittelschulen und sprechen dort über neue Technologien.» Weiter helfen erfahrene Berater und Experten kreativen Köpfen bei der Firmengründung und späteren Expansion. Oder bei der Übergabe an die nächste Generation. «Viele KMU in unserer Region wurden Anfang der 1990er-Jahre gegründet», sagt Roden. Es stehe ein Generationenwechsel an. «Diese Übergabe ist eine Herausforderung.»

Während Roden am Freitag die Olma besucht, beginnt in Liberec offiziell der Bau des «Startfeld»-Pendants. 3800 Quadratmeter auf anderthalb Stockwerken soll es umfassen. Die St. Galler seien einige Schritte voraus, von dieser Erfahrung könnten er und sein Team profitieren. Und andersherum? Man habe ähnliche Lösungsansätze, könne sich austauschen. Und die Region Liberec sei mit ihrer Industrie und ihren Technologien interessant: Maschinenbau, Glas, Kristalle für Laser und – ähnlich der Forschung der Empa – Innovationen auf dem Gebiet fortschrittlicher Textilien.

Direkte Demokratie als Vorbild

Für das achte Umsetzungsprogramm, das seit 2016 läuft und mit diesem Jahr endet, zogen die beiden Regierungen ein positives Fazit, ebenso für die gesamte Partnerschaft. Im Lauf des aktuellen Programms haben sich 150 Fachpersonen aus St. Gallen und Liberec ausgetauscht. Der Kanton könne in mehrerer Hinsicht von diesem Austausch profitieren, sagt Stefan Kölliker. «Die Partnerschaft zeigt uns, wie andere mit denselben Herausforderungen umgehen. Und das oftmals mit viel weniger Geld.» St. Gallen könne insbesondere im Gesundheitswesen und im Bereich der Drogenprävention von den Erfahrungen der Tschechen lernen. Martin Půta wiederum ist angetan von der direkten Demokratie. Auf kommunaler Ebene könnte er sich das Modell für Liberec gut vorstellen.

Und wer weiss, vielleicht wird in das übernächste Umsetzungsprogramm ja ein Schwerpunkt zum Thema Wein einfliessen.

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