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Trotz Klimastreik: St.Galler Maturanden reisen mit dem Flieger – nur in einer Schule herrscht Flugverbot

Tausende gingen gestern in der Ostschweiz für das Klima auf die Strasse – allen voran die Kantischülerinnen und Kantischüler. Auf Flugreisen nach der Matura wollen sie dennoch nicht verzichten.
Noemi Heule
In St.Gallen demonstrierten am Freitag Hunderte für eine griffige Klimapolitik. (Bilder: Urs Bucher)In St.Gallen demonstrierten am Freitag Hunderte für eine griffige Klimapolitik. (Bilder: Urs Bucher)
Klimastreik Demo in der St. Galler Innenstadt © Urs Bucher/TAGBLATTKlimastreik Demo in der St. Galler Innenstadt © Urs Bucher/TAGBLATT
Klimastreik Demo in der St. Galler Innenstadt © Urs Bucher/TAGBLATTKlimastreik Demo in der St. Galler Innenstadt © Urs Bucher/TAGBLATT
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Die Demonstration für das Klima in der St.Galler Altstadt

Alicante, Amsterdam, Barcelona, Malaga, Mallorca und nochmals Mallorca. Das alles sind Destinationen der diesjährigen Maturareise an der Kantonsschule am Burggraben. Dort, wo der Klimastreik in der Ostschweiz seinen Ursprung hat, hat das Fliegen Konjunktur. Eine Umfrage zeigt: Die meisten Abschlussklassen setzen sich nach der Matura ins Flugzeug.

Die Klimadebatte habe die Wahl nicht beeinflusst, sagen einige Klassenvertreter. Oder erst im Nachhinein; «aber da hatten wir schon gebucht». Andere liessen sich «ein wenig» beeinflussen. Sie reisen mit dem Car nach Rimini oder mit dem Zug ins Tessin.

Eine Klasse reist zweigeteilt nach Split, mit dem Flugzeug und mit dem Car. Sie gehen miteinander hart ins Gericht: «Kann man streikende Schüler, die für vier Nächte 800 Kilometer hin- und zurückfliegen, ernst nehmen?», fragt ein Schüler – «ich nicht». Wieder andere fliegen nach Barcelona. Dem Klima zuliebe habe man sich überlegt, den Nachtzug zu nehmen, dem Budget zuliebe davon abgesehen.

Klimaaktivisten wollen beim Kollektiv ansetzen

Die Reisen nach abgeschlossener Matura seien Sache der Schülerinnen und Schüler, sagt Rektor Marc König. Er wolle sie deshalb nicht kommentieren. Nur so viel: Die Reisen seien vor der breiten Klimadiskussion gebucht worden.

«Ich bin überzeugt, dass die Destinationen in einem Jahr zum Teil anders aussehen werden.»

2007 schaffte die Schule das Fliegen für die Klassenreisen ab – «aus ökologischen Gründen». Fast zeitgleich nahm sich die Schule bei der Maturareise aus der Verantwortung. Sie wird von den Schülerinnen und Schülern selbstständig organisiert. Der Effekt war umgekehrt: Seither greifen die Schüler eher auf Billigangebote wie Easyjet zurück.

«Es regiert das Portemonnaie», sagt Klimaaktivistin Miriam Rizvi. Nun soll die Politik reagieren. Die Forderungen der Klimastreiker gehen denn auch über den individuellen Verbrauch hinaus. Dieser mache nur 29 Prozent der gesamten Treibhausemissionen aus, sagt Rizvi.

Gemäss Bundesamt für Umwelt ist der Flugverkehr für insgesamt 3 Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich. Dennoch fordert die Zweitklässlerin von ihren älteren Kollegen, Prioritäten zu setzen – also die langfristigen Klimaziele dem kurzfristigen Spass überzuordnen. Und sie stimmt mit ihrem Rektor überein. Das Bewusstsein habe sich geändert. Bald werden auch Taten folgen, ist sie zuversichtlich.

Nur in Heerbrugg herrscht Flugverbot

In den meisten Ostschweizer Kantonsschulen wird die Maturareise individuell von den Schülern organisiert. Wohin die Reisen gehen sollen, wisse das Rektorat nicht, heisst es praktisch unisono von Frauenfeld bis Trogen. In der Kanti Wattwil wurde die Maturareise vor über zehn Jahren abgeschafft, sagt Rektor Martin Gauer. «Damals nicht den Ökobilanzen geschuldet», sagt er.

«Die Schüler erwarteten zunehmend Partyreisen, die wir in dieser Form nicht mehr unter dem Titel Schule unternehmen wollten.»

Einzig in Heerbrugg wird die Maturareise noch im Sinne einer Bildungsreise von der Schule mitgetragen. Es herrscht deshalb Flugverbot. So wie es auch die anderen Kantis für Klassenreisen innerhalb Europas kennen.

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